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Der Israelit · 1892-10-04 · Heft 79-80 (4.10.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 79-80 (4.10.1892)
Date
1892-10-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1512 Wie beim Lulow, die in eine geschlossene Spitze auslaufenden Blätter, und beim Esrog der Schmuck der Blüthenkrone als Abschluß gedacht ist, so bei der Myrthe die drei im Kranze stehenden Blätter. Und wenn auch der holzige Theil oben geknickt ist, ohne daß dabei die Blätter verletzt werden, so ist die Myrthe noch itn. „Wenn die meisten Blätter der Myrthe abgefallen sind und nur drei Blätter noch beisammen stehen, wäre die Myrthe noch Wenn auch daraus geachtet werden muß, daß der ganze Zweig von unten bis oben je mit drei Blättern umgeben ist, im Nothfalle ist es aber genügend, wenn nur ein Theil noch den Blätterschmuck vollständig hat, sogar nach einer Ansicht, wenn am ganzen Zweig nur drei Blätter zusammenstehend daran sind. Wenn auch der Mensch erst dann als vollkommen gut und edel bezeichnet werden kann, wenn in seinem ganzen Leben immer Gedanke, Wort und That zusammenstimmen, wenn der edle Gedanke, das entsprechend gute Wort durch die rechte That zum Ausdruck kommen, so ist dieses Vorbild doch nur von Wenigen erreicht worden. Die Kämpfe des Lebens lassen ein solch friedliches, harmonisches Musterbild eines Menschen, der ja dann in der That ein Ebenbild Gottes wäre, nicht so leicht entstehen und verwirklichen. Das Streben aber, in Allem diese Harmonie des inneren und äußeren Menschen, des Gedankens und der Wirklichkeit herzustellen und zu gewinnen, das muß und soll in uns vorhanden sein. Erreichen wir auch nicht diese vollkommene Harmonie, so ist es immer noch genügend, wenn in einem Th eile unseres Lebens dieselbe zum Ausdruck gelangt. Ja, der Mensch ist immer noch ein brauchbarer, dessen Leben doch noch in einem Dreiblatt abschließt. Wenn auch der ganze übrige Zweig entblättert und kahl ist und nicht gerade zum Schmucke dient, kaum geeignet ist, damit Gott seine Huldigung darzubringen; aber immerhin ist das Leben nicht ganz verfehlt, er hat doch wenigstens gezeigt, daß er seine Aufgabe richtig erfaßt und sie in einem Theile seines Lebens, wenn auch erst im allerletzten Abschnitt, durchgesührt hat. Wenn man den rechten Blick für das Wahre sich nur einmal gerettet hat aus dem oft so verschleierten, trüben Horizont, so kann das uns retten, uns erheben. niDVW DN 1BQ ropIT DN nDTlD VH itfiG pyo qki nnnc? in. „Wenn die Beeren (am Myrthenzweige) zahlreicher sind, als die Blätter, sind sie grün, dann ist die Myrthe *nw; sind sie aber roth oder schwarz, so ist die Myrthe?p&, entfernt man sie, so ist sie ebenfalls -itso." Die Früchte der Myrthe sind ungenießbar für uns Menschen, daher werthlos, und sie dürfen die Blätter nicht beeinträchtigen. Haben sie aber dieselbe grüne Farbe, wie die Blätter, so daß sie gleichsam aufgehen in dem Grün der Blätter, so ist die Myrthe isso, nicht aber, wenn die Beeren roth oder schwarz sind; man könnte sonst meinen, die rothen oder schwarzen Früchte gehören mit dazu, bildeten einen wesentlichen Theil, den Schmuck des Myrthenzweiges. Wenn dieser Dreiklang im Menschen, Gedanke, Wort und That, in edelster Weise zum Ausdruck kommt und das Spiegelbild des echten Menschen zeigt, so ist das eben die Frucht, die edelste und schönste Frucht des Menschenlebens. Und die Myrthe mit ihren drei zusammenstehenden Blättern ist ja das Symbol hiefür. Was sonst noch am Myrthenzweige wächst, die aus der Blüthe entstehende Frucht, der Samen für neue Myrthenzweige, es stört nicht, wenn die Farbe mit der des Blattes übereinstimmt, sich mit derselben deckt. Aber hervorleuchtende Farben stören, weil sie irre führen, eine falsche Ansicht erwecken könnten. Mancher Mensch hat oft recht glänzende Eigenschaften, herrliche Talente, die aber das Wesen des Menschen nicht fördern und heben, nichts dazu beitragen, ihn in seiner Menschenaufgabe weiter zu bringen, im Gegentheil, ihn ablenken von seinem Ziele. Die Menschen- und Verufspsticht verbieten ihm seine glänzende Eigenschaft, sein Talent, die ihn nach einer ganz anderen Richtung hin ziehen würden, weiter glänzen zu lassen; die glänzend rothe oder schwarze Beere, die keinen Werth hat, muß entfernt werden. rbyvb 'jn rfcyro nnjJD m nnea yhy wvn ds new mn Nipj ^n nny m ps nno „Wenn zwei Blätter sich genau gegenüberstehen, aber das dritte Blatt steht höher, das nennt man eine Thoren- Myrthe." Denken wir uns einen Menschen, der einen edlen Gedanken gefaßt, denselben öffentlich ausspricht und der Welt bekannt macht, aber er handelt nicht entsprechend, er stört durch sein Thun, macht kein abge schlossene s Bild daraus, bricht selbst den Zusammenhang: das ist ein thörichter Mensch; es ist eine Verwirrung des Geistes, wenn man nicht edel handeln kann, wie man denkt und spricht. Das stört das Gesammtbild, der Eindruck fft schlimmer, als hätte er nie so schön gesprochen, nie so schöne Gedanken geäußert. Und wie viele solche Verkehrtheiten zeigen die Menschen. Sie denken ganz gut und richtig, sprechen gut und schön und handeln dem entgegengesetzt. Eine solche Myrthe spricht sehr eindringlich zu uns, die wir das Sukkothfeft feiern, seine Bedeutung kennen, aber es nicht über uns

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