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Der Israelit · 1892-10-20 · Heft 83 (20.10.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 83 (20.10.1892)
Date
1892-10-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1569 den Gottessegen hervor, der nicht etwa in dem Waschen an und für sich — o*t nsrm — sondern in der dadurch zum Ausdruck gelangten, „Erhebung" der Hände d»t sich ausspricht. Während sonst der Genuß nicht zur Erhebung, sondern zur Ueberhebung und Ueberschätzung der menschlichen Hand und Kraft führt, wiederholt sich der jüdische Mund vor dem Genüsse gerade des täglichen Brodes, die tröstliche Wahrheit, daß er dasselbe nicht menschlicher Intelligenz verdanke, sondern, „daß Gott es ist, der das Brod aus dem Schooße der Erde hervorbringt." Das was uns hier als das eigentliche Verdienst Salomos erschien, die Verbreitung und Popularisirung dieser hohen Ideale, in den breiten Schichten des Volkes, dasselbe gilt ganz in demselben Sinne von dem Schulchan Aruch. Er hat diese Gesetze und die Art ihrer Ausführung nicht selber erdacht und angeordnet, sondern sie nur aus den Quellenschriften, wo sie sich zerstreut finden, gesammelt und systematisch geordnet. Indem er sie aber an die Spitze des von ihm dargestellten jüd. Pflichtenlebens stellte, hat er sie mit dem Leben jedes jüdischen Hauses so innig verwoben, daß sie dort die herrlichen Triumphe feiern, deren eine Seite um so überwältigend auch in außerjüdische Kreise hineinleuchtet, daß man ihnen die Beachtung und Achtung nicht länger versagen kann. Wir haben hier nur auf eine einzige Anordnung, aus das Händewaschen, und zwar nur auf miyD^ oh’ n^’uj das Waschen der Hände vor dem Essen, verwiesen. Das jüdische Gesetz schreibt jedoch das Waschen der Hände für eine ganze Reihe von Anlässen vor, von welchen hier nur folgende erwähnt werden mögen: Nach dem Schlafe, nach dem Essen, nach Verlassen des Aborts, nach dem Bade, nach dem Abnehmer: der Fingernägel, der Haupthaare und Fußbekleidung, nach Berührung von Ungeziefer, nach dem Kämmen des Haupthaares, nach Berührung sämmtlicher durch die Kleidung bedeckten Körperstellen, nach Berührung einer Leiche, nach Verlassen des Begräbnißortes, nach Begleitung einer Leiche, nach Verlassen eines Hauses, in dem eine Leiche liegt und nach Aderlaß. Alle diese Momente erforderten eine besondere, eingehende Behandlung, die aber den Rahmen dieser Darstellung weit überschreiten würde. Wer die peinliche Vorsicht gerade betreff des Händewaschens kennt — die hervorragenden, medicinischen Autoritäten selber beobachten und empfehlen es heute nicht dringend genug jedem zur gewissenhaften Beobachtung — wird diese Bestimmungen nicht fernerhin als kleinlich und bedeutungslos belächeln. Das Wort unseres Weisen: ipyj on» rfc'öja bibinn bi oViyn p: „Wer das Waschen der Hände geringschätzig behandelt, wird von der Welt gerissen," das man sonst leicht als Hyperbel zu halten geneigt sein möchte, hat in unseren Tagen eine ergreifende, nicht genug zu beherzigende Bestätigung erfahren. Dasselbe ist in höherem oder geringerem Grade bei allen Anordnungen der Fall, die unser Pflichtenleben regeln. Der Jude, der sich heutzutage leichtsinnig über das Gesetz seines Lebens hinwegsetzt, wie es im Schulchan Aruch niedergelegt ist, provocirt geradezu das Verhängniß, das drohend über uns waltet. Aber derjenige, der sich von ihm die Norm seines Lebens vorschreiben läßt, mag noch heute der tröstlichen Erfüllung der göttlichen Verheißung entgegensetzen: „Wenn Du gehorchen wirst auf die Stimme Gottes, Deines Gottes, das in seinen Augen Rechte thust, ganz Ohr bi st für seine Gebote und hütest seine Gesetze, jede Krankheit, die ich Mizrajim auferlegte, werde ich Dir dann nicht auflegen, denn ich Gott bleibe Dein Arzt." (II B. M. 15. 26) So ist es sein Seelenleben, seine sittliche Lauterkeit, seine geistige Reinheit, Regsamkeit und Empfänglichkeit, welche der erste und nächste Gegenstand der Sorge für den Juden sind. Aber damit hat der Jude auch für seinen Körper und dessen gesunde Erhaltung alles gethan, um furchtlos jeder Zukunft entgegen gehen zu dürfen. — In diesen Gedanken klingt die jüdische Nationalhymne aus, mit der sich jeder Jude täglich zum neuen Leben erhebt und mit dem er allabendlich sich zur Ruhe niederlegt. Er weiht Gott seinen Geist und legt ihn im Schlafe und Wachen vertrauensvoll in Gottes Hand. Damit weiß er auch von selbst seinen Körper unter göttlichem Schutz geborgen, und dieses Bewußtsein macht ihn furchtlos. »rvu ’nn oyi m’)?Ni ]trt< njn ’nn Tps« -jti .NTN b 'l Meltfriede und Judentum. I. Gnesen, 30. September. Verehrungswürdige, gnädige Frau Baronin! Im Stillen längst der begeisterten Vorkämpferin für den Völkerfrieden zujubelnd, die mit der Fackel der Vernunft und dem Feuer eines für die Menschheit schlagenden Herzens die Blut und Thränen erpressende Kriegsfurie bekämpft, beehre ich mich nun ganz ergebenst, in Veranlassung eines von Herrn Dr. Karpeles in der „Zeitung des Judenthums" am 16. d. an Sie gerichteten Briefes, — „Die Waffen nieder I" — einige Bemerkungen anzuknüpfen.

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