Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 81-82 (17.10.1892)
- Date
- 1892-10-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1550 Vikars. Nun wurde aber durch mehrere Zeugen dargethan, daß Pfarrvikar Holzberger bei allen Gelegenheiten seinen Haß gegen Juden offen zur Schau trage. So z. B. gehe er nicht in das Wirthszimmer, wenn ein Jude darin ist, beim Schachspiel nenne er die gegnerischen Figuren die Jtzige, den Schützenverein nenne er nur den Jtzigverein, den Schulkindern erkläre er, wenn sie ihm (dem Vikar) gelegentlich der Abendmahlsfeier ein Geschenk machen wollten, so nehme er es nicht an, wenn es von einem Juden gekauft sei. Selbst in seiner Rede beim Sedansfeste beleidigte er die Juden in der gröbsten Weise. Die Entschuldigungen des Pfarrvika s Holzbergcr machten auf jeden Zuhörer im Gerichtssaale den peinlichsten Eindruck, so daß selbst der Staatsanwalt das Gebühren des Pfarrvikars einer scharfen Kritik unterzog; der Staatsanwalt beantragt 50 Mark Geldstrafe für den Angeklagten Schloß, da nicht vollständig erwiesen sei, daß in Schule und Kirche so wie oben erwähnt gelehrt wurde. Die Vertheidigung, Rechts' anwalt Heigl, geißelte in schärfster Weise das unchristliche Thun und Treiben des jungen Vikars, der mit 25 Jahren auf seine Stelle berufen nunmehr über zwei Jahre lang nichts gewirkt, als durch Hetzereien und Gehässigkeiten die ehedem so zufriedenen und glücklichen Bewohner des 500 Seelen zählenden Oertcheus gegen die Juden zu fanatisiren. Der Vertheidiger beantragte Freisprechung des Angeklagten, eventuell Aussetzung der Verhandlung und Vernehmung weiterer sieben Zeugen, deren Kinder obige Bemerkungen des Vikars zu Hause erzählten. Das Uebrige überlasse er (der Herr Vertheidiger) dem k. protestantischen Konsistorium. Die Verhandlung wurde vertagt. Pfarrvikar Holzberger ist bereits seiner Stelle enthoben und in einen abgelegenen Winkel des Rhöngebirges versetzt. Syrien. Damaskus. Der britische Consul zu Damascus, Hr. Eyres, gibt in seinem Jahresbericht eine traurige Darstellung der unter den Christen und Juden in jener Stadt herrschenden Armuth. Früher waren der Haupthandel und Reichthum in den Händen dieser Klassen; aber während der letzten Jahre haben die Mohammedaner allen Reichthum der Stadt aufgesogen. Der Wohlstand der Letzter» nimmt anhaltend zu, während der jener Klassen eben so anhaltend abnimmt. Dieser Zustand wird dem Verluste des Transithandels nach Bagdad und den Schwierigkeiten zugeschrieben, auf die Nicht- Mohammedaner in der Führung ihrer Geschäfte stoßen. Des Weitern wird auch die Zahlungs Unfähigkeit der Regierung als ein Grund dieser Verhältniffe bezeichnet. Die Zurückweisung der Damascus-Obligationen, die in einer ISprocentigen Anleihe von 500,000 Pfd. Sterl. bestanden, und zur Unterstützung der Pilger-Karawanen aufgebracht wurden, war ein schwerer Schlag für die Juden und Christen, die den größten Theil der Obligationen besaßen. (Eingesandt.) Der Wendels-Biehmarkt, welcher von Alters her weithin Berühmtheit erlangt hat, ist Hierselbst in diesem Jahre am Donnerstag, den 20. Oktober. Hierzu wird bemerkt, daß die auswärts von interessirter Seite verbreiteten Gerüchte, die israelitischen Handelsleute würden hier nicht gut behandelt, unwahr sind. Dieselben werden vielmehr hierdurch eingeladen, sich wie bisher durch Besuch obigen Marktes selbst zu überzeugen, daß die israelitischen Händler eben so gut wie die christlichen behandelt werden und daß feindseliger Antisemitismus hier keinen Boden gefunden hat. St. Wendel, den 20. September 1892. Der Bürgermeister Müller. Die vorstehende in verschiedenen Zeitungen erschienene Bekanntmachung des hiesigen Bürgermeister-Amtes theilen wir ergebenst mit, um allen auswärts verbreiteten Gerüchten über antisemitisches Treiben am hiesigen Orte entgegen zu treten. Wahr an dem Gerüchte ist nur, daß ein antisemitischer Verein aus Neunkirchen hier in St. Wendel mit dem bekannten Herrn Liebermann von Sonnenberg eine Versammlung abhielt, hetzte und gegen die Israeliten aufreizte, daß auch die hiesige „Nahe-Blies-Zeitung" durch Wiedergabe der Hetzrede, Stellung dafür zu nehmen schien. Namens der hiesigen israelitischen Gemeinde fühlen wir uns aber verpflichtet, hierdurch zu erklären, daß die von Neunkirchen aus angestellten planmäßigen Versuche die hiesige Bevölkerung in das antisemitische Lager hinüberzuziehen, vollständig gescheitert sind. Wir können im Gegentheil nur unserer Freude darüber Ausdruck verleihen, daß die hiesigen jüdischen Einwohner mit der Gesammtheit der hiesigen Bevölkerung friedlich weiter leben. Alle gegcntheiligen von auswärts ausgestreuten Gerüchte entspringen nur Sonderintereffen. Die auswärtigen israelitischen Handelsleute finden hier die beste Aufnahme. Mit Bezug auf vorstehende amtliche Erklärung bitten wir daher sämmtliche jüdische Handelsleute wie früher die hiesigen großen Märkte besuchen und sich selbst von der Richtigkeit des oben Gesagten überzeugen zu wollen. Im Aufträge der israelitischen Gemeinde: Der Vorstand: Balth. Jacob. S. Daniel, Schriftführer. M. Schömann, Kassirer. Druckfehler-Berichtigung. Auf der Seitenbemerkung unseres Wandkalenders befindet sich die Notiz: Freitag, den 1. und Samstag, den 2. April l1O2N '31 'x Dl*. Dieselbe muß lauten: Samstag, den 1. und Sonntag, den 2. April riDD“! '31 'x Dl’, wie es auch in dem Wandkalender selbst und in unserem Taschenkalender richtig bemerkt ist. Wochen - Kalender. Freitag, 21. Oktober, 30. Tischri. n"~n x Dl*. Sabbat-Anfang 4 Uhr 35 Min. (Mainzer Uhr.) Samstag, 22. Oktober, 1. Cheschwan. .ni .n"Vl '3 nv Sabbat-Ausgang 5 Uhr 40 Min. (Mainzer Uhr.)