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Der Israelit · 1892-10-24 · Heft 84 (24.10.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 84 (24.10.1892)
Date
1892-10-24
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Beilage;u M 84 des „Israelis. Zeitungsnachrichten und Eorrespondeuzcn. Deutschland. Mainz, 11. Oktober. In auswärtigen Blättern begegnen wir folgender Erklärung: „In Nr. 316 des „Neichsherold", Seite 3, erläßt Herr Dr. Otto Böckel, daß ich ans dem „Mitteldeutschen Bauernverein" und „Mitteldeutschen Handwerkerverein" als Beamter ansgeschieden bin, aber ohne den Grund anzugeben. Ich erkläre hiermit als Deutscher und Christ, daß ich zu diesem Schritte als Ehrenmann meinen guten Grund habe. Wer Antisemit sein will, --muß in erster Linie auch darnach handeln, das hätten Herr Dr. Böckel und Herr Hirschel sich merken sollen, dann wäre ich geblieben. Allen Freunden, Bauern, Handwerkern und Arbeitern zur Nachricht, daß ich in meinem Kampfe für eine gute Sache nicht anfhöre. Ich habe die „Mittelstaudspartei für Hessen-Nassau" gegründet. Werde nächstens in einer öffentlichen Versammlung meinen Austritt motiviren. Wiesbaden, den 6. Oktober 1802. Jakob Kaiser." (So thnt Einer den Anderen ab. Die Red. des Mainz. Anz.) Berlin, 11. Okt. In den „Mittheilungen aus dem Vereine zur Abwehr des Antisemitismus" veröffentlicht Herr Lic. Gräbner folgenden Bericht über eine am letzten Samstag in Steglitz abgehaltcne Antisemitenversammlnng. Herr Bachler, der Chefredakteur der „Staatsbiigerzeitnng", hielt einen fulminanten Vortrag über das Thema „Gibt es eine Verjudung?" und später sprach auch Ahlwardt. Bei der sich an diese Ansprachen anschließenden Diskussion kam es zu einer sehr erbärmlichen Auseinandersetzung zwischen dem „im antisemitischen Dienste ergrauten" Bachler und einem noch nicht ganz flügge gewordenen Antisemiten-Jüngling. Dieser, der außerdem noch Vorsitzender des Jiinglingsbundes ist, beschwerte sich darüber, daß die „Staatsbürgerzeitnng" in ihren Leitartikeln zwar antisemitisch sei, unter dem Strich aber zweifelhaft werde, jüdische Annoneen ausnehme, ja im redaktionellen Theile sogar für jüdische Firmen Reklame mache, wie für die Salomon'sche Handelsschule und das Cafe Friedrichshof, das dem Inden Koßmann gehöre. Erst kürzlich sei es vorgekommen, daß ein nach Berlin zugezogener Antisemit durch eine solche jüdische Annonce bei einem Juden seine Einrichtung gekauft habe. (Hört! Hört!) Dr. Bachler verwahrt sich dagegen, daß ein so junger Mann, wie der Vorredner, ihm, der im antisemitischen Dienste ergraut ist, der der antisemitischen Sache seine Gesundheit und manches Andere, was er ziffcrmäßig belegen könne, geopfert habe, Vorschriften machen wolle. Die „Staatsbürgerzeitung" hänge nicht von den Antisemiten ab, sondern der Antisemitismus sei durch die „Staatsbürgerzeitnng" in die Höhe gekommen. Sie komme allen gerechten Wünschen nach, wolle man ihr aber den Knüppel Zwischen die Beine werfen, nun gut, sie ist ans Alles vorbereitet. Die Annoncensrage ist eine Existenzfrage: die Zeitung läßt sich da keine Vorschriften machen, wird auch Annoncen von Juden nach wie vor aufnehmen, und er, Redner, sehe nicht ein, weshalb man nicht das von Juden gebrachte Geld annehmen solle (Widerspruch). Die „Staatsbürgerzeitung" hat in ihrem Berichte über die betr. Versammlung jenes unangenehme Intermezzo wohlweislich verschwiegen, aber die waschecht judenhetzerische „N. Dtsch. Ztg." hat diese köstliche Geschichte an den Tag gebracht, und so ist denn die Welt um ein Humorprodnkt reicher. Ratibor, im Oktober. Wie dem Oberschl. Anzeiger telegraphisch berichtet worden, kam es in der neuen Synagoge zu Oswiencim am ersten Tage des Laubhüttensestes während des Hauptgottesdienstes zu Demonstrationen unter den eigenen Glaubensgenossen, die soweit ansarteten, daß die Gendarmie einschreiten und zur Herstellung der Ruhe mehrere Verhaftungen vornehmen mußte. Daß es einmal zn derartigen Szenen kommen würde, war voranszusehen, und ist die Ursache darin zu finden, daß die Oswiencimer israelitische Gemeinde sich in zwei Lager, in die reformirten oder Deutsch-Inden und in die orthodoxen Inden (auch Chassidim genannt) theilt. Während die ersteren die Oberhand haben und sich der Synagogen-Gemeindevorstand aus denselben rekrutirt, wollen sich die Letzteren den Anordnungen desselben nicht fügen und wird hauptsächlich der dortige Ortsrabbiner Dr. Schnur, von ihnen augeseindet, weil er zur deutschen Partei neigt. Das Zerwürsniß zwischen den beiden Partheien hat soweit geführt, daß, während die deutsche Partei den Tempel besucht und daselbst ihren Gottesdienst abhält, sich die orthodoxe Partei abgesondert und besondere Betstuben eingerichtet hat. In diesen kleinen „Stübeln" fanden derartige Ansammlungen statt,^ bis angesichts der drohenden Choleragefahr ans sanitären Rücksichten Seitens der Bezirkshauptmannschast zu Biala die Abhaltung des Gottesdienstes daselbst inhibirt wurde und die Chassidim angewiesen worden sind, sich an dem Gottesdienst im Tempel zn betheiligen. Diese Maßregel brachte dieselben begreiflicherweise in hochgradige Aufregung und ließen sie sich leider zu Ausschreitungen Hinreißen. Verhaftet wurden, wie dem Ratiborer „Anz." geschrieben wird, die Kaufleute Abraham Vulkan, Israel Tobias, Samuel Landau und der Seifenfabrikant Samuel Horowitz. Ganz Oswiencim ist wegen dieses Vorfalles in Aufregung; gestern fanden Vernehmungen vor dem Bezirksrichter und dem Untersuchungsrichter bis in später Abendstunde statt und werden heute den ganzen ^rag über fortgesetzt. M. Aus Weftphalen. Glückliches Westphalen! Dir ist die zweifelhafte Ehre zu Theil geworden, den antisemitischen Agitator und Neiseapostel, Rektor Ahlwardt aus Berlin, in Deiner Mitte zu sehen! Nachdem derselbe in Essen seine Mission beendet, hielt er am 24. Sept. in Dortmund, auf Veranlassung des deutschen Vereins, einen Vortrag, zu dem sich, obgleich ein Eintrittsgeld von 30 Pfg. erhoben wurde, eine große Zuhörerschaft eingefun-

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