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Der Israelit · 1892-10-27 · Heft 85 (27.10.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 85 (27.10.1892)
Date
1892-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Der Israelit KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Donnerstag, den 27. Oktober 5653 (1892). DM- Neu eingetretene Abonnenten erhalten auf Verlangen die seither erschienenen Kapitel der Erzählung „Fürftengnnft" in Buchform sowie den Taschen-Kalender des „Israelit" gratis und franko nachgeliefert. Expedition des „Israelit". Leitender Artikel. Abraham. 3« Paraschath “S von Rabbiner H. Galaudauer in S oborten (Böhmen.) Jedes Volk hat seine Heroenzcit. Die Entstehungsgeschichte der Griechen, der Germanen und der Gallier ist voll von den glänzenden Waffenthaten ihrer Heroen, welche durch List und übermenschliche Kraft, durch Kühnheit und unbezwingliche Gewalt Wunder vollbrachten, welche die Welt in Staunen und Bewunderung versetzten , unter den Menschen Furcht und Entsetzen verbreiteten, Völker und Nationen mit eiserner Faust sich unterthan machten und alles unbarmherzig zertraten, was sich ihrer Willkür nicht beugen wollte. Auch das Volk Israel hat seine Heroenzeit, aber sie ist grundverschieden von der anderer Völker. Die Heroen, welche in seiner Entstehungs- und Entwickelungsgeschichte, noch ehe es zum Volke wurde, auftreten, zeigen in ihren Heldenthaten ihren Nachkommen einen ganz andern Weg als den des Waffenruhmes, der körperlichen Macht und Stärke, der alles bezwingenden materiellen Gewalt. Die Worte unserer Weisen finden auch hier ihre volle Bestätigung: 'wnofe □’jsb 'tx rvüxb. „In der Geschichte der Patriarchen spiegelt sich wieder die Geschichte ihrer Nachkommen." Das Ideal des griech. Volkes war ein Theseus, ein Herkules, denen nachzuahmen es strebte, der Abgott der Römer war Romulus und ein böser Geist der rohesten Gewaltthätigkeit durchzieht ihre ganze Geschichte, Israels Heros war ein Abraham und ihm gleich zu thun ist das Strebensziel seiner Abkömmlinge, so find die Vorläufer in der Geschichte eines jeden Volkes gleichsam die Keime, aus denen sich dann sein Charakter und seine Eigenheiten entwickeln. Unser Heros Abraham erscheint auf dem Schauplatz der Geschichte und keine einzige seiner Heldenthaten gleicht denen der Heroen anderer Völker. Auf der Völkerbühne tritt er nicht auf als Besieger und Bezwinger von fabelhaften Ungethümen, nicht als Eroberer und Beherrscher von mächtigen Ländern und Nationen, nicht als riesenhafte Gestalt Felsen zermalmend; nichts von alledem ist in Abraham zu finden. Er tritt auf als Vorläufer eines Volkes, aus dem das wahre Heil für die Menschheit, die Lehre des einzigen Gottes für die ganze Welt, die Erlösung und Glückseligkeit für alle Erdenbewohner einst hervorgehen sollte, und alle die hohen Eigenschaften, alle die edlen Charakterzüge, welche ein derartiges Volk besitzen muß, um solche Güter dem ganzen Menschengeschlechte zu spenden, müssen auch deutlich in der Lebensgeschtchte seines ersten Pfadfinders hervortreten. Und wahrlich, in der Erzählung von Abrahams Lebenslauf finden wir genau wiedergegeben die Geschichte Israels. Wie von einem Strahlenkranz umwoben, leuchtet die hehre kraftvolle Lichtgestalt Abrahams durch die Jahrtausende hervor in ihrer Milde und Güte, in ihrer Sanftmuth und Liebe, in ihrem Heldenmuth und ihrer hohen Gesinnung, durch Tugend, Gottesfurcht, Opferwilligkeit, Menschenfreundlichkeit und Friedensliebe ausgezeichnet; das Bild eines wahren v'piw jmm, eines Fürsten ®otte§. Wie Abraham auf den Befehl Gottes seine ihm liebgewordene Heimath verläßt, so vermag auch Israel dem geliebten heimathlichen Boden in freudiger Opferwilligkeit den Rücken zu kehren, wenn es gilt das Gebot seines Gottes, sein höchstes Gut sich zu erhalten; wie Abraham nicht als Eroberer nach Kanaan kommt, sondern allenthalben Segen verbreitend, von dem es auch heißt: *p „Und es werden sich mit Dir segnen alle Geschlech-

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