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Der Israelit · 1892-10-24 · Heft 84 (24.10.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 84 (24.10.1892)
Date
1892-10-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1594 seine Wangen färbten sich dunkler, und er sprach nur schwer seinen aufsteigenden Zorn bekämpfend: „Sie würden mich zu großem Danke verpflichten, wenn Sie die Güte hätten, mir doch etwas zu erwiedern. Die freundlichen Worte, die ich an Sie gerichtet, sind doch wahrhaftig einer Antwort werth." Mutter und Tochter blicken einander verzweifelnd in's Gesicht. Endlich bewegten sich Dinars bebende Lippen und sie stieß mit heiserer Stimme hervor: „Herr Markbreiter, es bedauert es Niemand tiefer, als ich selbst, Ihnen keine andere Antwort ertheilen zu können, als jene, die ich Ihrer Gattin, Eva Ihrem Sohne ertheilte." Markbretter heftete in höchster Spannung einen fragenden Blick auf Eva; er hoffte noch immer, daß diese ihm eine andere Antwort ertheilen würde, aber nach kurzem, schweren Kampfe sprach Eva mit versagender Stimme: „Möge Ihr Sohn an der Seite eines andern Weibes, das ihn so liebt wie ich, so glücklich werden, als er's verdient, als ich es wünsche! Meine Segenswünsche werden ihn, so lange ich lebe, begleiten, mein letzter Athemzug wird ein Gebet für ihn sein!" dann stürzte sie wie sinnlos aus dem Zimmer. „Mein Sohn hat mir berichtet," meinte Markbreiter nach einer Pause, während welcher er nach Fassung rang, „daß Ihre Tochter frei, daß sie unverheirathet sei —ist das vielleicht nicht richtig?" „Herr Markbreiter," erwiederte Dtna bitter, „es giebt Umstände, die mich und mein Kind zwingen können, die Wahrheit zu verschweigen, aber es giebt nichts auf Erden, das mächtig genug wäre, uns zu zwingen, eine Lüge auszusprechen." Ein durch die Eigenthümlichkeit der Verhältnisse leicht geweckter Gedanke schoß Markbreiter durch den Kopf; in dem heißen Bestreben nichts unerörtert, nichts unversucht zu lassen feines Kindes Lebensglück zu erhalten, trat er ihm unüberlegt auf die Lippe: „Ist es etwa Eva, ohne ihr eigen Verschulden, nicht gestattet, einen Gatten durch ihre Hand zu beglücken?" Die bleichen Züge der schwer verletzten Frau färbten sich purpurn, ihre noch immer schönen, feurigen Augen schleuderten Blitze und ihre Stimme klang überraschend mächtig wie heller Glockenton, als sie erwiederte: „Ich war meinem Gatten treu — wären wir nicht unglücklich, ein Sprosse des Königshauses David dürfte um meine Eva werben!" „Unbegreiflicher Eigensinn!" rief Markbretter zornig auffahrend und mit dem Fuße aufstampfend, aber der heftige, sich im Laufe der Unterredung stets steigernde Seelenschmerz, die fieberhafte Aufregung überstieg Dina Leidenfels erschöpfte Kräfte, sie sank plötzlich lautlos zu Boden. Eva stürzte in das Zimmer, das dumpfe Geräusch, welches das Niederfallen verursachte, hatte auch die Verwalterin, die in der Näche mit häuslichen Arbeiten beschäftigt war, herbeigezogen. Die beiden Frauen brachten die Ohnmächtige in das anstoßende Zimmer zu Bett. Markbreiter wartete nur so lange, bis er erfuhr, Frau Dtna sei aus ihrer Ohnmacht erwacht, dann fuhr er nach Nikolsburg zurück. Als er am nächsten Tage einen Boten nach Schönhof sandte, um sich nach dem Befinden der Erkrankten zu erkundigen, wurde ihm die Nachricht, die beiden Frauen wären spurlos verschwunden. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju bestehen bei G. F. K t e i n a ck e r, Fcipstg, Doßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich U Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandten Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (.Hauptblatt): Leitender Artikel: Der gegenwärtige Stand der Schächtangelegenheir in der Schweiz. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Köln. Aus Westphalen. Kiel. Weilburg. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Ratibor. Aus Westphalen. München. Von der Münsinger Alp. Chemnitz. Thorn. — Rußland: Petersburg. — Italien: Rom. Genua. — Palästina: Jerusalem. — Vermischtes. Verantwortliche Redaktion: OLcar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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