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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1492 eine geringere Beleidigung als die an den Juden selbst verübt. Und der Vergleich mit den geschossenen Thieren während und außerhalb der gesetzlichen Schonzeit! In ihrem Eifer hat die „Thierbörse" ganz vergessen, daß, wer gegen das Schächten eifert, den Gedanken an die Jagd gar nicht streifen darf, ohne sich lächerlich zu machen. Sollen die zum Vergnügen und Sport gehetzten und gejagten Thtere, die angeschossen oft Tage lang verkrüppelt noch umher lausen, auch vorher betäubt werden? Einer der eifrigsten Kreuzritter gegen das Schächten der Hofthierarzt Sondermann schreibt über die Jagd im X—XII Jahresbericht des Münchner Thterschutz-Vereins: „Ein heikles Kapitel. Man kann ein vortrefflicher Jägersmann sein und sich doch, wenn auch nicht absichtlich gegen die Gesetze der Humanität verfehlen. Wirvermeiden absichtlich näher hierauf ein zu gehen" rc. rc. Dazu bemerkt D r. E h r m a n n in seiner Schrift: Thierschutz und Menschentrutz:" Diese Absichtlichkeit, die gegen das Schächten nicht laut genug Pollern und gegen die rohe Jagdlust nicht leise genug schweigen kann, zeigt die ganze moralische Macht dieser Herren in Ihrer vollen Glorie. Wenn erst die Herren Nimrode schächten und die Juden schießen werden, wird auch das Schächten ein heikliges Kapitel werden." Berlin, 22. Sept. Der „deutsche Antisemitenbund" hat unter dem Titel: „Der Werth des jüdischen Eides" ein Flugblatt veröffentlicht, in welchem auf Grund einer gefälschten Uebersetzung des von den Juden am Vorabend des Versöhnungsfestes gesprochenen Gebetes Kol Nidre nachgewiesen werden soll, daß die Juden Eide nicht für bindend erachten. In der Uebersetzung sind die Worte: Gelöbnisse u. s. w. „durch welche wir uns auf unsere eigene Person verschworen haben," ausgelassen und dadurch wird der Anschein erweckt, als ob es sich um Eide, die man dritten Personen oder vor der Obrigkeit abgelegt, handele, während nur Gelübde gemeint sind, die man sich selbst abgelegt hat. Selbst einer der grimmigsten Feinde der Juden, Eisenmenger hat das anerkannt. Posen, 14. Setpember. Wie der „Dziennik Poznanski" mittheilt, sind zehn russische Juden, welche am 20. d. Mts. auf der Rückkehr von Argentinien in Posen eingetroffen, um hier das Neujahrsfest zuzubringen, von der Polizei auf dem Bahnhofe angehalten worden. Die PolizeiDirektion hat sofort das Posener jüdische Unterstützungs-Komite hiervon in Kenntniß gesetzt, welches die Ankömmlinge mit Nahrungsmitteln und mit Fahrkarten nach Breslau versehen hat. Bremerhaven, 27. Sept. Aus Amerika zurückkehrende russische und russischjüdische Auswanderer werden laut Verfügung der Hannoverschen Eifenbahndirektion abgewiesen, da Rußland die Aufnahme derselben verweigert. Borken i. W-, 20. Sept. Coesfeld, eine Stadt mit 5000 Einw. und ca. 20 jüd. Familien, war früher der Sitz frommer und gelehrter Juden, Vor ca. 18 Jahren baute man ein neues Gotteshaus; nachdem jedoch vor Kurzem eine Familie von dort fortzog, deren Oberhaupt eine Stütze der Gemeinde war, mußte der Lehrer und Vorbeter sein Amt niederlegen, weil die Gemeindemitglieder dahin einig geworden, das „hohe" Gehalt nicht mehr zahlen zu wollen, wiewohl sie es leicht konnten. Der Lehrer aber blieb am Platze und hat eine Stelle als Buchhalter in einem christl. Fabrikgeschäft angenommen. Da nun die Gemeinde den Gottesdienst noch nicht ganz entbehren zu können glaubte, so wurde bewirkt, daß der Exlehrer die Erlaubniß erhielt, an Sabbatu. Festtagen so lang vom Contor fortzubleiben, als seine Anwesenheit in der Synagoge als Vorbeter es erfordert! — Denl Exlehrer wird hierfür eine Gratificatkon gezahlt und die Gemeinde fühlte sich „behaglich", ihrer schweren Opfer enthoben zu sein. Weiterer Commentar unnöthtg. O e ft e r r. - U n g a r. Monarchie. Galgocz, 11. Sept. (Tempeleknwcihung.) Die Einweihung der restaurirten Synagoge der hiesigen isr. Kultusgemeinde fand heute Nachmittags in feierlicher Weise statt. Nach einem einleitenden Choralgesang und der in ungarischer Sprache gehaltenen patriotischen Begrüßungsrede durch den Gemeindekassier Bernhard Deutsch wurde mit der Ceremouie des Oeffuens der Tempelthür Herr Daniel Eisler betraut, welcher, wie er in seiner einfachen, aber rührenden Ansprache hervorhob, vor 65 Jahren als 7jähriger Knabe auch der ersten feierlichen Einweihung anwohnte. Nach einmaligem Umzuge mit den Thorarollen hielt Herr Oberrabbiner Josef Rosenfeld die Festrede in ungarischer und deutscher Sprache, welche große Wirkung machte. Mit gespannter Aufmerksamkeit wurde auch die Verlesung der Namen der Spender angehört, welchen hier auch bei diesem feierlichen Akte öffentlich Dank gespendet wurde. Die Synagoge ist jetzt unstreitig das monumentalste und prachtvollste Gebäude der Stadt, welcher es durch seine ftylvolle Front zur Zierde gereicht. In der Tempelvorhalle verzeichnet eine Marmortafel den Dank der Kultusgemetnde an die Brüder Wallach aus New-Aork für munifizente Spende. Rußland. Warschau, 20. September. Für die Frage, in welchem Maße Rußland sich selbst schädigt dadurch, daß es die Juden und namentlich die jüdischen Kaufleute aus dem Kreise ihrer bisherigen Thätigkeit herausreißt, ist

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