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Der Israelit · 1892-10-20 · Heft 83 (20.10.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 83 (20.10.1892)
Date
1892-10-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1574 men . . . Markbreiter hielt einen Augenblick inne, es schien ihm leid zu thun, seine Stellung so unbescheiden gefärbt, geschildert zu haben und er fügte hinzu: „Ich wollte eigentlich nur sagen, daß ich oft Monate lang nicht eine Spanne Zeit anders als zu wichtigen Angelegenheiten verwenden kann und eine solche ist es auch, die mich zu einer für einen Besuch bei Frauen unpassenden Zeit hierherführt. Darf ich von dieser offen sprechen?" Dina Leidenfels erbleichte, Eva ward brennend roth, die Thränen schossen ihr in die Augen, sie trat an's Fenster, legte ihre Wange an die kalte Fensterscheibe und Markbretter, dessen Blicke sie mit Spannung verfolgten, erkannte an dem convulsivischen Zucken, das ihre herrliche Gestalt durchbebte, daß sie heftig, still weine. Dina wollte sprechen, aber ihre Lippen vermochten kein hörbares Wort zu bilden. Nach dem Behüben der beiden Frauen nahm Markbretter an, daß sie den Zweck feiner Anwesenheit verkennend, etwa das Gegentheil von dem erwarteten, was er zu thun beabsichtigte und das Schweigen peinlicher Verlegenheit als Erlaubniß fortzufahren betrachtend, sprach er mit tiefer Bewegung: „Ich besitze ein einziges Kind, meinen Sohn Perez. Er ist, Gott tausend Dank, wohlgerathen, er ist der beste, zärtlichste Sohn und mir — verzeihen Sie dem verblendeten Vater die Ueberhebung, — erscheint er noch mehr, mir erscheint er als eine Zierde der Menschheit." „Sie überschätzen ihn nicht," erwiederte Dina, „auch ich und meine Tochter haben ihn als solchen erkannt." Markbreiters Augen leuchteten auf und er fuhr fort: „Wie mich das freut, wie wohl das meinem Herzen thut! — Sie werden mir's glauben, daß es mein unablässiges Streben ist, meinen Sohn so glücklich zu machen, als dies in der Macht eines schwachen Menschen steht. Das höchste Glück im irdischen Dasein aber bietet ein treues, edles, geliebtes Weib! — Ich kenne es, mir hat es ein gnadenreicher Gott in seiner Huld beschieden und mein heißester Wunsch ist's, mein Sohn Perez möge ein gleiches erlangen. Ich suchte eine Gattin für ihn und erfuhr, er habe schon gewählt und mir es nur deshalb verschwiegen, weil er befürchtete, ich könnte seine Wahl mißbilligen — der kindische, liebe Mensch! als ob ich etwas Anderes als sein wahres Glück erstrebte!" Markbretter athmete tief auf und sprach dann rasch, wie jemand, der über eine gefährliche Stelle wegeilt. „Ich kam vor mehreren Tagen von Wien heim, ich hatte Vieles mit Perez zu besprechen, der auch sofort in wichtigen Geschäftsangelegenheiten zum Generalzahlmeister, der sich eben jetzt in Preßburg aufhält, zu reisen hat. Ich fand meinen Sohn bleich, verstört, bekümmert, daß mich bet seinem Anblick das Herz zum Brechen schmerzte. Ich erfuhr von meiner Gattin und von ihm, was Euch bekannt ist. Ihr habt seine Werbung um Eva's Hand zurückgewiesen. Mir hat die Art und Weise, wie Jhr's gethan, ganz gut gefallen, — offen und ehrlich, nur ein klein wenig gar zu stolz, — es giebt eben eine übermäßige Bescheidenheit, die dem Hochmuth wie ein Ei dem andern gleicht." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Ave Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )u bestehen bei G. F. Kt e inncker, Leipstg, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von au die Redaction eiugesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt ^Hanptblatt) r Leitende Artikel: Die Cholera und der Schulchan Aruch. Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Weltfriebe und Jnbenthuin. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Geestemünde. Marburg. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die letzte „That" des verstorbenen Kirchenrath Dr. v. Wassermann, Rabbiner von Stuttgart. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Nürnberg. Höchberg. Aus Eisenach. — Feuilleton: Die Wunderringe. Ein morgenländisches Märchen. — Telegramm: Prag. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Rußland: Petersburg. Moskau. — Türkei: Jaffa. — Persien: Teheran. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilage«.

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