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Der Israelit · 1892-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1892)
Date
1892-10-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1513 bringen, auch durch die That, durch die Errichtung e^ner Sukkoh es zu beweisen. ILN wdd ^db 1'^ 11^2' „Sind die Blätter der Myrthe verdorrt, so ist die Myrthe ^ivs, sind sie aber blos welk, aber noch grün, dann ist sie noch ibo. Wenn man nicht mehr weiß, ob überhaupt ein edler Gedanke dem Worte und der That zu Grunde liegt, wenn das Wort uns noch keinen Schluß gestattet auf einen vorhergegangenen schönen, edlen Gedanken; wenn die That sich nicht als Ausdruck einer guten Absicht erkennen läßt; da ist eben der edle Grundgedanke nicht vorhanden. Sobald aber sich noch etwas Leben zeigt, so daß man aus dem ganzen Thun des Menschen erkennt, daß er immer noch, wenn auch nicht gerade sich begeistert und erwärmt für die gute Sache, doch aber mitwirkt und mithilft, so ist er immer noch als ein brauchbarer Mensch zu betrachten. „Wenn die meisten Blätter des Myrthenzweiges abgefallen und es verbleiben nur noch an der Spitze eines jeden Zweiges drei zusammenstehende Blätter, von denen zwei verdorrt und nur eines noch frisch und grün, so wäre es noch -hkj, wenn nur dieses eine das abschließende Blatt ist." Also wenn an den drei Zweigen an der Spitze immer nur das abschließende Blatt vorhanden wäre, so daß sie zusammen ein Dreiblatt darstellen würden, wäre es nach einigen Gesetzeserklärern im Nothfalle auch noch ura. Wenn einThetI unseres Denkens, ein T h c i l unserer Worte und ein Th eil unseres Thuns zusammengenommen noch ein Bild, wenn auch ein sehr schwaches und lose zusammenhängendes Ganze geben würden von einem schwach vorhandenen Bewußtsein unseres wahren Menschenberufes; so wäre das immer noch eine Idee von einem Menschen, verdient noch immer Mensch genannt zu werden. Das aber ist das äußerste und gewiß weitgehende Zugeständniß. Wer aber eine mso mit Freuden thun will, der nehme sich drei schöne, tadellose Myrthenzweige und zeige damit, daß er ein ganzer, tadelloser Mensch vor seinem Gotte sein will, bei dem NVpv'! im, naiwi», Gedanke, Wort und That ein Gepräge bilden. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Aus Hessen. (Die Jungen und die Alten.) Unter dieser Aufschrift geht uns aus unserem Leserkreise das nachstehende wohlverbürgte, für unsere Zeitverhältnisse äußerst charakteristische Geschichtchen zu. In dem Herrenstübchen eines ländlichen Gasthofes gefiel sich jüngst ein ziemlich neugebackener, wirklich recht mühsam zustande gekommener Referendarius darin, dem Antisemitismus ein Loblied zu singen. Der ganz zufällig anwesende jüdische Lehrer des Ortes konnte diese Herausforderung nicht unbeachtet lassen und leuchtete dem Judenhasse im allgemeinen und dem Herrn Judenhasser im besonderen in's Gesicht. — Der dem Referendar Vorgesetzte Amtsrichter erlauschte, im Begriffe in das Gastzimmer zu treten, einen Theil der in sehr energischem Tone geführten Auseinandersetzung, machte Kehrt, trat in die benachbarte Bauernstube des Wirthshauses und setzte sich — zu dem Juden Jsak, der zwar als ein ganz anständiger Mensch, aber durchaus nicht als ein den besseren Kreisen angehörender Herr gelten kann! -- Eine drastischere Verurteilung seines Gebahrens hätte dem jungen Herrn nicht gut werden können. Berlin. Die antisemitischen Blätter sind sehr ungehalten darüber, daß jüdische Leute sich mit ziemlich namhaften Beträgen an den Sammlungen für die Hamburger Nothleidenden betheiligen. Sie finden das protzig und erblicken in den Spenden einen neuen Beweis dafür, daß die Juden das deutsche Volk ausplündern, weil sie sonst derartige Aufwendungen zu wshlthätigen Zwecken nicht machen könnten. — Wie es der Jude anfangen mag, er ist schlimm dran. Giebt er Geld, so ist das ein Beweis für ein Protzen- und Vampyrthum, giebt er aber keins, so ist er herzlos und geizig. Wie richtig hast Du doch das fanatische Gelichter beurtheilt, Lessing, Du großer Weiser, als Du Dein berühmt gewordenes Wort niederschriebst: „Thut Nichts, der Jude wird verbrannt." Ztschr. d. I. Berlin. Der bekannten Forderung der reinen H am aniten, daß die Regierung sich offiziell mit den Lehren des Talmuds beschäftigen solle, schließt sich heute in einem auffällig gedruckten Leitartikel die „Kreuzzeitung" an. Scheinbar unparteiisch, in Wahrheit aber doch zustimmend verzeichnet sie die bekannten Behauptungen der Lügen-Rohling und Genossen, daß das, was im jüdischen Religionsunterricht gelehrt werde, eine höchst verwerfliche talmudistische Geheimlehre fei und sagt: „Die Selbsterhaltungspflicht unseres Staates verlangt, daß nicht lediglich dem Widerspruch der Rabbiner Glauben geschenkt, sondern unverzüglich eine umfassende amtliche Untersuchung eingeleitet werde, um die Wahrheit in dieser Frage festzustellen. Im Königreich Preußen ist es bisher Staatsgrundgesev gewesen, daß der Staatsgewalt die Oberaufsicht über die Lehren jeder Glaubensgenossenschaft sowie jeder anderen religiösen oder antireligiösen Vereinigung zusteht. Dieser Grundsatz ist stets mit aller Schärfe aufrecht erhalten worden. Wir erinnern nur an die Jesuitenfrage. Deshalb dürfen mir wohl erwarten, daß die königlich preußische Staatsregierung dem Judenthum gegenüber nicht freiwillig aus dieses ihr grundlegendes Recht verzichte." Berlin, 2. Oktober, lieber den neuen Antisemiten- Apostel Paulus Meyer hat Pastor Bodelschwingh in

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