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Der Israelit · 1892-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1892) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1892)
Date
1892-10-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1518 doch hätte ich vor wilder Lust laut ausjubeln mögen. Eva bleich wie ein Marmorbild hielt beide Hände vor's Gesicht und schluchzte so bitterlich, daß ihre wunderherrliche Gestalt zusammenbebte. „So habe ich mich doch nicht getäuscht! So liebst Du mich doch!?" rief ich. „So willst Du doch mein Weib werden? sprich! .... Ende die Qual des peinigenden Zweifels! „Eva ließ langsam die Hände vor dem Gesichte niedersinken, ein wehmüthigesLächeln verschönte ihr thränenüberströmtes Gesicht zu unschilderbarem Reize. „I ch sollte Ihrer in Haß und Bitterkeit gedenken?! Herr Perez Markbreiter, ich bin Ihnen ja zu dem höchsten Danke, den ein Mensch einem zweiten schulden kann, verpflichtet! Ich werde nie der schauervollen Nacht, in welcher Sie mich und meine Mutter vom Tode erretteten, ich werde Ihrer nie — so lange ich lebe, vergessen! Und — es ist nicht mädchenhaft, daß ich es sage — aber man hat mich stets gelehrt, man dürfe die Wahrheit nur dann verschweigen, wenn es die unabweisliche Notwendigkeit gebietet; — auch glaube ich, ich könnte nie mehr eine Sekunde ruhig leben, wenn ich es nicht ausgesprochen .... ich liebe Dich Perez Markbreiter, wie ein Menschenherz nicht inniger, nicht reiner lieben kann — Perez Markbreiter, es wär' mein höchstes Glück, als Deine Gattin, Dein Leben nach meinen schwachen Kräften zu verschönen — aber es kann nicht sein! fragen Sie mich nicht warum? ich würde Ihnen nicht antworten. Mann meines Herzens, Mann meiner Seele! je heißer ich Dich liebe, desto weniger kann ich den Gedanken ertragen Dein Schicksal an meines, an unseres zu knüpfen! . . . . Bevor ich Dir unter dem Trauhimmel folgte, stürzte ich mich in den Fluß! .... Um meiner armen Mutter willen, kommen Sie nicht nach Schönhof, sonst müßte ich mit meiner armen Mutter fort .... fort . . . . wohin? Das weiß ich bet dem einig-einzigen Gotte nicht!.Ich fleh' Sie an meiner zu vergessen. Ich werde Ihrer nie vergessen! Leben Sie wohl auf ewiges Nimmerwiedersehen!? —" Plötzlich überkam mich ein peinigender Gedanke, ich ergriff sie hastig am Arme und frug: „Eva — sind Sie das Weib eines Andern?!" „Nein!" erwiederte sie laut aufschreiend, „ich bin frei .... frei .... vogelfrei" und stürzte aus dem Zimmer. — Ich brach wie vernichtet zusammen. Wenige Minuten darauf öffnete sich die Thüre des Nebenzimmers, meine Mutter trat von Dina Leidenfels begleitet, aus demselben. Beide Frauen waren ungewöhnlich bleich, doch sprach meine Mutter in ihrer gewohnten milden Weise. Bemühen Sie sich nicht weiter, ich habe Sie ohnehin durch meinen Besuch längere Zeit gestört und Sie sind dringend beschäftigt. Meine Auftraggeberin wünscht nämlich, daß die Barchesdecke*) noch zu Schabbos-Chanuko1 2) fertig wird, sie ist als Geschenk zum sechszigsten Geburtstage ihres Vaters, welcher auf diesen Tag fällt, bestimmt. Sobald Sie diese Arbeit beendet haben, sende ich Ihnen weitere. Ich werde Sie auf Jahre hinaus mit Arbeit versehen können. Auch muß ich Sie dringend bitten, den Gedanken uns zu verlassen, aufzugeben, Sie sind uns unentbehrlich geworden und Ihr Wegzug würde uns in peinlichste Verlegenheit bringen. (Fortsetzung folgt.) 1) Ein Tuch, womit die Barches (geflochtenen Weizenbrode), über welche an Sabbaten bei Tisch eine Benediktion gesprochen wird, bedeckt werden. Dasselbe pflegt gestickt zu sein. 2) Der Sabbat, der in die Woche des Tempelweihfestes fällt. Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel ju beziehen bei E. F.Kteinarker, Leipzig, Doszplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandtcn Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Die Myrthe. Von Nabb. Dr. Sänger. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Aus Hessen. Berlin. Emden. Leipzig. Elbing. Ulm. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Ein ernstes Wort zur Emigration nach Nordamerika. Von Bernhard Traubenberg. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Geestemünde. Burgpreppach. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die Freudigkeit in Gott. Von Nabb. H. Galandauer in Soborten (Böhmen). — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Königsberg i. Pr. — Oester.- Ungar. Monarchie: Wien. Budapest. — Feuilleton: Aus dem Wormser „Maaseh-Nissim-Buche". Von S. Rothschild. — Israel. Inhalt der belletr. Beilage: Teschwu ken toduru. Erzählung von H. Berger. Inhalt der Extra-Beilagen: Kunstblatt zur Verzierung der Laubhütte. — Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redacfion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'sehen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu sechs Beilagen.

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