Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1892)
- Date
- 1892-10-04
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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1528 ruft ihm reftgnirt zu: bin „Alles ist eitel". In den Schätzen Ophirs ist es nicht, auch nicht in den irdischen Genüssen, nicht in Glanz und Herrlichkeit, nicht in Ruhm und Würden, nicht in der Macht und Grütze, nicht im Wissen oder in der Klugheit ist das Glück zu sinden, alle diese Güter hatte ich, armer Koheleth, in Fülle und ich bin zur Erkcnntnitz gelangt, datz bin Van sie alle eitel und nichtig sind. Wo ist die wahre innere Freudigkeit zu erlangen?! Aber die Vernunft ist beschränkt, sie schweigt und weiß daraus nicht zu antworten. Das Glück ist nicht ein Objekt, kein „Ding an sich", nicht etwas Reales, das sich der Mensch allein an eignen kann, sondern e s i st subjektiv, e s l i e g t i m G e m ü L h e und im Herzen und kann nur i n Gem ein sch a ft mit Gott, mit Seinem Beistand und mit Seiner Hilfe erreicht werden. Die Freudigkeit in Gott, das ift das wahre Glück. i'T,3 t.b na o 210 vn Das wahrhafte Glück ist, sich freuen durch gutes, gottgefälliges Thun. Die Befriedigung, das gehobene Gefühl, die innere Genugthuung, das seeiische Behagen, die ruhig freudige Empfindung, die der Mensch bet der Ausübung guter, edler Werke empfindet, das ist die Freudigkeit in Gott und das ist das wahre Glück hd» vmso nsi nt O'ptzN ns ‘»an lan rpO OiNTi bi ni 'i. „Das Resultat alles Suchens nach Glück ist, Gott ehrsürchten, seine Gebote beobachten, das ist es, was den Menschen zum dinh bi zum ganzen und vollkommenen Menschen macht" sagt Kohelet. Wer die Freudigkeit in Gott erreichen will, dessen ganzes Sein muß aber auch ganz erfüllt sein von Gott. Es genügt nicht, wenn man blos den öffentlichen Gottesdienst besucht, auch nicht, daß man das Ceremoninalgesetz im Hause und in der Familie streng hält, auch nicht, wenn man zuweilen im Geschäfte und im Getriebe des LeLens draußen seines Gottes sich erinnert, nein, sondern dein ganzes Thun und Lassen, dein Denken und Fühlen, dein Empfinden, dein Wesen und dein Sein müssen erfüllt sein von Gott, Er muß Dein Herz ganz durchdringen, dein ganzes Gemüth ausfüllen, dann wirst du ein inneres Gefühl empfinden, das dich emporhebt über allen irdischen Jammer, ein Gefühl der Kraft und Stärke; dein ganzes Thun wird wie verklärt und geheiligt, alle deine Lebenstage werden dir zu Festtagen, die geweiht sind der großen allgütigen Gottheit; du erlangst den Seelenfrieden , die Gemüthsruhe, die innere Freudigkeit und das stille, genügsame, zufriedene Herzensglück; die sieben Jahrzehnte freust du dich vor dem Ewigen deinem Gotte, wie es unsere Lehre verlangt in den schönen Worten onr nyav üypbt* *n »je1? onnoan. „Und Ihr sollt Euch freuen vor dem Ewigen Eurem Gotte sieben Tage". Wer diese Freudigkeit in Gott erlangt hat, der geht mit Leichtigkeit über alle Hindernisse des Geschickes hinweg, dessen Gletchmuth bleibt in allen Wechsclfällen des Daseins unerschütterlich, dessen heiterer Sinn wird nie getrübt; mag es um ihn her stürmen, mag Trauer und Düsterkeit ihn umgeben, mag da kommen, was immer, er lebt in seinem Gotte, der ihm alle Bürden tragen hilft. Das lehrt uns deutlich das Sukkothsest mit seinen sinnigen Geboten und Satzungen. Wir feiern dieses zu einer Jahreszeit, welche gar sehr geeignet ist das Gemüth traurig und melancholisch zu stimmen. Alle Pracht in der Natur beginnt allmählig zu schwinden, ihre Herrlichkeit zu welken, zu altern, bald liegt sie in den letzten Zügen, im Sterben und an ihren Sarge weinen düstere Wolken ihre Thränen in Strömen und der kalte Wind stimmt heulend sein Klagelied an; ein wehmüthig stimmendes Bild der Vergänglichkeit alles Irdischen. Aber der fromme Jehudi rafft in heiligem Eifer in dieser Jahreszeit, in der düstere Nebel die Berge verhüllen, die letzten Reste, das letzte grüne Laub, welches ihm die Natur noch zu bieten vermag, zusammen und frohen Mnthes und freudigen Herzens bringt er sie in das Gotteshaus und spricht darüber den Segen und dankt und lobet seinen Schöpfer, und es mag die Vergänglichkeit alles Bestehenden, welche ihn die Wandlung in der Natur lehrt, seine innere Heiterkeit nicht zu trüben. Freudig in Gott verläßt er vertrauensvoll seine feste Wohnstätte und zieht in eine zerbrechliche, wankende Hütte, denn der Ewige ist seine feste Burg, Er ist ihm Schirm und Schutz, Er seine Zuversicht. Und wenn einst die Stunde naht, wo die Seele ihre morsche Hütte, die hinfällige, leibliche Hülle verlassen muß , auch da werden keine Klagelaute seinen Lippen entfahren, keine Jammertöne seiner Brust sich entringen über das traurige Ende alles Lebenden, nein, kaum vermag seine Zunge sich noch zu bewegen, wird sie lallend das heilige Bekenntnis; von der Einheit Gottes noch stammeln, sein letzter Hauch wird seinem allgütigen himmlischen Vater geweiht sein, geheiligt wird sein letzter Athemzug und freudig entringt sich seine reine Seele ihren irdischen Fesseln, sie schwingt sich zum Allvater hoffnungsfroh empor, denn dort oben sieht sie die Morgenröthe eines neuen reinen Lebens, dort erblickt sie den Aufgang des göttlichen Lichtes, der Erlösung, der Freiheit, der Glückseligkeit, die wahre Freudigkeit in Gott, wie es heißt: dd^n 'n nnnnan. „Und Ihr sollt Euch freuen vor dem Ewigen Euerem Gotte."