Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1892)
- Date
- 1892-10-04
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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1529 Literarischer Bericht. Aron Ackermann: nm r6n«, eine Sammlung von Sologesängen für den jüdischen Gottesdienst III. Lieferung: vbv. Berlin 1892. Commissionsverlag von H. Engel, Klosterstr. 10. Mit besonderer Freude begrüßen wir das vorliegende 3. Heft der Ackermann'schen Gesänge. Einmal, weil auch dieses zur rechten Zeit, wie die ersten, erschienen ist und dann weil uns das in ihm Gebotene in seiner Art besonders hervorragend zu sein scheint. Sehen wir ab von den als spezifisch süddeutsch gekennzeichneten Stücken, die uns zum Theil bereits bekannt waren, so hat der Verfasser in seinen originalen Kompositionen eine bedeutende musikalische Routine bewährt. Erst jetzt ist uns zu Bewußtsein gekommen, wie vorzüglich der Verfasser die menschliche Stimme kennt. In dieser Beziehung erscheint uns beispielsweise die zweite rwrip für Mussaf geradezu musterhaft. Jnterefsirt hat uns die rezitativische Behandlung des ersten Berach dodi. Die Häufung der Ausdrücke im Text des dritten Verses hat der Verfasser musikalisch glücklich überwunden. Der Schluß-Kaddisch weist wieder eine jener schönen Melodien auf, die dem Verfasser eigen zu sein scheinen. Nach dem Gesagten brauchen wir kein empfehlendes Wort mehr hinzuzufugen. Das Werk spricht für sich selbst E . . . r. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 27. September. Im Landtage Niederösterreichs sind wie in jeder Session antisemitische Skandale an der Tagsordnung. Das Jmpfgesetz hatte den Abgg. Dr. Lueger und Gregorig Gelegenheit gegeben, die Gescheidheit der „alten Weiber" gegenüber den Aerzten zu preisen, und als Professor Ludwig sich über die medizinische Wissenschaft anssprach, wurde er von den unanständigsten Zwischenrufen unterbrochen. Freitag und Sonnabend erprobten die Antisemiten die Kraft ihrer Lungen gegenüber der Donanregulirnngs- Kommission, die wegen ihrer Arbeiten so lange verdächtigt wurde, bis endlich selbst dem milden Präsidenten Graf Kinsky die Geduld riß und er dem Abg. Gregorig eine scharfe Rüge crtheilte. Dafür rächte sich dieser durch Angriffe auf den Statthalter Grafen Kielmannsegg, indem er meinte, „wenn alles, was aus dem Auslande komme, gut wäre, so müßte auch der Statthalter sehr gut sein." (Kielmannsegg ist gebürtiger Hannoveraner). Als später Dr. Lederer die Meinung aussprach, Gregorig könnte den Befähigungsnachweis für gute Lebensart nicht erbringen, schrie dieser ihm zu: „Ich werde ihn schon züchtigen!" und später erklärte er der Linken: „Es wird nicht besser werden, als bis man Sie mit dem L-taberl züchtigen wird; wie die Schulbuben soll man Sie behandeln." Das ist der Ton, welchen Wiener Volksvertreter in den parlamentarischen Körperschaften anschlagen: im Reichsrath, im Landtage und im Gemeinderathe derselbe rüde Ton seitens der Antisemiten, die sich an keinen Ordnungsruf kehren durch Johlen und Schreien die Verhandlungen stören und jede gedeihliche Arbeit zu vereiteln suchen. .Königsberg i. Pr., 26. September. Die von Herrn Professor Dr. Strack augekündigte Widerlegung der Artikelreihe des „Osservatore Cattolieo", welche beweisen sollte, daß die jüdischen Blutmorde Ritnalmorde seien, wird Anfang Oktober unter dem Titel „Der Blntaberglaube in der Menschheit, Blutmorde und Blutritus" (München, E. H. Beck) erscheinen. Welcher Art die Beweise des „Osservatore Cattolico" sind, können wir schon an einem Beispiel zeigen. Die ganze Beweisführung des frommes Battes gipfelt in einer Liste von 1-74 angeblich sicheren Fällen verübten oder doch versuchlen RitnalmordeS. Diese ganze Liste ist mit wenigen Ausnahmen ein schnödes Plagiat ans dem 1890 erschienenen Buche „Das Geheimnis des Blutes bei den Inden aller Zeiten" von Henri Desportes! Ja, sogar die Druckfehler sind einfach wiederholt. So Fall 77: Zirglcr, falsch statt Ziegler; Fall 96: Karntey, falsch statt Kärnten; Fall 102: Orkul, falsch statt Orkuta. Besonders ergötzlich ist Fall 106: Das Gouvernement Dublin (in Polen!) statt Lublin. In vielen Fällen ist entweder gar keine oder eine ganz ungenügende Quellenangabe beigefngt, so daß eine genaue Kontrolle nicht möglich ist. In anderen Fällen läßt sich erweisen, daß die Kinder, wegen deren Schlichtung Inden hingerichtet worden waren, später lebendig wiedergefunden sind, oder daß die Thäter nicht Juden waren. Wiederholt wird ein und dasselbe noch dazu ungenügend bezeugte Ereigniß zweimal erzählt (so Fall 20 und 26, Fall 106 und 107) u. s. w. Selbst wenn Professor Strack die Herren Rohling, Erker n. s. w. in seinem Streite mit dem „Oss. Catt." als Schiedsrichter acceptirt hätte, würde er solchen „Beweisen" gegenüber den Sieg davon getragen haben, Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Die „R. Fr. Pr." schreibt: Wie den Lesern noch errinnerlich sein dürfte, veröffentlichten wir am 15. September d. I. einen Brief des Prager Professors Dr. August Rohling an einen gewissen Herrn Hummelsheim in Köln, in welchem der Herr Professor sich über den Proceß Bnschhof in Eleve dahin aussprach, daß derselbe „eine mit Jndengeld zur Verhöhung der Gerechtigkeit aufgeführte Comödie" war und daß er die Geschworenen in diesem Processe „für mindestens superlative Esel" halte. Am 17. September sendete uns hierauf Herr Rohling eine Zuschrift, in welcher er uns auf Grund des Preßgesetzes aufforderte, die „Berichtigung" anfznnehmen: „Er habe an Herrn Hummelsheim nie einen Brief geschrieben," folglich stelle sich dieser Brief als eine Mystisieation heraus. An demselben Tage jedoch, an welchem wir diese Zuschrift veröffentlichten, brachte die Prager „Politik" eine ganz andere Erklärung des Herrn Rohling, welche dahin lautete, der Name Hummelsheim sei ihm unbekannt, wohl aber entsinne er sich bei weiterem Nachdenken, daß er einen Brief des erwähnten Inhalts auf Anfrage geschrieben habe. Im