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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1549 Sünde sei. (Beifall und Heiterkeit.) Dem Frauengeschlechte sei noch eine Menge anständiger Erwerbsarten verschlossen, und daher sei es Pflicht der Humanität, den Gefallenen emporzuhelsen. Weilers besprach Dr. Kronawetter das Verhältnis der Wählerschaft zu ihren Abgeordneten und meinte in Bezug auf die Wählerschaft Schneider's: Eine Wählerschaft, welche sich ihrer Rechte bewußt ist und weiß, was sie von ihren Abgeordneten zu fordern hat, kann nicht eine Minute länger dulden, daß ein solcher Mensch sie vertrete. Ihre Pflicht sei es, diesen Abgeordneten vor ihr Gericht zu ziehen. Es sei traurig, daß die Wählerschaft darauf nicht reagire, ja daß man sogar ihm in Wirthshäusern Recht gibt, zeuge von tiefer sittlicher Verwilderung. (Lebhafter Beifall.) Dies zeige, daß es den Kampf nicht werth war, solchen Wählern das Wahlrecht zu verschaffen, daß sie dieses Rechtes nicht würdig sind. Redner beantragte hierauf einen Zusatz zur bereits angenommenen Resolution, dahin lautend, daß die Versammlung tief bedauere, daß dieser Vertreter noch heute nicht von seiner Wählerschaft zur Rechenschaft gezogen werde. .Lebhafter Beifall.) — Dieser Zusatz wurde einstimmig angenommen. Landtags-Abgeordneter Noske ergriff dann das Wort in seiner Eigenschaft als Mitglied des österreichischen Landtages. Dieser Herr Schneider sitze wohl neben ehrenwerthen Männern im Landtage (Leider!), aber ihr College ist Schneider nicht. (Lebhafter Beifall.) Man sage vielfach, es sei überflüssig, gegen solche Personen aufzutreten', das sei nicht richtig. Versammlungen wie die heutige haben einen guten Zweck. Sie zeigen den anständigen Elementen unter den Antisemiten (Oho! Rufe: Das giebt es nicht!), wie tief sie herabsinken, wenn sie sich in dieser Gesellschaft befinden. Und eS werde dazu kommen, daß sie sich deffeu schämen. Redner protestirt dagegen, daß man mit den Antisemiten Abmachungen treffe. Er werde immer mit aller Entschiedenheit dagegen protestiren. In den Verwaltungskörpern muffe man von dem Grundsätze ausgehen: Gleiches Recht für Alle. Die Antisemiten sagen aber: Recht für die Einen, Unrecht für die Anderen. (Beifall). Solche Personen können nicht zur Verwaltung berufen werden. Mit den Antisemiten pactirt man nicht, hier heißt es Kampf bis zur Vernichtung. (Stürmischer Beifall.) Dr. Seidler aus Hietzing gab sodann mit Rücksicht auf die Rede Dr. Kronawetter's die Erklärung ab, daß die Wählerschaft Schneider's durchaus nicht gleichgiltig den Vorgängen im Landtage gegeuüberstehe. Es werde schon in der nächsten Zeit eine Versammlung stattfinden, in welcher man über das Vorgehen Schneider's zu Gericht sitzen werde. Ueberhaupt werde daselbst eine rege Agitation gegen den Antisemitismus entfaltet, welche Nachahmung auch in anderen Wahlbezirken finden sollte. Nachdem noch mehrere Redner dem Wunsche Ausdruck gegeben, daß die heutige Versammlungden Ausgangspunkt einer intensiven Agitation der freisinnigen Bürgerschaft gegen das Ueberhandnehmen des Antisemitismus bilden möge, wurde die Versammlung geschlossen. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Mannheim Sr. Majestät der König von Italien haben dem Hofrath Dr. Felix Hecht das Offizterkrenz des Ordens der Italienischen Krone zu verleihen geruht. Alsheim (Kreis Worms). Hier wurde Jsid. David zum Gemeinderath gewählt; dessen Name figurirte auf beiden Wahlzetteln. Auch in dem benachbarten Gimbsheim wurde ein Herr David in den Gemeinderath gewählt. Coblenz, 16. October. Herr Carl Mayer, Besitzer der weltbekannten rührigen Couvertfabrik M. Mayer dahier, wurde zum mexikanischen Consul ernannt. München, im Oktober. Die Zeitung „Das Bayrische Vaterland", das durch seine gewerbsmäßigen Schimpfereien auf die Preußen und die Juden eine tragikomische Berühmtheit erlangt hat, bringt in seiner Nummer vom 2. d. M. folgenden von ihrer seitherigen Gepflogenheit abweichenden bemerkenswerthen Artikel: Während die Militärbehörden die jüdischen Feiertage sorgfältig respektiren und Anordnungen getroffen haben, daß künftige jüdische Helden, so sich z. Z. unter der Fahne befinden, an diesen Tagen dienstfrei sind, um Neujahr und den „langen Tag" mitfeiern zu können, setzen sich gewisse „aufgeklärte" Juden auch schon über ihre jüdischen Feiertage hinweg und halten ihre Geschäftslokalitäten an solchen Festen nicht geschlossen. „Wenn sich — schreibt hierüber ein Jude an das „Vtld." — unter einer Heerde ein „räudiges Schaf" befindet, sind gewiß die andern nicht Schuld daran. Gute Juden halten ihre hohen Feste, und die sie nicht halten, sind schlechte Juden und geben dazu Anlaß, daß man sagt: Seht, die Juden halten nicht einmal ihre höchsten Feiertage! Es ist aber unrecht, von einzelnen solchen auf alle zu schließen. Der Antisemitismus wird aber daraus wieder Nahrung für sich schöpfen, wenn auch ohne Berechtigung, und wird nicht mehr anfhören, so lange es schlechte Juden gibt wie es auch schlechte Christen gibt." — Stimmt! Auch uns kann es ebensowenig gefallen, wenn einzelne Juden aus gemeiner Prositmichelei oder aus andern Gründen sich über die Gebote ihrer Religion hinwegsetzten, welche ihnen gebietet, den Sabbat zu heiligen, als wenn Christen dasselbe thun. Bamberg. 8. Oktober. (Antisemitischer Hetzapostel.) Vor der Strafkammer des Landgerichts fand heute Verhandlung statt gegen den israelitischen Kaufmann Moritz Schloß von Maroldsweisach wegen Berufsbeleidigung des dortigen protestantischen Pfarrvikars Siegmund Holzberger. Der Angeklagte soll in Gegenwart von mehreren Zeugen geäußert haben: „Seit Pfarrvikar Holzberger in Maroldsweisach ist, ist der konfessionelle Friede gestört, den Juden werden Fenster eingeworsen, Läden ausgehängt und zerstört, ja sogar die Synagoge ist nicht mehr sicher, auch an ihr wurden die Fenster eingeworfen. Das kommt aber daher, wenn man solches in der Kirche und Schule lehrt." Letztere Bemerkung bildete den Grund der Klage des Pfarr-

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