Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448218-2448297--35077-2483045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1604 ter der Erde" no-wn ronewo fc, so kommt auch Israel nicht wie andere Völker in fremde Länder als Bezwinger sengend und brennend, Tod und Verderben, Jammer und Unglück verbreitend, sondern allenthalben Segen spendend, als friedliche Bürger schaffend und wirkend kommen sie, stets durch ihr Arbeiten und Streben, durch ihre Mäßigkeit und ihren Fleiß den Wohlstand des Staates, das Gewerbe, die wirthschaftliche Wohlfahrt und das materielle Gedeihen des Landes fördernd und stets zu heben und zur Blüthe zu bringen sich emsig und ehrlich bestrebend; wie Abraham mit unvergleichlicher Kühnheit als einzelner Mensch in einer ganzen Welt von Heiden und Götzenverehrern sich nicht scheute und nicht fürchtete den Altar des einzigen Gottes aufzurichten und Gott anzurufen, seine Heilslehre zu verkünden und Tugend und Menschenliebe zu predigen, (wahrlich heldenhafter als alle die kühnen Thaten der obenerwähnten Heroen), so auch hat Israel muthig und tapfer seine Ueberzeugung, seine heilige Lehre trotz aller Anfeindungen hoch gehalten und laut und offen sich zu ihr bekannt, die Cultur des Herzens, die Bildung des Gemüthes gepflegt, Tugend und Menschenliebe geübt und durch seine edle Gesinnung, durch seine Humanität, durch seine Hochherzigkeit und seinen hochentwickelten Familiensinn ein edles nachahmenswerthes Vorbild geboten allen Völkern, unter denen es gelebt und gewirkt. Wir wollen nicht zu sehr in Einzelheiten übergehen, um das gleiche Geschick Abrahams mit dem des israelitischen Volkes darzuthun, denn wer erkennt nicht sogleich in allen übrigen edlen Eigenschaften Abrahams, in seiner Uneigennützigkeit, in seinem felsenfesten unerschütterlichen Gottvertrauen, in seiner Gastfreundschaft und in seinem Heldenmuth dieselben Tugenden, die Israel zu üben gewohnt ist; wer kennt nicht die selbstlose Uneigennützigkeit des jüdischen Volkes, wie es alle irdischen Gütern freudig hingibt für seine Ueberzeugung und seinen Glauben? wer kennt nicht seine hingebungsvolle Zuversicht auf Gott, daß das Recht und die Wahrheit doch den Sieg in der Welt erringen werden? wer kennt nicht sein offenes Herz und seine offene Hand, wo es gilt Mildthätigkeit zu üben? Dies alles besitzt Israel in gleicher Weise, wie unser Patriarch Abraham und wie dieser fest und bestimmt, der Ueberzeugung war, daß einst seine Nachkommen das Land Kanaan in Besitz nehmen werden, so wie es ihm Gott verheißen hatte, so ist auch Israel ganz durchdrungen von der Verheißung, daß es der Menschheit zum Segen gereichen wird n*ni N212, daß die Ideen seiner erhabenen Lehre, die Grundsätze seines Gottesbuches die ganze Welt erobern und die Gemüther aller ihrer Bewohner erfüllen werden, daß Israel das größte, weil bedeutungsvollste Volk auf Erden ist, dessen Gotteserkenntniß einst bei allen Völkern Eingang und Verbreitung finden wird. Wie herrlich sprechen auch unsere Weisen diese Ueberzeugung in den Worten aus □rro« onDWff n tow „Und ich werde dich machen zu einem großen Volke" „das heißt, man wird sagen:DerGott Abrahams." Zu welchem Gotte bekennen sich heute die mächtigsten Völker der Cultur, die größten Nationen der Civilisation? Ist es nicht der Gott Abrahams?! Dashatdas Priefterthum Israel durch seine Existenz bewirkt. Es wird auch ferner seinen priefterlichen Beruf unter den Völkern zu erfüllen bestrebt sein, bis alle die herrlichen Gottesgebote der allgemeinen Menschenliebe, der wahrhaften Gerechtigkeit, die Gesetze der Sitte und der Tugend, welche unsere heilige Thora lehrt, allenthalben Verbreitung, Verständniß und Würdigung gefunden haben werden, dann werden auch alle Weltbewohner erkennen in Dankbarkeit, was Israel für die Menschheit gewirkt und geleistet, und werden es segnen, ob des großen Segens, den es der Welt gespendet als Priester des einzigen Gottes, wie es im Talmud heißt: ibm» -ponD 11220 pi bo 1'2i2v .1212x1 „Jeder Priester, der segnet, wird wieder gesegnet", denn es steht geschrieben: und ich werde den segnen, der Dich segnet". Zeitungsnachrichten «ud Correfpoudenze«. Deutschland. Berlin, 19. October. Was noch keine Partei in Deutschland zu Wege gebracht hat, das ist den Antisemiten gelungen. In Zukunft ist es gestattet, den preußischen Justizminister nach Herzenlust zu beleidigen, zu beschimpfen, ihn der gemeinsten Handlungen zu verdächtigen; Herr v. Schell in g wird sich das ruhig gefallen lassen; denn die auffallende Thatsache, daß der Juftizministcr in den Fällen Paasch und A h l w a r d t seine Strafanträge zurückgezogen hat, wird in der „Nordd. Allg. Ztg." durch folgende offiziöse Erklärung vertheidtgt: „Für die unparteiische Wirksamkeit eines Ministers, welcher die Aufsicht über die Staatsanwaltschaft und in einem gewissen Sinne auch über die Gerichte zu führen hat, ist es unerwünscht, wenn er bei diesen Behörden als Kläger auftreten und ihren Schutz für seine Person in Anspruch nehmen soll, und dies gilt in erhöhtem Maße, wenn der Minister durch diese Prozeßführung in eine persönliche Gegnerschaft zu gewissen Richtungen im Staatsleben tritt. Dennoch ist der Justizminister, so weit in jenen Druckschriften Aeußerungen thatsächlicher Natur enthalten waren, zu Strafanträgen geschritten, aber einzig zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.