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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1540 niß kann durch sie auch nicht bereichert werden, weil die Leistungsfähigkeit von Thier und Mensch individuell ist. Hat aber ein solcher Gewaltritt Bedeutung für die Kriegsführung? Nicht die geringste; denn kein Adjutant oder Depeschenträger reitet mit trainirten Racenpferden auf den Kriegsschauplatz und niemals wird heute von einem Kavalleristen verlangt, daß er in 70 oder hundert Stunden eine Strecke wie von Wien nach Berlin zurücklege. Von einem vernünftigen Zweck kann somit bei dieser unerhörten Pferdemarter nicht die Rede sein. Fragen wir nach dem Motiv, das im günstigsten Falle einem solchen Thun zu Grunde liegt, so können wir dasselbe nur in einem überschäumenden Thatendrang finden, dem aber Würde und Menschlichkeit und vor allem jeder vernünftige Zweck abgeht. Und dieser grausame, herzlose, die edelsten Thiere einem gräßlichen Tod opfernde Sport ist nicht nur statthaft, er gilt als heldenhaft und seine Pfleger werden gefeiert und bejubelt! Und wenn die Juden ihre Schlachtthiere nach den Satzungen ihrer Religion auf eine Weise tobten wollen welche notorisch nicht nur keine Tierquälerei ist, sondern von den hervorragendsten Veterinären als allgemein einzuführen empfohlen wird, — dann wird dies in einem deutschen Staate wegen Thierquälerei verboten! Wird die öffentliche Meinung diesen Widerspruch begreiflich, erträglich finden können? Wird man es ihr als Sünde anrechnen, wenn sie hier weniger — Liebe für die Ochsen, als Animosität gegen die Juden vermuthet? In Deutschland? Wo die staatliche Gesetzgebung, wo alle Faktoren des öffentlichen Lebens dahin wirken , daß dem Vermächtniß Kaiser Wilhelm I. gemäß, die Religion dem Volke erhalten bleiben soll? In Deutschland, soll es möglich sein, daß den Bekennern der ältesten Religion, unter so fadenscheinigen, nichtigen Vorwänden, die Möglichkeit verkümmert wird, ihrem Religtonsgesetz gemäß zu leben. Das kann nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit sein, deren prinzipielle, hochwichtige Bedeutsamkeit weit über den kleinen Kreis der Bekenner des Judenthums htnausragt. Alle redlichen Anhänger jeder religiösen Ueberzeugung haben ein zu ernstes Interesse daran, gerade Minoritäten nicht in ihren religiösen Gewissens-Angelegenheiten zu vergewaltigen, als daß es hiermit sein Bewenden haben könne. Keine Macht der Erde ist stark genug, um auf die Dauer sich den Forderungen des gesunden Menschenverstandes und der religiösen Freiheit entgegenzustcmmen. Der gesunde Menschenverstand aber verlangt gebieterisch: Wenn man ohne vernünftigen Grund, aus bloßem Sport Pferde ohne vorherige Betäubung zu Tode Hetzen darf, dann kann man den Juden nicht verbieten, ihre Schlachtthiere nach den humanen Satzungen ihrer Religion zu tödten, wie es seit dreitausend Jahren allenthalben geschieht. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Mainz, im Oktober. In einer Wählerversammlung in Oppenheim a. Rh. hielt der hessische Laudtagsabgeordnete Dr. Schröder zu Beginn dieses Jahres eine Rede, in welcher er sich den dortigen Lokalblättern zufolge, zu Gunsten des Antisemitismus ausgesprochen haben sollte. Ein Freund unseres Blattes wandte sich hierauf schriftlich an den genannten Herrn und erhielt als Antwort das folgende Schreiben: Darm stad t, den 20. Sept. 92. Geehrtester Herr Doktor! Mit freundlichem Danke für Ihre sehr geschätzten Zeilen vom 19. ds. gebe ich Ihnen die Anlage zurück — während die erwähnten 2 Zeitungsausschnitte gar nicht beigelegen haben — und beehre mich, Ihnen umgehend zu erwiedern. Jenes Zeitungs-Referat liegt mir durchaus ferne und kann nicht als eine irgend zuverlässige Wiedergabe meiner Darlegungen vom 11. Febr. d. Js. angesehen werden. Sie wissen, daß es nicht gerade leicht ist, gedrängt und zutreffend rasch Gehörtes, das dem Referenten zudem fremd ist, zu reproduziren. Man muß darin nachsichtig sein, wenn die Presse nur guten Willen zeigt. So muß ich die bezügliche Reproduktion ansehen, welche nur Weniges, ihr Passendes davon brachte. Die Tendenz und das Ziel meiner desfallsigen Ausführungen ging dahin, den damals schon für jene Gegend in Aussicht genommenen Anlisemiten-Feldzug zu bedauern und vor seinen leicht zerstörenden Folgen zu warnen. Wer mich am 11. Februar mit Verständniß gehört hat, muß dies bestätigen und wurde ich auch in diesem Sinne noch am gleichen Tage in Oppenheim interpellirt. Daß ich auch die von Ihnen clttrten Worte gesprochen haben mag, dem Sinne nach, wird richtig sein. Aber was ging voraus? was folgt nach? Zur Sache selbst stand und stehe ich auf Seiten derer, die das Motiv des Antisemitismus tief beklagen. In unserer, in Vielem

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