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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1493 mittheilenswerth, was der österreichische Generalkonsul in Warschau in feinem jüngsten Bericht über die schwierige Lage der Industrie in Russisch-Polen sagt. Nach Aufzählung anderer ungünstiger Einflüsse fährt der Generalkonsul fort: „Dazu kam, daß der Absatz der polnischen Waare auch durch die Ausweisung der Juden aus Centralrußland beeinträchtigt wurde, indem der Jude, dieses wichtige Bindeglied zwischen Produzenten und Konsumenten, der unentbehrliche Vermittler bei jedem Handelsgeschäfte in Rußland, plötzlich fehlte, ohne daß ein Ersatz dafür zu finden wäre. In erster Linie wurden durch diese Maßregel allerdings die Moskauer Industriellen selbst getroffen, die jetzt in direkten Verkehr mit den Abnehmern treten mußten. Da aber die großen Moskauer Manufakturen zu diesem Behufe in Warschau allein 12—15 Engroslager neu errichteten, ward auch den Polen der Absatz erschwert u. s. w." Auch für die schlimme Lage der Landwirthschaft in Polen ist es von schwerwiegendem Einfluß, daß „die jüdischen Gutsbesitzer eher zum Losschlagen als zum Erwerben von Gütern geneigt sind". Verdenken kann man's ihnen wahrlich nicht. England. E. T. London, 25. September. Vergangenen Sonntag wurde eine neue Synagoge in East-End von London, die sogenannte Hampstead-Synagoge, eingeweiht. Den feierlichen Akt vollzog der Oberrabbiner Dr. Adler, asststirt von Rabbiner A. A. Green. Die Synagoge ist im romanischen Style erbaut und umfaßt 357 Parterre-- und 299 Galleriesitze. Nachstehender betrübender Fall ist dahier vorgekommen: Ein Jude, hier in London lebend, verließ seine Frau, und bürdete ihr den Unterhalt zweier Kinder — Knaben im zarten Alter — auf. Durch Zufall traf sie später ihren Mann auf der Straße und bat ihn um Unterstützung in ihrer hilflosen Lage. Der Mann nahm ihr wirklich beide Kinder ab; nicht lange darauf erfuhr die Mutter, daß eines ihrer Kinder in einem Londoner Convertitenhause untergebracht ist. Die Bitte, ihr Kind zu sehen, wurde ihr verweigert; sie muß sich daher mit dem Gedanken vertraut machen, daß ihr Kind in einem fremden Glauben erzogen werden wird, da nach englischem Gesetze der Vater allein über Wohl und Wehe seiner Kinder zu entscheiden hat. Der von Prag aus gerichtlich verfolgte Schwindler Pollak, vor dem auch in Ihrem Blatte — ich glaube von Nürnberg aus — gewarnt wurde, ist von seiner kontinentalen „Ferienreise" nach hier zurückgekehrt und „widmet" sich dem Vertriebe von alten Büchern. vermischtes. Mönche». Dem Kaufmann Albert Rindskopf, welcher am 11. Mai 1892 den 12jährigen Kolporteurssohn Sebastian Dienstbier, der nächst der Fraunhoferbrücke dahier von einem Flosse abgeglitten und in das Wasser gefallen war, durch rechtzeitiges, entschloffenes Eingreifen vom Tode des Ertrinkens gerettet hat, wurde für diese menschenfreundliche Handlungsweise die öffentliche Anerkennung der Regierung von Oberbayern ausgesprochen. In Höchberg bei Würzburg hat eine wohlthätige 79jährige Dame, Fräulein Amalie Falk, der dortigen israelitischen Präparandenschule ein Kapital von 75,000 Mark vermacht. Der aus dem Bufchhofffchen Prozeß bekannte und seiner Zeit verschwundene Dr. Junkermann aus Kirchberg „Mein Sohn der Mediziner", ist nach der letzten Nummer der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" von Kirchberg nach seiner Vaterstadt Lauten verzogen. In Prag wurde am 11. d. Mts. die Synagoge am Petersplatze durch Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld neu eingeweiht. DaS Prager Comite für Ferienkolonien hat in diesem Jahre 128 Kinder, davon 113 ganz unentgeltlich, in die Sommerfrische geschickt. Der Bischof von Digne hat den Geistlichen feines Bezirkes die Lektüre der „lübre parole“ und der „AutoritG“ untersagt. Brüssel, 6. September. Die königliche Akademie der Wissenschaften Belgiens hat die Preisaufgabe bekannt gegeben: 2750 Francs für die beste Lösung der Frage: „Eine kritische Studie über die öffentlichen und privaten Beziehungen, welche zwischen den Römern und Juden bis zur Einnahme Jerusalems durch Titus bestanden haben." Graz. Am 15. September fand die Einweihung der hiesigen neuen Synagoge statt. London, 9. September. Herr Alexander Ascher ist zum General-Anwalt (Solieitor general) für Schottland im Ministerium Gladstone ernannt worden. Paris, 13. September. Bei der Abgeordnetenwahl zu Tournon, wo der gemäßigte Republikaner gewählt wurde, erhielt von 14,516 abgegebenen Stimmen der antisemitische Candidat drei Stimmen. Santtrr, 12. September. Vor einigen Wochen ist Hierselbst für die israelitischen Schüler der Landwirthschasts-Schule ein Jugend-Gottesdienst errichtet worden. Etwa eine Stunde vor Schulbeginn versammeln sich die Schüler am Sabbat-Morgen in der Gemeinde-Synagoge, woselbst einer aus ihrer Mitte das Vorbeteramt versieht, während der Gemeinde-Rabbiner die religiösen Vorträge hält. Hoffentlich wird angesichts unserer modernen Schulverhältnifse das Bedürfniß dieser Institution seitens der Eltern allgemein anerkannt und dauernd gewürdigt werden. Telegr. des Depeschen-Bnrea« „Herold." Wien. Die „Neue Freie Presse" nennt den Prager Kanonicus Prof. Rohling einen Lügner, weil derselbe bestritt, einen Brief geschrieben zu haben, in welchem er den Xantener Prozeß eine Juden-Comödie und die dortigen Geschworenen superlative Esel bezeichnet habe. Das genannte Blatt erklärt, den Originalbrief adresstrt an den Herrn Hummelshetm, Zeitungs-Correfpondent, Kreuzgaffe 10 in Köln, zu besitzen. Auflösung des Räthsels in Nr. 75 n. 76. rrrnn jnra .18 nn jrmpw to "nn*a„ m Richtige Lösungen sandten ein: S. M. Bachrach in Elmshorn und Jsaac Rosenthal in Wronke.

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