Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 81-82 (17.10.1892)
- Date
- 1892-10-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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1558 75jährigen Bestehens seiner Firma, aus welchem Anlasse ihm seitens Sr. Hoheit dem Herzog das Großkreuz des Herzog!. Hausordens in Brillanten verliehen wurde, den Staatsminister Dr. v. Koseritz persönlich überbrachre. Auch Deputationen der Stadtvertretung unter Führung des Herrn Oberbürgermeisters Dr. Funk, der jüdischen Gemeinde, der Chewra Kadischa 2c. brachten dem Jubilar ihre Glückwünsche dar. Aus Göttingen kommt die Nachricht vom Ableben des hervorragenden Rechtsgelehrten Professor Rudolf Jhering, von dessen Schriften so manche in fast alle europäischen Sprachen übersetzt wurden. Jhering war der populärste der gegenwärtigen Juristen. Der gebildete Laie kennt seinen „Kampf ums Recht", worin er die Gedanken vertrat, daß jedes Recht dem Einzelnen auch eine Pflicht auserlegt, die Pflicht nämlich, das Recht zu vertreten, wenn nöthig zu erkämpfen und gegen alle Hindernisse durchzusetzen. Er war aber nicht blos einer der populärsten, sondern auch einer der kenntnißreichsten und gediegensten Gelehrten, namentlich auf dem Gebiete des römischen Rechts. Zu dem Besten, was aus diesem Gebiete in neuerer Zeit geschrieben ist, gehört unbedingt, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, sein Hauptwerk „Geist des römischen Rechtes auf den verschiedenen Stufen seiner Entwicklung," welches in drei Bänden von 1852—65 erschienen ist und seitdem nicht nur zahlreiche Auflagen erlebt hat, sondern auch in verschiedene fremde Sprachen übersetzt ist. Zu seinen bedeutendsten Arbeiten gehört das Werk „Zweck im Rechte", auf welches er auch hingewicsen, als man ihn über seine Stellung zur Judenfrage interpellirte. Er schrieb damals wörtlich: „Ich gehöre nicht zu den Antisemiten; ich würde vor mir selber erröthen, wenn ich mich auf der geringsten antisemitischen Regung ertappte. Liegt Ihnen daran, auch meinen Namen der Zahl derjenigen anzureihen, die ihr öffentliches Verdammungsurtheil über eine Bewegung ausgesprochen Haben, welche unserer Zeit und unserem Vaterlande zur höchsten Unehre gereicht, so gebe ich Ihnen gerne die Autorisation dazu, und ich freue mich, die Gelegenheit zu erhalten, öffentlich für eine Ueberzeugung einzutreten, die ich bisher nicht blos durch Worte ausgesprochen, sondern mein ganzes Leben hindurch durch die That bewährt habe." .„Aber ich frage mich: Wozu das? Es wäre schade um die gute Zeit, ich würde nur wiederholen, was viele Andere schon vor mir gesagt haben. Umsoweniger mag ich mich dazu verstehen, als ich in dem 3. Band meines Zweckes im Recht die Nöthigung haben werde, die Frage im systematischen Zusammenhänge mit der dort zu entwickelnden Idee der Menschlichkeit zu berühren. Ich mag mich nicht selber abschreiben; wer sich dafür interessirt, wie ich über die Frage denke, wird dort Gelegenheit haben, dies zu erfahren. Für die gegenwärtige Veranlassung mag die Andeutung genügen, daß ich an jener Stelle die geschichtliche Entwicklung des Gedankens der Menschlichkeit verfolge und den Nachweis führe, daß dieser Gedanke, zu dem sich die Griechen und Römer in ihrem Rechte noch nicht erhoben hatten, das vielmehr den Fremden als rechtlos behandelte, in dem Rechte des alten Testamentes (3 Mos. 19, 34; 5 Mos. 10, 19) mit aller Klarheit und Bestimmtheit ausgesprochen worden ist, womit ich dann das Auftreten vom Stifer der christl. Religion und den Grundgedanken seiner Lehre: die Liebe, in Verbindung bringe; ich erblicke in ihm den Abschluß einer nur auf dem Boden des Judenthums vorbereiteten Entwicklung." „Dem Volke, das unserer modernen Welt den Gedanken der Menschlichkeit und der an keinen Unterschied des Glaubens geknüpften Liebe gebracht hat, lohnt der Antisemitismus dadurch, daß er beide ihm gegenüber verleugnet — gottlob, daß dieselben in der heutigen Welt bereits zu feste Wurzeln geschlagen haben, um diesem Unterfangen einen Erfolg in Aussicht zu stellen. N. v. Jhering." Wien. Die österreichische Regierung erließ einen Aufruf, es möchten sich Aerzte zur Behandlung ev. Cholerakranker melden. Der Ruf der Regierung ist nicht ungehört verhallt. Es fanden sich zahlreiche Männer, welche entschlossen waren, ihr Leben für jenes ihrer Mitmenschen einzusetzen. Und siehe da: Neunzig Prozent, dieser opferfreudigen Aerzte sind Juden, sind Angehörige jenes Volkes, als dessen charakteristische Eigenschaft man die Feigheit bezeichnet. Petersburg, 26. September. Einem Befehl des verstorbenen Stadthauptmanns, Generals Gresser, zufolge müssen die jüdischen Kaufleute Petersburgs auf ihren Firmenschildern ihre vollen jüdischen Vornamen verzeichnen. Neuerdings verlautet gerüchtweise, der jetzige Stadthauptmann, General v. Wahl, beasichtigte, diesen Befehl seines Vorgängers aufzuheben. Der in Jaffa bestehende Zweigverein der „All. isr univ." wird daselbst in nächster Zeit eine Schule eröffnen. Ein Herr Weinstein spendete 5000 Frcs. zu deren Baukosten und die gleiche Summe will der dortige „Verein der Zionsfreunde" jedes Jahr zu den Unterhaltungkosten beisteuern. In Jerusalem wird sich demnächst noch ein jüd. Arzt, Herr Dr. Elias Cohen, niederlassen. Derselbe ist in der heiligen Stadt geboren und studirte in Heidelberg und Berlin. New-Aork, 22. September. Seit heute erscheint dahier ein von Emil Herzfeld in deutscher Sprache herausgegebenes illustrirtes Blatt „Echo des Judenthums" betitelt." Chicago. Verschiedeue Blätter bringen Berichte über die Statue des Christoph Columbus, welche der bekannte Bildhauer Moses Jacob Ezekiel für Chicago ausgeführt hat. Die Statue ist gegen zehn Fuß hoch und stellt den Entdecker Amerikas in dem Momente dar, wo derselbe beim Morgengrauen die Küste der Neuen Welt erblickt. Eine große Zahl von hervorragenden Künstlern, Kardinälen und Damen der Gesellschaft besuchten das Atelier des Künstlers und beglückwünschten ihn zu der Vollendung seines Meisterwerkes. Briefkasten der Redaction. B. in Leipzig. Ein befreundeter Kaufmann theilt uns mit, daß Sie ohne Ihren Wunsch in einem antisemitischen