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Der Israelit · 1892-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1892)
Date
1892-10-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1517 — Gleichzeitig aber will ich mit ihrer Mutter sprechen, eine Mutter weiß, was in ihres Kindes Seele vorgeht. Sie wird mir sagen können, ob Dich Eva liebt — dann frag ich weiter! Wenn eine Frau zur andern, eine Mutter zu der andern spricht, dann finden sich die Herzen leichter, wenn Dina Leidenfels erkennen wird, daß nicht bloß innige Theilnahme — noch weniger müßige Neugierde — mich zu der Frage drängt, — wenn sie erkennen wird, daß durch eine wahrhaftige Beantwortung meiner Frage, meines und ihres Kindes Glück befördert werden kann, wenn Dina Leidenfels erkennen wird, daß wir ein gefährliches Geheimntß, das unsere Schwiegertochter und deren Mutter betrifft, nicht minder sorgfältig als sie selbst bewahren werden; — dann wird sie offen sein. Liebt Dich Eva und ist das, was sie mittheilt, nicht etwas was Euere Verbindung unmöglich macht — dann wird, davon bin ich überzeugt, auch Dein Vater keinen unbesiegbaren Einspruch erheben. — Allerdings wenn Eva Deine Liebe nicht erwiedert, oder die Enthüllungen derartige sind, daß sie sie in der That zu scheuen hätten, oder wenn — was für uns von ganz gleicher Wirkung wäre; — auch nach unserem Anträge in ihrem Schweigen verharren sollte, dann lieber Perez müßtest Du als Mann und Jude gottergeben das tragen, was Dir durch Gottes unerforschlichen Rathschlusse auferlegt ist!" Da Markbreiter einen Augenblick, tief aufathmend innehielt, rief Wertheimer: „Sie haben in der That von ihrer Mutter nicht zu viel gesagt.doch fahren Sie fort, ich befinde mich in der lebhaftesten Spannung." „Ich war mit dem, was meine Mutter sprach, vollkommen einverstanden, nur bat ich sie in keinem Falle den beiden Frauen zu grollen, in keinem Falle ihre milde Hand von ihnen abzuziehen und fast hätte mir meine Mutter gegrollt, daß ich das zu vermuthen wagte.Wir langten in Schönhof an und wurden von dem Verwalter und dessen Frau ehrerbietig empfangen. Meine kluge, auch das scheinbar Unbedeutendste reiflich erwägende Mutter hatte es mit mir vorher besprochen, daß ich sofort mit Landstadt ins Rechenzimmer gehen und dort seinen Bericht über den Gang des Geschäftes entgegen und Einsicht in die Bücher nehmen sollte. Mittlerweile würde sie sich eine Unterredung mit Dina Leidenfels erbitten und da diese voraussichtlich längere Zeit währen dürfte, würde ich dann Eva allein finden. Was David Landstadt damals mit mir sprach, schlug unverstanden an mein Ohr, ich blickte zerstreut in die Bücher und brach die Besprechung mit ihm so rasch als möglich ab. Dann ging ich ins erste Stockwerk, wo die beiden Frauen wohnen und fand Eva allein bei ihrer Arbeit am Tische beschäftigt. Einen Augenblick war ich vor Aufregung keines Wortes mächtig, dann aber stieß ich hastig die Worte hervor: „Ich habe Wichtiges mit Ihnen zu sprechen — ich habe eine Frage an Sie zu richten, von deren Beantwortung das Glück meines Lebens abhängt." Eva wurde brennendroth, dann leichenblaß und doch blickte sie mir einige Sekunden — mir erschienen sie eine Ewigkeit — ruhig ins Gesicht, dann sprach sie mit ihrer wunderbar schönen Altstimme, welche diesmal vor Erregung noch etwas tiefer als gewöhnlich klang: „Herr Perez Markbretter, wenn Sie mir nicht weh, sehr weh thun wollen, dann stellen Sie die Frage nicht. Enden wir diese Unterredung, bevor wir sie beginnen, „ein tiefer Seufzer hob den Busen des schwer gequälten Mädchens, „sie kann zu keinem Resultate führen." — „Eva", rief ich in wilder fieberhafter Aufregung, so kennen Sie die Frage, die schon lange Zeit auf meinen Lippen schwebt? So wissen Sie, daß ich Sie liebe, von dem Momente an, wo ich Sie das Erstemal gesehen und sofort Ihr ganzes wunderbar schönes Wesen, Ihre Anmuth, Ihre Kindesliebe, Ihren Heldenmuth, Ihr Gottvertrauen, Ihre Gottergebenheit — wie vermag ich alle Ihre Herrlichkeit in Worte zu fassen? — erkannte! So wissen Sie es, daß ich Sie von dem ersten Momente an, wo ich Sie erblickt, geliebt und Sie bis zu meinem letzten Athemzuge lieben werde? So wissen Sie es, daß ich Sie fragen will, ob Sie meine ehrliche, treue Liebe erwiedern, ob Sie mein Weib werden wollen? So wissen Sie es, daß wenn Sie meine Frage verneinen, ich mich endlos unglücklich fühlen würde und Sie verbitten sich meine Frage, um mich nicht tödtlich zu verwunden?" Dann aber fühlte ich mich in tiefster Seele bedrückt, daß ich dem Mädchen, dem ich gleichgiltig schien, Einblick in mein Herz gewährt hatte, ich schämte mich meiner wild überschäumenden Heftigkeit, die Eva erschrecken, mich in ihren Augen herabsetzen müßte. Ich suchte meine verlorene Fassung wieder zu gewinnen, ich wollte den vermeintlichen Fehler, den ich begangen, gut machen, ich Versuchtees mich zu sammeln, verbeugte mich vor Eva und sprach: „Mein Fräulein, ich habe nicht das geringste Recht an Sie, es war verwegene Thorheit von mir zu glauben, daß Sie meine Liebe erwiedern können. Es erübrigt mir nichts anderes, als Sie ergebenst für meine Dreistigkeit und Heftigkeit um Verzeihung und auch zu bitten — meiner ohne Haß und ohne Bitterkeit zu gedenken! „dann eilte ich rasch der Thüre zu — an der Schwelle mußte ich unwillkürlich rückwärts blicken .... und seltsames Gemisch in einer Menschenbruft, mich erfaßte tiefer Schmerz, und

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