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Der Israelit · 1892-10-17 · Heft 81-82 (17.10.1892) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 81-82 (17.10.1892)
Date
1892-10-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. j\/g 81 & 82. Der Israelit. Ein Hentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Montag, den 17 Oktober $653 (1892). Leitender Artikel. Schächtverbot und Distanzritt. Mainz, p"tv ’nsod. An: 1. October ist im Königreich Sachsen durch einfache Ministerial-Verordnung ein Schächtverbot in Kraft getreten. Die Verordnung schreibt nämlich vor, daß alle Thiere vor der Schlachtung durch Kopfschlag betäubt werden müssen, eine Manipulation , welche die Möglichkeit ausschließt, daß die Juden das Fleisch eines so behandelten Thieres den Vorschriften ihres Religionsgesetzes gemäß genießen können. Das Ministerium war über die Tragweite dieser Verordnung nicht im Zweifel. Die Gemeinden und Rabbiner, selbst nichtjüdtsche Kreise machten wiederholt auf den unerhörten Eingriff in die verfassungsmäßig garantirte Gewissens- und Religionsfreiheit an maßgebender Stelle aufmerksam — ohne Erfolg. Die vermeintliche Qual der Schlachtthiere steht den betreffenden Kreisen höher, als die notorische Qual jüdischer Gewissen.*) Umsonst verwiesen die Petenten auf den europäischen Arcopag der berühmtesten Fachgelehrten von Stockholm bis Bologna. die in ihren Gutachten einmüthig erklären, das Tödten der Thiere nach jüdischer Schlachtmethode fei mit keinem Schein von Recht eine Thterquälerei zu nennen. Umsonst verwiesen die in ihren vitalsten Interessen Bedrohten auf alle civilisirten und uncivilisirten Staaten und Völker auf dem ganzen Erdenrund, wo nirgends die jüdische Schlachtart beanstandet wird — es half nichts. Als dann die offiziöse Begründung dieses Ber- *) Wenn die antisemitischen Zeitungen die Meinung zu erwecken suchen, als erstrebten die Israeliten Sachsens^ eine Ausnahmestellung, indem sie eine für alle andere Bürger Sachsens geltende Bestimmung nicht erfüllen wollen, so suchen diese Blätter eben die öffentliche Meinung irre zu führen. Die jüdischen Bewohner Sachsens fügen sich so sehr allen Gesetzen des Landes, wie es die reinsten Antisemiten kaum thun dürften, sie wünschen nur, daß das gegen sie ersonnene Ausnahmegesetz, das nur die Israeliten trifft und das diejenigen kirchlichen Bekenntniffe, die ein Gebot des Schächtens nicht besitzen, sehr kühl lassen kann, zurückgezogen werde. bots, angesichts aller dieser Momente den Schächtakt an und für sich nicht als Thierquälerei erklären konnte, bemängelte sie die Vorbereitungen, das Binden und Niederlegen der Schlachtthiere als unerhörte Marter. Es wurde von den Betroffenen darauf hingewiesen, daß in den Sächsischen Thierarzneischulen und sonst täglich Hunderte von Thieren für Operationszwecke gefesselt und niedergelegt werden, daß man gerne bereit sei, alle dort beim Fesseln und Niederlegen angewandten, die Schonung der Thiere bezweckenden Maßregeln auch beim Schächten in Anwendung zu bringen — es war umsonst. Es giebt vielleicht keine schärfere Ironie des Schicksals, als der Umstand, daß fast um dieselbe Zeit, in welcher dieser Schutz dem lieben Ochsen durch Ministerial-Erlaß zugesichert wird, die doch eben so lieben Pferde in muthwilliger, übermüthiger und zweckloser Weise durch einen Distanzritt aus Rücksichten höheren Sports in einer Weise zu Tode gemartert wurden, welche die Entrüstung aller wirklichen Thier- und Menschenfreunde wachruft. Wien und Berlin hallten dieser Tage von den Klängen der Ruhmesposaunen wieder, die zu Ehren von Distanzreitern geblasen wurden, welche einen Gewaltritt von Wien nach Berlin in 71 Stunden ausführten! Zweiundzwanzig edle Pferde sind von den hohen Kavalieren zu Grund geritten worden und vier andrere ringen mit dem Tod. Die beiden Sieger, denen die höchsten Preise zufielen, spornten und peitschten den letzten Lebenshauch aus ihren Reitthieren, nachdem man ihnen Champagner und Cognac eingestößt hatte, um den schwindenden Lebensfunken künstlich wieder anzufachen. Zu Tode erschöpft, in Schweiß und Blut gebadet, kommen die armen Thiere am Ziele an, während man ihre Peiniger und Reiter jubelnd begrüßte und von Fest zu Fest führte!! Die Zwecklosigkeit eines solchen Maffendiftanzrittes wurde bereits von verschiedenen Seiten dargelegt und bewiesen, daß weder der Pferdezucht noch der Kriegsführung ein Nutzen aus diesem Sport erwachse. Die Pferderacen können nicht durch! die hartgeprüften Thiere veredelt werden, denn die : meisten sind Wallache. Die hyppologische Erkennt-

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