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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1545 tiefe Neigung für Dich gefaßt, aber sie erklärte, sie müsse dem höchsten Glück ihrer Tochter entsagen; sie könne um keinen Preis der Welt ihren Namen nennen, ihre Verhältnisse entdecken, diese wären so eigenthümlich, daß sie nie daran denken könne, ihre Tochter zu.verhetrathen. Das was Frau Dina sprach, trug, trotzdem es nahezu unglaublich klang, in ihrem Munde das Gepräge voller Wahrheit. Ich erkannte, daß jedes Wort, das ich noch ferner spräche, ein verlorenes wäre und nichts anderes bewirken könnte, als das wunde Herz der schwer gequälten Frau noch schmerzlicher zu verletzen. — Ich Hab' Dir's schon gesagt, Du mußt Dich in das Unabänderliche mit Ergebung fügen." „Daß ich Eva entsagen muß, das sehe ich ein," erwiederte ich, „aber ich kann sie nie vergessen und werde nie eines andern Weibes Gatte werden." „Du Sist unser einzig Kiud," entgeguete die Mutter, „es würde mich tief schmerzen, wenn Du das höchste Glück im Menschenleben, ein edles, treues Weib, für immer missen solltest, — aber ich vermag mich in Dein Fühlen zu versetzen, ich weiß, kein Mensch kann einen zweiten zu seinem Glücke zwingen; aber Dein Vater ist eine andere Natur, er liebt Dich nicht weniger als ich, aber in einer andern Art, mit dem wirst Du voraussichtlich einen harten Kampf zu bestehen haben. Er will Dich recht ba'd und recht glücklich verhetrathen. Das erscheint ihm als seine wichtigste Aufgabe auf Erden, alles Andere nur als Mittel zu diesem Zwecke und tritt vor dem Gedanken, der ihn unaufhörlich beschäftigt, weitab zurück. Allein er wird, wenn auch mit tiefem Schmerze, seinem Lieblingsplan entsagen. Doch meine ich, wir sollen, so lange es eben möglich, dem guten Vater, der ja nur Dein Bestes anstrebt, jede Aufregung ersparen. Er kennt Eva nicht, hat keine Ahnung daß Du sie liebst, daß heute Deine schönste Hoffnung Schiffbruch erlitten." — „So glaubst Du, theuere Mutter, daß es gar keine Möglichkeit giebt, daß ich je an das Ziel meiner Wünsche gelangte?" frug ich. „So weit menschliche Voraussicht reicht, muß ich so glauben; aber darum ist es doch nicht unmöglich! Gottes Allmacht kann das, dem blöden Menschenauge unmöglich Erscheinende möglich machen." — Nun Herr Oberhoffaktor wissen Sie Alles. Theilen Sie meiner lieben Mutter Ansicht? und welchen Rath ertheilen Sie mir?" „Ihre Mutter ist eine kluge, edle Frau," erwiederte Wertheimer. „Ich glaube, wie sie, daß Sie um Ihrem Vater Kummer, Ihrer Mutter und sich selbst, Streit und Unfrieden zu ersparen, es vorläufig verschweigen, daß Sie Eva Leidensels lieben und deßhalb keine andere Gattin wählen können und wollen." „Herr Oberhoffaktor, ich habe Ihnen ja schon im Beginne unserer Privatbesprechung mitgetheilt: mein Vater beabsichtigt mich mit Lea Arnstein zu vermählen; ich werde daher schon in den nächsten Tagen gezwungen sein . . . ." „Sie werden diesmal der Notwendigkeit Ihrem Vater Ihr Geheimniß zu enthüllen enthoben werden. Sie haben mir versichert, daß ich auf Ihren Vater großen Einfluß besitze. Ich werde ihm noch heute eigenhändig schreiben, daß Sie mir seine Absicht, Sie mit Lea Arnstein zu vermählen, mitgetheilt, ich aber, Ihnen als Freund Ihres Hauses und als Leas Großohm, gerathen, nicht um sie zu werben, da diese schon unabänderlich selbst gewählt." „Ich danke Ihnen herzlichst und ergebenst in meiner Mutter und in meinem eigenen Namen; so können wir wenigstens der nächsten Zukunft ruhig entgegengehen;" Markbreiter seufzte tief auf, „aber Herr Oberhoffaktor, auch darin theilen Sie wohl die Ansicht meiner Mutter, daß ich nicht hoffen kann, je Eva Leidenfels als meine Gattin heim zu führen?" „Ich theile in Allem die Ansicht Ihrer klugen Mutter, unwahrscheinlich ist's, aber nicht unmöglich. Ich erinnere Sie an den Bibelvers: Hajipole mehaschem dowor1)?!" Zehntes Kapitel. In einer Stube des fürstlich Lichtenstein'schen Branntweinhauscs in Schönhof, saßen Dina und Eva Leidenfels an dem Arbeitstische. Die letztere hatte bis zum Anbruch der Dämmerung an einer kunstreichen Perlenstickerei gearbeitet, dann war die Nadel ihrer müden Hand entfallen und die beiden Frauen waren lange Zeit in wortloser Unthätigkeit einander gegenüber gesessen. Ein, durch eine unwillkührliche Bewegung entstandenes Geräusch — Dina hatte eine Scheere vom Tisch geworfen — weckte Eva aus ihrem tiefen Sinnen. „Mütterchen!" sprach sie, „es ist schon dunkel, ich will die Lampe hereinbringen!" Dina brach in heftiges, leidenschaftliches Schluchzen aus. Eva, mit einem raschen Sprunge an ihrer Seite, umschlang sie zärtlich und küßte ihr die Thränen von den Wangen. „Was hast Du, Mütterchen?" frug Eva, „warum weinst Du?" „Du fragst warum ich weine? Habe ich nicht Grund dazu? .... Als Du vom Licht sprachst, stauchte wieder das Bild unseres entsetzlichen Elendes vor meine erschreckte Seele.In meinem Gemüthe wird es auf dieser irdischen Welt nie wieder Licht werden .Zu Grauenvolles ist uns widerfahren!" ') Ist Gott etwas zu wunderbar?! Gen. Cap. 18, V. 14.

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