Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1892)
- Date
- 1892-10-04
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1580 Uebrigen beklagte sich Herr Rohling in diesem Schreiben über den an ihm begangenen Vertranensbruch und bat nm Abdruck seiner Zuschrift, damit man erkenne, „das; ohne seine Schuld das geehrte Pnblienm durch Ausdrücke überrascht wurde, welche der europäischen Sitte nichtentsprechen." Schon ans diesem Schreiben ging hervor, daß Herr Rohling den erwähnten Brief trotz seiner Ablcugnnng ans Grund des Z. 10 des Preßgesetzcs, dennoch geschrieben habe, und wir haben auch nicht unterlassen, ans diesen Umstand gebührend^ aufmerksam zu machen. Allein da Herr Rohling die Vtirne hatte, ohne „weiteres Nachdenken" uns gegenüber nicht blos die Autorschaft abzulengnen, sondern uns überdies der Mystisication, das heißt der Täuschung und Irreführung des Publicums zu beschuldigen, beruhigten wir uns damit nicht, sondern gaben uns Mühe, das Original des abgelengneten Briefes zu erniren. Dies ist uns nunmehr gelungen, und der von Herrn Rohling vom Anfänge bis zu Ende eigenhändig geschriebene Originalbrief befindet sich in unseren Händen. Derselbe trägt, wie wir berichtet hatten, an der Spitze die Ueberschrift: „Herrn E. Hummelsheim, Zeituugs-Eorrespondent, Krenzg. 10. .stöln" und stimmt von Wort zu Wort mit der von uns gegebenen Eopic überein. Auch der mit dem Poststempel Prag versehene Briefumschlag ist von derselben Hand und trägt die gleiche Adresse. Wir sind somit in der Lage, eventuell vor Gericht zn beweisen das; Herr Rohling in der uns zngesendcten „Berichtigung" vom 17. September gelogen und das; er das Preßgesetz mißbraucht hat, nicht allein nm uns zur Verbreitung dieser crassen Unwahrheit zu zwingen, sondern nm uns überdies der „Mystisication" zu beschuldigen. Wir stellen dies fest, nicht blos um außer jeden Zweifel zu fetzen, daß wir die vollkommene Wahrheit berichtet haben, sondern auch nm einen Beitrag zur Beurtheilung der. Glaubwürdigkeit und der sonstigen sittlichen Qualitäten dieses Mannes zn liefern, dessen Zeugnis; seit Jahren jedesmal als das einer „wissenschaftlichen Autorität" angeführt wird, wenn cs sich darum handelt, die schändliche Beschuldigung des Ritualmordes gegen Juden zu erheben — eine Beschuldigung/ die ja auch dem Proccsse in Eleve zu Grunde lag, über den Herr Rohling in so schamloser Weise sich geäußert hat. Budapest, 28. Scpt. In der Gemeinde Zerecke im Marmaroser Eomitat kam es am 21. d. zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen der ruthenischcn Bevölkerung und der Gendarmerie. Im Haufe des Einwohners Ignaz Mein brach an diesem Tage Feuer aus; die Bevölkerung sah anfangs ruhig zn, erst als der Gemeindevorsteher sic aufmerksam machte, welche Gefahr ihre eigenen Häuser bedrohe, betheiligte sie sich an den Rettungsarbeiten. Indessen war zwischen ruthenischen und jüdischen Bewohnern ein Wortwechsel entstanden; der junge griechisch-katholische Priester Aladar Zombor kletterte auf das Dach des Mein'schen Hauses und begann dasselbe mit einer Hacke aufznrcißen. Zwei Rädelsführer haranguirten die Menge, welche in das Klein'sche Haus stürmte und dort Alles zertriimr. erte. Im Laden Klein's wurde den Plünderern von der Finanzwache Widerstand entgegengesetzt. Der Besitzer wurde mit dem Tode bedroht, bald darauf wurden alle Inden in der Gemeinde mißhandelt. Der Dorfnotär, der znm Schutze der Juden herbeieilte, mußte sich vor der Menge in sein Haus einschließen, da er mit dem Tode bedroht wurde. Die Gendarmerie traf in dem Momente ein, als die Lage für die Juden im Qrte eine höchst bedrohliche zu werden begann, da die ganze Bevölkerung sich znsammengerottct hatte, nm die Inden zn erschlagen. Die Gendarmerie benahm sich sehr besonnen; die aufgerechte Menge wollte auch auf die Gendarmerie einstnrmcn, um dieselbe zu entwaffnen, und versuchte zwei Attaquen. Der Wachtmeister befahl scharf zu laden; es gelang jedoch der Gendarmerie, die Menge mit den Bajonnetten auseinauderzutreiben, ohne einen Schuß abzugeben. Pcsti Hirlap zufolge wurden die Hanpträdelsführer in der folgenden Nacht verhaftet. Die gerichtliche Untersuchung ist im Zuge. Feuilleton. Aus dem Mormfer..Mmseh-Wssim"-Mlhe. Bon S. Rothschild-Worms. I. Die Geschichte von den zwei Gästen (o'rmtf Es war kurz vor dem Pesachfeste. Eine Prozession zog durch die Jndengasse. Niemand hatte hiervon eine Ahnung. So kam es, daß unbewußt eine Flüssigkeit auf die Straße geschüttet wurde, welche zufälliger Weise ein Kruzifix traf. Eine allgemeine Erregung bemächtigte sich der bei der Prozession betheiligten Personen. „Das haben die Inden gerne gcthan," rief es von allen Seiten. Die erregte Menge verlangte nach dem Unglücklichen, auf daß er seine unschuldige That mit dem Leben büße. Er stellte sich nicht. Man gewährte den Inden eine Frist bis znm 7. Tage Pesach (M w'^rrO. Sollte der Thäter bis dahin sich immer noch nicht genannt haben, dann sollten alle Inden der Jndengasse für die That des Einzelnen büßen; sie sollten getötet werden. Der traurige Tag kam Hk ran. Anstatt Freude herrschte Trauer in der Judeugasse. Die herrlichen Worte: dhjjid yww1? D'JDTi n\in nnDB6 hatten für die Bewohner der- 'elb-u ihre Bedeutung verloren, denn schon freute sich der Pöbel der bald beginnenden Mordthaten. Da öffnete der Synagogendiener am Morgen, als er die Leute znm Gottesdienste rief, das Thor der Jndengasse. Zivei in Worms unbekannte Männer standen vor demselben und begehrten Einlaß. „Wer seid Ihr?" „Wo kommt Ihr her und noch am Jomtof?" „Was ist Euer Begehr?" redete sie der Synagogendiener an. „Wißt Ihr nicht, welches Unglück uns arme Juden heute noch bevorsteht?