Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1892)
- Date
- 1892-10-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448293--34977-2482941- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Emden 1× ep/1044505
OCR text
1514 Bielefeld folgendes Schreiben an einen Arzt gerichtet: Bielefeld, 27. Sept. 1892. Sehr geehrter Herr Sanitätsrath! Es ist mir leider nicht möglich gewesen, aus dem unermeßlichen Vorrath älterer Briefe das Schriftstück über den p. Meyer aufzufinden. Ich kann nur bezeugen daß die englischen Freunde, ehrenhafte Männer, an ihm dieselben Erfahrungen gemacht haben wie wir. — Ein ungemessenes Maß von eynischem Undank gegen alle seine Wohlthäter, die schließlich seinen wahren Charakter erkannten und seinen ungemessenen Ansprüchen nicht genügen wollten! — Ueber sein hiesiges Betragen brauche ich Ihnen nichts zu melden und fasse es kurz dahin zusammen, daß ich in meinem ganzen Leben von tiefer Gesunkenheit, Bosheit, Lügenhaftigkeit und Hoffart — überhaupt von bodenloser Gemeinheit kein solches Beispiel kennen gelernt habe wie diesen Menschen! — Gottlob hat er ja seine Sache ausgespielt! — Er ist ja aus Preußen ausgewiesen! — Wir haben ja schon vor einiger Zeit an das Polizeipräsidium in Berlin geschrieben, um demselben über den Menschen klaren Wein einzuschänken. Ebenso ist dem Berliner Vorsteher der Judenmission darüber Mittheilung gemacht worden. Damit ist wohl seine Rolle in Denischland am Ende, und wir werden hoffentlich diesen Menschen nie wieder aus deutschem Boden antrcffen! — Hochachtungsvoll ergebenst F. Bodelschwingh, P. Cmden. Einen herben Verlust hat der Landrabbinatbezirk Emden erlitten. Nach langem und schweren Leiden ist der Landrabbiner Herr Dr. Buchholz am n^Ti ms während des Morgengottesdienstes an seinem 55. Geburtstage in ein besseres Jenseits entschlummert. An ihm hat nicht nur seine Familie ihre Stütze, sondern auch unsere jüdische Gemeinde, sowie sein ganzer Bezirk, welcher drei Regierungsbezirke umfaßt, das Oberhaupt und die Krone verloren. Achtzehn Jahre wirkte der nun Verstorbene Hierselbst auf's segensreichste. Er zeichnete sich durch wahre Religiösität, durch eine unermüdliche Arbeitskraft und durch Lauterkeit seines Charakters aus. Seine gediegenen Predigten und nitm werden uns unvergeßlich bleiben. Den Armen war er ein Helfer, den Waisen ein Vater. Bei jeder Gelegenheit sorgte er für seine Lieblingsschöpfung, den „D’Dirr nrnp-Verein in dem Landrabbinatsbezirk Emden", welchen er vor 6 Jahren gegründet hat. Uns Lehrern war er nicht nur ein gewissenhafter Vorgesetzter, sondern auch ein treuer Berather, Helfer und Freund. Wo es galt, für uns in die Schranken zu treten, da that er es mit der größten Hingebung und Freude. Welch großer Achtung, Liebe und Hochschätzung sich der Verstorbene erfreute, das bewies schon der Nachruf eines hiesigen christl. Geistlichen in der „Ostfriesischen Zeitungaber noch mehr zeigte dies der imposante Leichenzug. Mitglieder des Magistrats, des Stadtkollegiums, der Geistlichkeit hiesiger Stadt, Leute der verschiedenen Confessionen und Stände gaben dem allgemein betrauerten Todten das Geleite. Von Nah und Fern waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um dem edlen Menschenfreunde noch die letzie Ehre zu erweisen, ihm den letzten Tribut der Dankbarkeit zu zollen. Die Trauerfeierlichkeit begann im Hause des Heimgegangenen. Die Herren Landrabbtner Dr. Mannheimer "'^—Oldenburg und Gronemann '"j— Hannover widmeten daselbst demselben warme Nachrufe. Herr Hauptlehrer Levy—Norden rief ihm im Namen des Lehrervereins der Prov. Hannover, des D'mrv niip-Vereins und des Lehrervereins des Landrabbinats-Bezirks Emden, dessen eifriges Ehrenmitglied der theure Verstorbene war, zu. Nach den üblichen drei my'pn wurde das no in die Synagoge gebracht und von einer trauernden Menschenmenge mit lautem Schluchzen empfangen. Herr Dr. Mannheimer betrat nun die Kanzel und ausgehend von dem Spruch pp N8O2Q nn’ö und daß die Tage eines pns hinsterben, aber seine Werke ewig fortleben, schilderte er den Verblichenen als tüchtigen Kanzelredner, als gewissenhaften und frommen Beamten und Lehrer der Gemeinden, als Gatten und als Vater der leider noch unversorgten Kinder und schloß sein tiefdurchdachtes -mon mit dem Trost für die Verwandten und mit der Aufforderung an die Gemeinde, im Sinne des Verstorbenen weiter zu leben und zu wirken. Kein Auge blieb bei diesen Ausführungen thränenleer. Nachdem die Bahre bei dem 12p angelangt war, hielten die Herren Dr. Gronemann-Hannover und Hauptlehrer Dr. Fiuk-Aurich Trauerreden. Beide Redner gaben in herzergreifenden, tiefempfundenen Worten dem allgemeinen Schmerze Ausdruck über das allzufrühe Hinscheiden des edlen Mannes. Ersterer schilderte in kurzen Umrissen dessen Studiengang und Lebenslauf. Durch den Scharfsinn, die seltene Fassungskraft und das ausgezeichnete Gedächtniß wäre der Verstorbene nicht nur ein tüchtiger Talmudist, sondern auch ein vorzüglicher Philosoph gewesen, der auch in anderen Gebieten der Wissenschaft bewandert war. In schöner Weise habe er es verstanden, min mit px -j-n zu verbinden. — Die nach Form und Inhalt ausgezeichneten Reden machten auf die zahlreiche Trauerversammlung, welche trotz des heftigsten Regens muthig aushielt, einen gewaltigen Eindruck. Nachdem noch Herr Jakob S. Pels in kernigen Worten Namens des Gemeinde- und Schulvorstandes dem Verblichenen für sein frommes Wirken den Dank ausgesprochen und ihm den letzten Scheidegruß zugerufen, wurden die irdischen Ueberreste der Erde übergeben.