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Der Israelit · 1892-10-20 · Heft 83 (20.10.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 83 (20.10.1892)
Date
1892-10-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1572 ten Colo nisten in Bremerhaven gelandet, dürfen aber nach den augenblicklichen, aus sanitären Rücksichten gegebenen Gesetzen nicht den deutschen Boden betreten. Der Lloyd hat sie darum sämmtltch, dreiunddreißig Personen, Männer, Frauen und Kinder im zartesten Alter, an Bord behalten und sorgt, gerührt durch die Entbehrungen, die sich die Auswanderer während der langen Reise ihrem Glauben zu Liebe auferlegt haben, in hochherziger Weise für die Israeliten. Es sind im Schiffe Vorkehrungen getroffen, durch welche es den Juden ermöglicht ist, streng nach ihrer Vorschrift zu leben. Täglich wird koscheres Fleisch an Bord gebracht; dort ist für koscheres Geschirr Sorge getragen, und die Frauen der Auswanderer dürfen die Speisen selbst zubereiten. Unserem allverehrten Cantor Herrn Prinz, der für das altüberlieferte Judenthum stets mit Feuereifer eintritt, sei ebenfalls an dieser Stelle besonderer Dank ausgesprochen, da die humane Handlungsweise des Lloyd vorzüglich seinen Bemühungen zu danken ist. Marburg. (Antisemitisches Absteigequartier.) Der „Reichsherold" Böckels vom 7. Okt. schreibt: „Großst ein h eim. Allen Mitgliedern zur Nachricht, daß für diejenigen, welche unsere Versammlung am 23. Oktober besuchen wollen, Stallung besorgt ist." Wenigstens braucht der Thierschutzverein um eine vorherige Betäubung des in der antisemitischen Versammlung abzuschlachtenden Stimmviehes nicht zu petitioniren, da sich solches selbst schon mit Bier 2C. genügend betäuben wird. Oesterr.-Ung ar. Monarchie. Wien, 16. Oktober. Da die Behörden wegen der drohenden Choleragefahr eine Ueberfüllung der Gotteshäuser während der vergangenen hohen Feiertage nicht gestatten wollten, so hatte unser Cultusvorstand im Börsengebäude einen Saal gemiethet und denselben in einen Betsaal umwandeln lassen. Für die Sitze wurde kein bestimmter Preis gefordert, sondern jeder zahlte, was er konnte und was er wollte. Am Vorabende des Versöhnungstages hat unser Vorstand in das Landesgericht einen Becken mit gebratenem Fleische geschickt und jedem jüdischen Sträfling daselbst zwei Stück davon verabreichen lassen. Den erst in Untersuchung befindlichen Häftlingen hat der Kerkerdtrektor aus eigenem Entschluß je jwei gekochte Eier, ein Zehnerbrod und ein Glas Bier verabreichen lassen, damit sie besser fasten können. Auch wurde im Landesgerichte eine Synagoge errichtet, in der Cantor Singer als Vorbeter fungirte. Wien, 12. Oktober. Gestern hielt der Aerztliche Verein des II. Bezirkes seine erste Plenar- Versammlung nach den Ferien ab. In der Sitzung fand eine lebhafte Debatte über die Vorgänge im niederösterreichischen Landtage statt. Der Verein faßte folgende Resolution: Von einzelnen Abgeordneten des niederösterreichischen Landtages wurden in den letzten Sitzungen ganz ungerechtfertigte Angriffe gegen den ärztlichen Stand überhaupt und insbesondere grobe, ehrverletzende Verdächtigungen gegen die Arzte jüdischer Confession und gegen die Spitäler ausgestoßen. Obzwar die Herren Professoren Ludwig und Sueß schon in den betreffenden Sitzungen jene Insulte zurückzuweisen versucht haben, so fühlt sich der Aerztliche Verein des II. Bezirkes dennoch veranlaßt, seinen tiefsten Abscheu und seine Entrüstung über jene unqualificirbaren und lügenhaften Beschuldigungen auszudrücken, und hofft, daß in Zukunft von den maßgebenden Factoren mehr als bisher geschehen werde, um solche Ausbrüche der Rohheit, die nur geeignet sind, das Laienpublicum irrezuführen, hintanzuhalten oder wenigstens energisch zurückzuweisen. Es erscheint dies um so nothwendiger, als bei einer etwa hereinbrechenden Epidemie durch derlei Hetzereien die Aerzte als die Hüter der öffentlichen Gesundheit zum Schaden der Allgemeinheit in ihrer Thätigkeit gehemmt werden können. > Vermischtes. In Hamburg starben während der Cholerepidemie 70 Israeliten, wovon die Hälfte ungefähr auf andere Krankheiten, Altersschwäche rc. entfielen, also nur 35 der Epidemie zum Opfer fielen. Grouau. Am verflossenen y» feierte Herr H. Wolfes hier seinen 70. Geburtstag. Bei der großen Bescheidenheit, die ihn auszeichnet, hatte derselbe sich jede Feierlichkeit verboten. So beging er denn den ntyn N"» als Feier im Kreise seiner Familie. Herr W. erfreut sich noch einer körperlichen und geistigen Frische, ist seit fast 25 Jahren erster Vorstand, der hiesigen Synagogengemeinde und vorzüglicher ypm byy Möge ihm noch ein langes Leben beschieden sein. irnuen vd» in«’ 'n Feuilleton. „Mrstengunst" Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (22. Fortsetzung.) Als Eva mit der brennenden Lampe ln's Zimmer trat, ward von der Ferne Peitschenklang, rasch nahendes Schellengeklingel vernehmbar. Bald darauf hörten sie, daß ein Schlitten durch das große Thor in den Hof einfuhr, auf dem es plötzlich laut und lebendig wurde. Dina zuckte heftig zusamen.

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