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Der Israelit · 1892-10-24 · Heft 84 (24.10.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 84 (24.10.1892)
Date
1892-10-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1591 wir im „Israelit" seiner Zeit berichteten, stellt Herr F. D. Mocatto in London eine kurze Betrachtung an. Diese Betrachtung sucht auch den eigentlichen Grund des in jenem Rundschreiben beklagten religiösen Jndifferentismus zu umgehen resp. zu umschreiben. Unklare, verschwommene Vorschläge werden gemacht. Preisfragen über die Art und Weise der Einführung von Abhilfsmitteln sollen ausgeschrieben werden. Der Unwissenheit über das, was das Judenthum leisten kann und muß, soll ein Ende gemacht werden durch faßliche Darstellung und kurze Brochüren. Ueberhaupt werden Preisschriften über alle einzelnen Fragen als empfehlenswerth und wirkungsvoll bezeichnet. Den Frauen wird Einfachheit und Prunklosigkcit empfohlen und die Einführung eines Tugendvereins jüdischer Frauen als besonders erwünscht erkannt. Sicherlich wird nun recht viel geschrieben, aber, wir fürchten, nur sehr wenig get Han werden. Auch viel Geld wird für preisgekrönte Schriften ausgegeben werden, und die ganze Angelegenheit nach einer, oder auch zwei Conferenzen, in denen viel geredet werden wird, im Sande verlaufen. Wir sind neugierig, ob nicht Jemand, da doch die Sache so leicht gemacht wird, sich den Preis dadurch verdient, daß er den logischen Beweis liefert, die Kenntniß der jüdischen Religion, also der min, und das Leben nach dem Gesetze der min, und die Erziehung der Kinder nach den Lehren der nun, sei das Radicalmtttel den Jndifferentismus auf jüdisch-religiösem Gebiete zu beseitigen. Das ist so natürlich und einfach, daß es Juden nur innerhalb des jüdischen Gesetzes gibt, und daß man nur dann nicht religiös-indifferent ist, wenn man seine Religion achtet und übt, daß es Wunder nehmen muß, erst durch Preisschriften diesen Beweis zu finden. Aber es ist ja klar, daß man dieses Resultat nicht sucht. Man möchte eine jüdische Religion für das moderne Judenthum. Eine solche zu construiren haben die Reformrabbinen und- Vorstände seit fast einem Jahrhundert vergeblich versucht. Dieses Bemühen hat ja diesen religiösen Jndifferentismus gezeitigt, den selbst Vorstände und Reltgionsgemeinden im Gemeindeinteresse bedauern. Man scheut sich dieses Resultat als Product der Reformbeftrebungen, für die man ja so sehr eingetreten und als so zeitgemäß erklärte, zuzugeben. Schließlich will man ja auch heute nichts Anderes, als auf dem betretenen Pfad weiter schreiten und höchstens einen neuen Versuch von „Verbefferungen im Judenthum" machen, um etwas mehr Interesse am — Gottesdienst, an Predigt und an der — Gemeinde, von welcher so manches Mitglied losgerissen, zu wecken. Warum man einen „Tugendverein für j ü d. Frauen" und nicht auch für Männer vorschlägt, ist uns nicht ganz klar. Wir meinen, wenn man bei den Männern anfängt und bei diesen den jüdisch-religiösen Sinn weckt, sie aneifert, jüdisch zu fühlen, jüdisch zu denken, jüdisch zu leben, dann würden schließlich die Frauen, wenn sie Männer haben wollen, nach dem Sinne derselben sich richten. Doch, wir wollen uns nicht mit Preisfchriften abgeben, wir wissen ja auch, daß auf diesem Wege die Aufgabe nicht gelöst werden soll. Nur andere Preisbewerber möchten wir warnen, nicht umsonst ihre kostbare Zeit an die Lösung dieses Räthsels zu vergeuden. Berlin, 12. October. Folgendes Urtheil über den antisemitischen Abgeordneten Werner druckte vor einiger Zeit das Stöcker'sche „Volk" aus der ebenfalls Stöckerschen „Neuen Westfäl. Volksztg." ab: „Herr Werner gehört zu denjenigen Menschen, die Gott danken müssen, wenn sie in einer stillen Weltecke, ihren Gaben und ihrer Bildung entsprechend, sich durch ihrer Hände Arbeit ernähren können, die aber die Wogen der Parteibewegung an einen Platz geworfen haben, wo sie nicht hingehören." Berlin, 14. October. Der Prozeß gegen den antisemitischen Verleger Oberwin der wegen Beleidigung der bet dem Buschhoff Prozeß betheiligten Gerichtspersonen sollte am letzten Freitag verhandelt werden, und zwar sollten bekanntlich verschiedene Zeugen aus jenem Prozeß, sowie der Untersuchungsrichter Brixius und Staatsanwalt Baumgart hier vernommen werden. Einen Tag vor dem Termine wurde dieser plötzlich aufgehoben, was verschiedenen Blättern Aulaß zu allerlei dunklen Andeutungen gab. Der Grund der Vertagung war, wie jetzt die Kreuzzeitung meldet, der Prozeß Loewy, der eine größere Ausdehnung genommen hatte, als man ursprünglich glaubte. Köln, 15. October. Die „Kölnische Volkszeitung" versichert gelegentlich einer Polemik gegen den „Rheinischen Bauer", daß sie bei ihrer prinzipiellen Stellungnahme für die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden die gefammte rheinische Centrumspresse hinter sich habe. „In der Auffassung der Judenfrage überhaupt mögen Verschiedenheiten obwalten, aber wir haben noch keinen Redacteur eines rheinischen Centrums-Blattes getroffen, der auf dem Standpunkt des Rhein. Bauer stände; desto mehr aber, welche die Frage: Darf die verfassungsmäßige Gleichberechtigung durch Ausnahmebestimmungen gegen die Juden verletzt werden? rundweg verneinten."

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