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Der Israelit · 1892-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1892) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1892)
Date
1892-10-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Meile Beilage m M 79 5- 80 des „Israelit" tzeiteuder Artikel. Die AreudigKekt in Hott. (Zum Suckoth feste.) Von Rabbiner H. & a I a n b a u e r in Soborten (Böhmen.) LI'Q' nyaff GD'pb« 'n ’jeb Dnnoffi „Und Ihr sollt Euch freuen vor dem Ewigen Euerm Gott sieben Tage." Wiederholt wird uns in der heiligen Thora eingeschärft, freudigen Herzens und fröhlichen Gemüthes zu sein. Nicht nur von den Festtagen allein heißt cs Tvff rrm „Und du sollst nur recht freudig sein", sondern auch beim Gottesdienst wird uns Frosinn empfohlen. mm iwia nnnffa ‘i nay „Dienet dem Ewigen in Freude, kommt vor ihn mit Fohlockeii" singt der gekrönte Psaluiist, also bei einer Handlung, wo gewiß der heiligste Ernst erforderlich ist. Gottes Herrlichkeit ruht nur auf dem, sagen unsere Weisen, der freudigen Herzens ist, nnoff -]ina miff nraffn pN. Diese Pflicht wird gewiß jeder gerne erfüllen, aber wie die Freudigkeit, die innere Harmonie, das Glück und die Zufriedenheit der Seele zu erreichen ist, das ist die große Frage, welche die größten Denker, die weisesten Philosophen seit Menschen existiren bis auf den heutigen Tag nicht zu lösen vemögeu. Man liest die Ethik eines Plato, eines Aristoteles, eines Spinoza, eines Kant u. s. w. und glaubt ernstlich, indem man sich in die Werke dieser gewaltigen Geister vertieft, das leuchtende Kleinod zu finden, bei dessen Schein es möglich wäre, den Weg zur inneren Freudigkeit, zum Glücke zu finden, aber dieser Glaube hält nur an, so lange der Verstand und das Gemüth von den geistvollen Schlüssen und den so sehr anmuthenden Gedanken, welche diese Abhandlungen enthalten, im Bann gehalten werden, nach kurzer Zeit fällt einem allmählich der Faden ans der Hand, und tastend und suchend fragt man sich enttäuscht und niedergeschlagen : “iffNn cipD .Ts Wo ist der Weg, der zur Glückseligkeit, der zur inneren Freudigkeit führt? Der Arme glaubt, im Reichthum '.wäre das Glück zu finden, aber der Reiche belehrt ihn, daß er im Jrrthum ist; der Schwache und Hilflose meint, daß es in der Macht zu finden sei, aber der Mächtige zeigt ihm, wie sehr er sich täuscht; den Ungebildete und Unwissende denkt, daß es im Wissen und in der Bildung zu suchen wäre, aber der Gelehrte beweist ihm, daß dies Trug sei, der Geringgeachtete möchte schwören, das es in Ruhm und : Ehre sicher zu erreichen sei, aber der Berühmte belehrt ihn, wie der „Fluch des Ruhmes" den da-; mit Belasteten in die geheimsten Gemächer verfolgt.! Wenn nun in allen Gütern dieser Welt das Glück i nicht vorhanden ist, wo ist es denn? Wo ist die 1 Freudigkeit für das zerrissene Herz, für das wankende Gemüth, wo die wahre Heilung für die kranke Seele zu finden; wo ist der Arzt, der das kostbare Mittel kennt, durch das der innere Frieden, die innere Festigkeit, der innere Halt für die Dauer zu erlangen wäre?! Freilich empfehlen gar oft die Gelehrten der Heilkunde, dem Einen den Anblick der schönen Natur, dem Andern das Leben! am Meeresstrande, dem Dritten das Reisen u. s. f. i je nach der Individualität des Heilung Suchenden, { aber ob dieser für die Dauer in solchen Mitteln auch Heilung fand, wer vermag es mit Sicherheit zu behaupten? Wie soll der durch den Anblick der imposanten, gewaltigen Natur die ersehnte Ruhe finden, wenn sich sein Gemüth so zaghaft und furchtsam zusammenschrumpft; wie soll der Anblick des Meeres den Andern erheben und sein Herz beschwichtigen, wenn es in seinem Innern so gewaltig wogt und stürmt; wie soll der Dritte durch > Zerstreuung auf der Reise den Frieden in seiner j Seele Herstellen, wenn er aus sich selbst heraus z nicht entfliehen kann? Jeder, der nur zu denken vermag, hat über die Lösung dieses Problems seinen Geist nach Möglichkeit angestrengt, aber vergeblich und fast verzweifelt ruft der Genius der Menschheit: “lffxn oipo tn. Wo ist das wahre Glück zu finden?! Wollen wir einmal sehen, wie unsere heilige Schrift diese Frage zu beantworten sucht. Da finden wir unseren Kohelet in seinem Gemache sitzend, sorgenvoll das edle Haupt auf die Hand gestützt, das geistprüfende Auge blickt düster vor sich hin, ans der gefurchten hohen Stirn lagert cs wie eine Wolke, und wir erkennen kaum in ihm den lebens - und schaffensfreudigen König Salomo. Sein liebeglüheud Herz schweigt, der Sänger des hohen Liedes hat die Fackel der Begeisterung ausgelöscht, er verlangt nicht mehr den Libanon mit seiner Liebesflamme zu verbrennen, nicht mehr die Menschheit zu umarmen und an sein Herz zu drücken, nicht mehr Sulamith mit seinen süßen Klängen zu bestricken, die Welt ist ihm nicht mehr das, was sie zu sein scheint, sondern das, was sie in Wirklichkeit ist. _ "iBwn □'*,pD tn Wo ist das wahrhafte Glück? fragt auch er, und er richtet seine Frage nicht an das Herz, sondern an die kalte Vernunft. Und diese

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