Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1892)
- Date
- 1892-10-04
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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XXXin. Jahrgang. M 79 & Der Israelit. Ein Zentrat-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Dienstag, den 4. Oktober S6SS (1892). Wir geben heute eine Doppelnummer, da des hl. Sukkothfestes wegen die nächste Nummer, wiederum eine Doppelnummer, Montag, den 17. Oktober erscheint. AM- Neu eingetretene Abonnenten erhalten auf Verlangen die seither erschienenen Kapitel der Erzählung „F ü r st e n g u n st" in Buchform gratis und franko nachgeliefert. Expedition des „Israelit44. Leitender Artikel. Pie Wyrtye. Von Rabbiner Dr. Sänger. Von der Bedeutung der r^'v 'i haben wir in diesen Blättern schon des öftern geschrieben und aus den einzelnen Vorschriften dieselbe klarzulegen versucht. Die zwei Hauptarten, Esrog u. Ln low haben wir als Repräsentanten des menschlichen Herzens und Körpers gekennzeichnet. Und doch sind die zwei anderen Arten, Myrthe und Bachweide in ihrer Zusammenstellung von d’J’d 't nicht minder bedeutungsvoll. Von der Myrthe heißt es rray yv ppp, Zweig des nnp-Strauches sollt ihr nehmen. Nach der Überlieferung sollen es drei Zweige sein, an denen immer drei Blätter um den holzigen Stamm stehen, diesen wie ein Flechtwerk umgebend, so daß von dem holzigen Theil selbst wenig gesehen wird. Das Myrthenblatt ist die Hauptsache, und darum beziehen sich alle Vorschriften auf dasselbe. Die Myrthe wird mit dem Auge verglichen, weil das Myrthenblatt in seiner Form dem Schnitt des menschlichen Auges gleicht. Auch wird ihr Wohlgeruch gerühmt. Das sind scheinbar lauter Aeußerlichkeiten, die aber durch die Erläuterungen unserer Weisen recht bedeutungsvoll werden. Sie vergleichen das Esrog mit dem Herzen, dem Sitze der menschlichen Pläne; die B a ch w e i d e n mit den Lippen, die den Gedanken durch das Wort übertragen und offenbaren; das Lu low mit dem menschlichen Körper als dem Vollbringer des Gedachten und Gesprochenen; und die Myrthe mit dem Auge, als den Ursprung, den Urquell des entstehenden Gedankens. Das Auge ist ja der Vermittler aller Eindrücke. Alle Vorgänge der Außenwelt spiegeln sich im Auge ab und dieses überträgt das empfangene Bild unserem Innern. Und wiederum spiegelt es auch die innersten Empfindungen, die unser Herz bewegenden Gefühle, unfern Geist beschäftigenden Gedanken auf die Außenwelt, läßt uns oft tief hineinblicken in die verborgenste, scheinbar fest verschlossene Herzenskammer. Wenn es wahr ist, was Rabbi Elieser sagt, daß der beste Weg im Leben, den der Mensch fest einhalten soll, ein riwv pp ist, so meint er sicherlich damit, daß wir von unserem Auge den besten Gebrauch machen, immer nur das Beste sehen sollen, was hier auf Erden erstrebenswerth ist. Den Blick für das Schöne, Gute und Ideale sollen wir uns stets offen halten, dann werden wir auch nur an das Schöne und Gute denken, nur vom Schönen und Guten sprechen und schließlich es erstreben und üben. Wie herzerquickend ist für uns der unschuldige, offene Blick des Kinderauges, das nicht von Hintergedanken getrübt ist, das noch nichts verbergen will, das uns klar, wie ein helles Wasser bis auf den Grund blicken läßt! Und wie anziehend, herzbezwingend ist der klare, offene Blick des Mannes, wie weckt er das Vertrauen, die Zuneigung, weil wir in ihm den Spiegel einer reinen, edlen Seele erkennen! Wie die Myrthe, das Symbol der Unschuld und durch ihren milden Duft erquickt, so auch das unschuldige, milde Auge des Menschen. Und nun werden wir verstehen, warum die Vorschriften über die Myrthe sich nur auf das Blatt und nicht auf den Zweig erstrecken. Hören wir die eigentümlichen Vorschriften. - Während das Lulow ^>idd ist, wenn nup: „die Spitze geknickt" ist, und auch das Esrog, wenn seine oberste Krone, der diö'd abgebrochen ist, so steht bei der Myrthe ntco ibw Dtapj „ist die Spitze geknickt, so ist der Myrthenzweig doch brauchbar."