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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1546 „Theure Mutter!" rief Dina. „Glaubst Du denn nicht, daß der allmächtige Gott lebt, daß Er helfen kann?" „Du sprichst wie Perez Markbreiter in jener schauerlichen Nacht gesprochen.ich antworte Dir, wie ich ihm geantwortet. Ich glaube, daß Gott, der die Welt durch seines Willens Kraft aus nichts ins Dasein rief, des Menschen Schicksal in jedem Momente zu Gutem wenden kann, aber ich glaube, er will uns nicht helfen! Weshalb? Das vermag ich nicht zu fassen — Gott ist gerecht und wir haben die furchtbare Strafe gewiß verdient, wenn wir's auch nicht erkennen können!" „Wir die furchtbare Strafe verdient?" sprach Eva. „Das glaube ich nicht, das kannst auch Du nicht glauben! Du und der Vater, Ihr Beide habt doch Gottes Wort und Willen nie, nicht durch die geringste That, nicht durch ein Wort, ich glaub', nicht durch einen Gedanken verletzt.wo gab's im weiten deutschen Reich, vielleicht auch in der ganzen Welt ein Haus, das sich mit unserem messen durfte? Es war eine Stätte der wahrsten Frömmigkeit, der reinsten Menschenliebe! Kein Hungriger, der unsere Schwelle betrat, verließ unser Haus ungesättigt, kein Nackter unbekleidet, kein Bittender unbcschenkt, kein Unglücklicher ungetröstet.Wie viele Menschenleben hat der Vater gerettet, wie viele Unschuldige aus Kerkerhaft befreit, wie viele Unglückliche von den Qualen der Tortur erlöst! Und Du Gute, Edle, wie vielen bist Du Mutter gewesen;? wie viele Thränen hast Du getrocknet; wie viel Elend gelindert;? wie vielen Mädchen hast Du zur Heirath verholsen? Wie viele Nächte hast Du an Krankenbetten durchwacht? . . . Nein Mutter. Das was Du sprachst, das kannst Du in der That nicht glauben, — und seien wir nicht undankbar gegen Gott.... Hat er sich nicht auch unserer wunderbar erbarmt?! In jener Nacht, als wir hilfloser als je ein Mensch gewesen, hungernd, frierend, in fremdem Lande in grausem Sturm unter Gottes freiem Himmel standen, als wir zu Tod ermattet, nicht einen Pfennig, nicht ein überflüssiges Kleidungsstück besaßen, das wir verkaufen konnten, um ein Nachtlager zu bezahlen, als wir nicht wußten, wohin wir unsere nackten, blutenden Füße wenden sollen, — als Du Dich meinen erstarrten, kraftlosen Händen zum Todessvrung in den vorbeirauschenden Fluß entwinden wolltest, da glaubte ich vor Verzweiflung wahnsinnig zu werden und ich schrie aus tiefster Seele zu Gott empor: „Herr, hilf!" — und Gott half.Er sandte uns Perez Markbreiter." Eva hielt plötzlich erschreckt inne, wäre es hell im Zimmer gewesen, hätte die Mutter die brennende Röthe auf Eva's Wangen, das Wogen ihres Busens bemerken müssen. „Auch daß wir dem edlen, schönen Mann begegnen mußten, brennt mich tief in der Seele!" erwiederte die Mutter. „Du liebst ihn, er liebt Dich, — nie gab's zwei Menschen, die einander würdiger gewesen, nie gab's zwei Menschen, die mehr für einander geschaffen schienen als ihr — und unser namenloses Unglück stellt sich zwischen Euch, zertritt erbarmungslos Euer Lebens glück, zerreißt mein treues Mutterherz!" „Daß ich mich von ihm geliebt weiß, Mutter!" erwiederte Eva. „macht mich so glücklich, als es eben ein Mensch in meiner Lage zu werden vermag .Ich will die Lampe bringen, wenn's hell im Zimmer ist, wird sich Deine edle, reine Seele doch entdüstern." (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs sür Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, fnr's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch öen Duchhanöel bestehen bei T. F. § t e i n a ck e r, Lerpstg, DoMay lß. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eiugesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurürkzubehalten. Inhalt <Hauptblatt): Leitender Ariiket: Schächtverbot und Distanzrut. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland:;Mainz. Worms. Aus dem Großherzogthum Hessen. Groß-Steinheim. Stolp. Leipzig.—Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. Dort. Portsea. — Persien. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Eine Protestversammlung. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mannheim. Alsheim. Eoblenz. München. Bamberg. — Syrien: Damascns. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Großblittersdorf. Berlin. Oester.-Ungar. Monarchie: Lemberg. Kasan. — Vermischtes. — Feuilleton: Aus dem Wormser „Maaseh-Nissnn-Vuche". Bon S. Rothschild, Worms. Inhalt der dritten Beilage: Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Colberg. Vom Niederrhein. — Frankreich: Paris. — Amerika: Liverpool. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Die echten hebräischen Melobieen von S. Heller. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilagen. AM*' Neu eingetretene Abonnenten erhalten auf Verlangen die seither erschienenen Kapitel der Erzählung „Fürstengunst" in Buchform gratis und franko nachgeliesert. Expedition des „Israelit".

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