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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1544 verlassen, rönnen, wie man bei uns in Ungarn zu sagen pflegt, „allein zum Schiur gehen", d. h. können jede Jeschiba besuchen, ohne weitere Stütze eines Lehrers und viele omna der Preßburger Jeschiba haben ihre Thorakenntniß nur dieser bewährten Anstalt zu verdanken. Zwar hat der Vorstand dieses Vereines mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, denn wenn man auch der hiesigen Gemeinde zu sehr großem Danke für ihr gefälliges Wohlwollen ver^ pflichtet ist, so sind diese Beiträge gar zu gering, um alle Ausgaben zu decken, da der größte Theil der Schüler den Unbemittelten zuzuzählen sind. Zur weitern Ausbildung hat sich auch der Präsident des Vereines, Herr I. Schweiger, der in Ungarn allenthalben als großer Talmid Chacham bekannt ist, veranlaßt gesuhlt, eine Jeschiba zu gründen, die seit ihrem zweijährigen Bestehen 25 Hörer zahlt. Nur ist es hier auch das Materielle, womit diese Schüler zu kämpfen haben, bald mangelt es den Unbemittelten an DnDD ein andermal wieder an Lebensmittel und so Mancher konnte sich durch wohlwollende Gesinnungen D'Piy erkaufen, indem die dahier Lernenden ihre ganze Thätigkeit dem Studium der hl. Thora bei wahrhafter wnw nso* widmen. In Paris ist Herr Michel Erlanger gestorben. Derselbe war seit mehr als 30 Jahren an vielen Wohlthätigkeitsinstituten thätig, war Viceprasident des isr. Konsistoriums in Paris, Mitglied des Wohlthätigkeitscomitss, der Verwaltung des isr. Seminars, des Cen- Iralcomilös der All. Isr. Der Verstorbene interessirte sich lebhaft für die Colonisation Palästinas. Bei der Centenirarfeier der französischen Republik war der israelitische Kultus offiziell durch das Konsiftorialmitglied Maaß, den Oberrabbiner Ab. Cahen und den Oberrabbiner Joseph Lehmann, Direktor des israelitischen Seminars, vertreten. In Mailand wurde am 28. September die neuerbaute Reform-Synagoge, ein Prachtgebäude, eingeweiht und gleichzeitig der neuerwählte Oberrabbiner Alessandro da Fano, bisher Rabbiner in Corfu, in sein Amt eingeführt. Am aiva dt wurde, wie uns ein Correspondent mittheilt, die Orgel bei den heiligsten Gebeten gespielt, was bei vielen Anwesenden Anstoß erregte. Wie weit man hier dem Fortschritte huldigt, ergibt die Thatsache, daß mehrere Herren an diesem Tage per Wagen zur Synagoge fuhren. Die Heilquellen in Kaitkasteri durften in diesem Sommer nur solche Glaubensgenossen besuchen, welche das Bürgerrecht in genannter Provinz besaßen. Juden aus anderen Provinzen war der Aufenthalt unbedingt verboten. Erstere mußten übrigens auch noch ein von dem Kreisärzte in Piatigorsk ausgestelltes Zeugniß über die Nothwendigkeit des Besuches eines der Badeplätze zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit vorlegen. Darrraskns, im September. Vor einiger Zeit ging ein zwölfjähriges jüdisches Mädchen, das Kind armer Eltern, mit zwei Freundinnen gleichen Alters durch das christliche Viertel. Unterwegs wurde es von einer christlichen Frau festgehalten, welche ihm mehrere Faustschläge auf den Kopf versetzte und, mit diesen völlig unverdienten Mißhandlungen sich nicht begnügend, den Vorübergehenden zurief: „Sie ist Jüdin, man muß sie umbringen, denn die Juden bringen unsere Kinder um." Aufgeregt durch das Geschrei dieser Furie, stieß ein christlicher junger Mann dem Kinde seinen Dolch in den Leib und verschwand. Das arme Kind schleppte sich, in Blut gebadet, ein paar Schritte weit, dann verlor es die Besinnung. Vorübergehende hoben die Verwundete auf und brachten sie zu ihren Eltern, wo der städtische Arzt und ein Chirurg ihr die erste Pflege angedeihen ließen. Der Vater dieses Opfers des Fanatismus reichte am nächsten Tage dem Gouverneur eine Eingabe ein, in welcher er die Angelegenheit klarlegte und Gerechtigkeit verlangte; der Vali gab die Eingabe an den Staatsanwalt weiter, und dieser ertheilte der Polizei den Befehl, den Mörder zu suchen. Am selbigen Tage versuchte die Polizei näheres zu erfahren, doch ohne Erfolg, und die Angelegenheit wurde ad acta gelegt. Wenn die Behörden nicht energischere Maßregeln zum Schutze unserer Glaubensgenossen ergreifen, dann drohen denselben Seitens der fanatischen Bevölkerung schwere Gefahren. Feuilleton. „Fürstengunst/' Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (21. Fortsetzung.) Dina Leidenfels versuchte es zu antworten; aber ihre bebenden Lippen Frachten es nur zu einem leisen Murmeln. „Mein lieber Sohn", wandte sich nun meine Mutter an mich, „wenn Du mit Deinen Geschäften zu Ende bist, so wollen wir heimfahren." „Ich bin mit meinem Geschäfte zu Ende und habe hier nichts mehr zu suchen," erwiederte ich in unwillkürlicher Bitterkeit. Meine Mutter ließ ihren Blick im Zimmer umyerschweifen, sie suchte offenbar Eva, aber sie fühlte, daß diese nicht in der Verfassung war, angesprochen zu werden, und nach kurzem Bedenken sprach sie zu Dina Leidenfels gewendet: „Grüßen Sie Ihre liebe Eva bestens von mir." Wir schritten nuu zu unserem Wagen, der im Hofe stand; Landstadt und seine Frau begleiteten uns über denselben und sahen uns vom Hausthor nach, bis wir ihren Blicken entschwanden. Als wir im Wagen saßen, sprach die Mutter: „Ich seh's an Deiner verstörten Miene, Eva hat in gleicher oder ähnlicher Weise zu Dir gesprochen, wie ihre Mutter zu mir. Ich habe bei dieser für Dich um ihrer Tochter Hand angehalten, jedoch in einer Weise, die cs deutlich erkennen ließ, daß vorher volle Klarheit zwischen uns hergestellt werden müßte. Frau Dina kam mir, allerdings nur in einer Richtung, mit wahrhaft rührender Offenheit entgegen. Sie gestand es, daß sie erkannte, daß Eva von dem Momente an, wo sie Dich gesehen und Du sie zu höchstem Dank verpflichtetest, eine

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