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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 25)
Language
German
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1507 Nacht umfangen ist, das Unglück zu besiegen, auS den tiefsten Niederungen des Elends sich emporzuschwingeu vermag zum wahren, unverlierbaren Glück durch den Glauben an das Göttliche, durch die Entsagung und durch die Arbeit! (Beifall.) In dieser Stunde, die wir der ernsten Betrachtung eines traurigen, menschlichen Schicksals weihen und dem Emporblicke zur göttlichen Vorsehung, die auch diesem Schicksal einen höheren Zweck gegeben, steht die Jdealgeftalt des Blinden vor uns, und wir hören, wie er, zur ganzen Menschheit gewendet, spricht: Ihr, die ihr im Lichte wandelt, sehet auf mich, dem das Auge verschlossen ist, lernet, wie der Mensch den Glauben an den Unsichtbaren aus tiefer Umnachtung zu gewinnen vermag, wie dieser Glaube den Bann der Sinne überwindet, und das Anschauen des Göttlichen, des Ewigen gewährt, vor dem der Glanz der Erde zurücktritt als ein wesenloses Nichts. Lernet von mir das Entsagen, und wie man aus der Entsagung ein Glück gewinnt, das gegen die Wechsclfällc des Lebens gesichert ist, weil der trügerische Schein keinen Antheil daran hat, weil es aufgerichtet ist aus den wahren Werthen dieses Lebens. Nicht der Besitz, der sich endlos mehrt, bewahrt den Menschen vor dem Unglück, die Entsagung ist es, die mächtiger ist, als jeder Verlust! Lernet von mir, welch ein Segen in der Arbeit ruht, die nicht allein dem Erwerbe dient, welche den Zweck hat, den Adel des Menschenthums zu bethätigen, mitzuwirken an den großen Aufgaben des Menschengeschlechtes, das nach der höchsten Vollendung ringt! Der Segen der Arbeit hat meinem verlorenen Leben Inhalt und Werth verliehen, hat mein Unglück in Glück gewandelt! Ja, der Blinde vermag der Lehrer des Menschengeschlechtes zu werden, und sein Beispiel ist im Stande, große erziehliche Wirkungen ausznüben, insbesondere in unserer von Haß zerissenen, den Niederungen des Lebens zugewendeten Zeit! — So innig ich, der ich mein Leben den Blinden gewidmet habe, von der Ueberzeugung durchdrungen bin, daß diese erhabene Mission des Blinden erfüllt werden kann, dereinst erfüllt werden wird, so muß ich doch mit tiefem Bedauern constatiren, daß diese Zeit der Erfüllung noch nicht gekommen ist. Der Blinde steht nicht in, er steht noch immer einsam außerhab der Gesellschaft, er ist als ein gleichwcrthiges Mitglied derselben noch nicht anerkannt. Sein Anblick thut weh, er mahnt an das Schicksal, und wenn man ihm begegnet, so reicht man ihm gewöhnlich die Almosenhand, oft reich gefüllt, die Bruderhand wird ihm selten gereicht. Der Blinde hat das Bürgerrecht in der Gesellschaft noch nicht erlangt, und er ist dessen werth; das Bild, welches ich Ihnen, wohl mit überströmcndem Gefühl, aber treu und wahr gezeichnet, zeigt Ihnen denselben als einen Menschen höherer Art, den die rechte Bildung zu einem geweihten Leben befähigt. Er vermag sich — wie wiederholt dargelegt wurde — zu den Höhen einer idealen Welt zu erheben, und Gott zu schauen. Er liebt Gott als Gott der Barmherzigkeit und der Gnade, er liebt die Menschen; aber wenn die Welt ihm Arbeit versagt und nur eine Gabe des Mitleids gewährt, dann stürzt er aus jener Höhe hernieder und fragt trauernd: Warum erlaubt man mir nicht, ein Mensch unter Menschen zu sein? Von frühester Kindheit übt er sich in Entsagung, eines aber ist es, dem er nicht entsagen will, nicht entsagen kann, der Achtung vor seiner Menschenwürde, der Anerkennung seines redlichen Strebens, seiner Leistungsfähigkeit. Gott hat dem Blinden wunderbare Gaben verliehen, die ihn glücklich zu machen vermögen, und wie unglücklich können ihn die Menschen machen durch Gleichgiltigkeit und durch ihr flüchtiges Mitleid! Wenn es mir gelungen ist, Ihren Antheil zu erwecken für die heilige Sache, der ich diene, so erfüllen Sie mir eine Bitte! Er sei jeder von Ihnen ein Sendbote, der es weithin verkündet, daß der Blinde zu einem nützlich wirkenden Gliede der Gesellschaft herangebildet werden kann, dessen Lebensglück auf die Anerkennung seines Menschenthums, auf die Bethätigung seiner Wirkungsfähigkeit begründet ist. Und wenn Ihnen ein Blinder auf dem Lebenswege begegnet, heißen Sie ihn Bruder, Schwester, nehmen Sie sich seiner brüderlich, schwesterlich an, und der Gott, der unser aller Vater ist, wird Sie dafür segnen! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Mus JSfalrf uni» JTmtfr. Eisenach. Zu der am 5. und 6. Juni dahier stattgefundenen Konferenz des „Vereins israelitischer Lehrer Mit!eldeutschlands" hatten sich eingefunden : Herr Landrabbiner Dr. Salze r-Lengsfeld, Dr. D e s s a u e r-Meintngen und 17 Lehrer. Im Geschäftsbericht theilte der Vorsitzende mit, daß der bisherige 1. Vorsitzende Herr Fackenh e i m-Mühlhausen aus Rücksicht auf seinen Gesundheitszustand den Vorsitz niedergelegt hat und aus demselben Grunde der Konferenz nicht beiwohnen könne. Herr Hei dungs fcld-Eisenach hielt nun einen Vortrag: „Moses, ein Charakterbild", in dem der Referent den großen, bescheidenen und geduldigen Führer und Lehrer Israels allen denen als uachahmungswürdigstes Beispiel empfahl, welche berufen sind, Israel zu leiten und zu belehren. Für den mit vielem Fleiße gearbeiteten und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag sprach der Vorsitzende dem Referenten den Dank der Konferenz aus. Nach einer Pause hielt Herr Baumgart- Lengsfeld mit der Unterstufe der Eisenacher Religionsschule eine Lektion über „Lots Trennung von Abr aham." Die Leklion selbst bestand aus fünf Theilen. 3,. Vorbereitun g: Abraham und Lot als Herdenbesitzer, Weide-, Hirten und Herden-, Zelte und Zeltenbewohner.

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