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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 21)
Language
German
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1559 Blatte empfohlen wurden und daß Sie sich veranlaßt sahen, gegen eine derartige „Empfehlung", die Sie bei Ihren christlichen Mitbürgern auf da8 empfindlichste discreditirt habe, energisch zu protestiren! Recht so! Wenn nur alle Kaufleute gegen solche aufgedrungene Liebenswürdigkeiten in dieser Weise Vorgehen würden, dann würden die wenigen von den Antisemiten empfohlenen Firmen auch bald nicht mehr in den Spalten der Hetzblätter figuriren. Feuilleton. Alis dem Wormser .>Wiiaseh-Wiii>"-Slchk. Von S- Rothschild-Worms. II. Die Familie Dalberg. Etwa dreiviertel Stunden von Worms entfernt, liegt das große und sehr hübsche Dorf Herrnsheim. Am Ende desselben erblicken wir ein großes und prächtiges Schloß inmitten eines sehr schönen und ausgedehnten Parkes. Es ist das Stammschloß der Freiherrlichen Familie von Dalberg, jetzt dem Freiherrn Heyl zu Herrnsheim in Worms gehörig. In der deutschen Geschichte spielt diese Familie seit Friedrich Barbarossa eine große Rolle. Ein Dalberg rettete dem genannten Kaiser bei einem Aufstand in Rom das Leben; zur Erinnerung an diese Heldenthat rief bei jeder späteren Kaiserkrönung der Herold: „Ist kein Dalberg da?" War ein solcher anwesend, so empfing er vom Kaiser die erste Ernennung zum Reichsritter. Der Familie sind namentlich viele hohe geistliche Würdenträger entsprossen, u. a. Wolsgang, Erzbischof u. Kurfürst von Mainz (1582—1601), Adolf, der Begriinder der Universität zu Fulda. Hervorzuheben sind noch: Karl Theodor Anton Maria v. D., 1810 durch Napoleons Gnade zum Großherzog von Frankfurt a. M. ernannt, und Wolfgang Heribert v. D., Bruder des vorigen, bekannt als Intendant des Mannheimer Theaters und Förderer Schillers. Ueber diese Familie v. Dalberg schreibt das Nissim-Buch: „Als ich im Jahre 1623 nach Worms kam, um auf der dortigen Schule zu Füßen des Nabbi EliaS: genannt „Bal Schein" rabbinischen Studien zu obliegen, erzählte mir derselbe, daß Worms zu den jüdischen Gemeinden zähle, welche schon zur Zeit der Zerstörung des ersten Tempels bestanden hätten. Gleichzeitig erzählte er mir von dem fürstlichen Geschlechts der Dalberg er, wie diese sich so edel gegen die Juden gezeigt und zwar aus folgendem Grunde: Ein junger Dalberg hatte das Bedürfuiß, die Welt kennen zu lernen. Zu diesem Zwecke machte er große Reisen. Die Absicht, sich in der arabischen Sprache auszubilden, führte ihn nach Jerusalem. Hier lebte der junge Dalberg in sehr verschwenderischer Weise, ohne daß er dabei im Erlernen der arabischen Sprache große Fortschritte gemacht hätte. Plötzlich erkrankte er aus der Straße sehr bedenklich. Niemand kümmerte sich um den Unglücklichen, der auch, da er in deutscher Sprache redete, von den Vorübergehenden nicht verstanden wurde. Nur ein Jude erbarmte sich seiner. Er nahm ihn in sein Haus auf und pflegte ihn mit großer Aufmerksamkeit und Liebe. Da auch die ärztliche Hilfe sofort in Anspruch genommen wurde, genas der junge Dalberg sehr bald. Nach überstandener Krankheit bemühte er sich nun sehr eifrig, die arabische Sprache zu erlernen, blieb jedoch so lange im Hause des Juden, bis er wieder von Jerusalem abreifte, nachdem der Jude für ihn alle seine Ausgaben bestritten hatte. Als der Sohn nach Hause kam, erzählte er seinem Vater von der aufopfernden und uneigennützigen Liebe des Juden zu Jerusalem. Natürlich erstattete er Letzterem alle seine Auslagen mit den herzlichsten Dankesworten zurück. Als nun der Vater bald nach der Rückkehr seines Sohnes starb und dieser die Stelle seines Vaters einnahm, da schrieb er die Geschichte seiner Rettung zu Jerusalem in eine Chronik mit der Bemerkung, daß er es allen Dalbergern bis in die spätesten Zeiten zur Pflicht mache, sich stets freundlich gegen die Juden zn zeigen. Daher wäre auch der Brauch gekommen, daß bei jeder Beerdigung oder bei jeder Trauung innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Worms 2 Dalberger Diener mit einem Stabe in der Hand dem Zuge vorangegangen seien. Ebenso erzählte mir Rabbi Elias „Bal Schem", wie an der Eroberung der Stadt Jerusalem einst*) auch ein Dalberger Theil genommen habe. Er erinnerte sich des schriftlich hinterlassenen Wunsches seiner Eltern und nicht nur, daß er den Juden jeden Schutz angedeihen ließ: er nahm auch eine große Anzahl derselben mit in seine Heimath, wies ihnen unentgeltlich ein großes Grundstück an, damit sie sich hier ansässig machen könnten und erneuerte die schon früher bestandene Bestimmung seiner Ahnen, daß bei jüdischen Beerdigungen und Trauungen stets 2 Dalberger Diener mit einem Stabe in der Hand dem Zuge vorangehen sollen." Gehört diese Erzählung des Nissim-Buches in das Gebiet der „Wahrheit oder Dichtung?" Vielleicht bietet sich mir bald einmal Gelegenheit, einen Blick in die Geschichte des Hauses Dalbergs zu werfen, um zu sehen, inwieweit die dortigen Aufzeichnungen mit denen des Nissim - Buches übereinstimmen oder nicht. Bis dieses geschehen, gibt uns auch das Archiv der jüdischen Gemeinde dahier einigen Aufschluß. Wir begegnen dort mehreren Schriftstücken, von denen nicht alle den humanen und wohlwollenden Geist gegen die Juden athmen. So ist in einem Aktenstücke vom 10. Mai 1563 von einem Vertrag die Rede zwischen den Kämmerern von Dalberg, nämlich „Friedrich und Wolfs der Eltere, Philipps und Wolfs der Junge, alle Kämmerer von Wormbs, aufgericht mit gemeiner Judenschast zu Wormbs, daß ihnen keiner unserer underthänen uff liegende Güter und sarend Hab oder Pfand mehr leihen soll, desgleichen, was sie jedesmal für das Gleiche zu ihren Hochzeiten und Begräbnissen geben sollten." Ein weiteres Schriftstück vom 13. Sept. 1702 enthält eine Bittschrift der Vorsteher gemeiner Judenschaft zu Worms an *) Wahrscheinlich zur Zeit der Kreuzzüge.

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