Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 78 (29.9.1892)
- Date
- 1892-09-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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mich dazu, so lange als möglich nichts zu unternehmen, was meine schönsten Träume zerstören könnte. Vor einigen Wochen fuhr meine Mutter, wie dies in der Regel geschah, von mir begleitet, nach Schön- Hof. Sie wa ungewöhnlich ernst, ich in Träumen versunken, so daß wir längere Zeit schweigend im Wagen nebeneinandersaßen, endlich begann meine Mutter. . . Markbreiter unterbrach sich. „Ich mißbrauche Ihre Güte und Geduld in unverantwortlichster Weise, ich verfalle von Neuem in den Fehler ungebührlicher Weitschweifigkeit — ich will mich von jetzt ab nur auf das Hauptsächlichste beschränken." „Ich bitte dies nicht zu thun. Sie wünschen ja meine Ansicht und meinen Rath zu hören, ich werde mir jene richtiger bilden, diesen besser crtheilen können, wenn Sie mir Ihrer weisen Mutter Worte unverkürzt mitthetlen." „Ich habe mir jedes derselben eingeprägt und vermag sie unverändert anzuführen. Meine Mutter begann völlig unvermittelt: „Mein lieber Sohn, Du hättest mir gewiß schon gestanden, daß Du Eva liebst; aber Du bist in Ungewißheit darüber, ob Deine Neigung erwiedert wird, wohl auch darüber, ob es denkbar sei, daß Du an das Ziel Deiner Wünsche gelangst. Dieselben Gründe haben es auch verschuldet, daß ich noch nicht mit Deinem Vater über Deine Neigung zu Eva gesprochen. Er liebt Dich so endlos und möchte alles Glück für Dich erraffen und wünscht daher auch Deine zukünftige Gattin möge das vollkommenste Wesen sein. Er wünscht, nicht aus Geldgier, Du kennst ihn ja fast so gut, als ich selbst, nur aus Vaterstolz — ein reiches Mädchen für Dich, noch mehr aber steht er darauf, daß seine zukünftigeSchwiegertochter einer berühmtenGelehrten- oder Stadlonimfamilie entstamme; allein er liebt Dich so sehr, so mit völligem Unterordnen seiner eigenen Wünsche, daß, wenn es Dein wahres Glück gilt, er — so schwer es ihm auch fiele — von diesen beiden Anforderungen Abstand nehmen würde. An was er aber mit unerschütterlicher Festigkeit festhalten wird, und worin auch ich ihm vollkommen beipflichte, das ist die Forderung: daß an der Schwiegertochter, die Du uns zuführst, auch nicht der leiseste Schein eines Makels hafte. Das lieber Sohn, das müssen wir um De inet- und um unserer willen fordern." (Fortsetzung folgt.) Den i\nfUVmiten in*» iUlntm. Sie haben unsre Schlachten mitgeschlagen, Sie haben unsre Siege miterrungen, Und dennoch schmäht ihr sie mit Lästerzungen; Weßhalb? — Weil sie den Namen Juden tragen. Sie haben mktgeweint bei unfern Klagen, Sie haben laut ihr Freudenlied gesungen, Als wir errungen Ruhm und Huldigungen; Deutsch wie ihr Wort, war ihres Herzens Schlagen. Und nun, da Deutschland groß und neu geeinigt, Ist Euer Dank und Euer christlich Lieben. Daß laut Ihr ruft: „Die Juden kreuzigt, steinigt." Ein Brandmal habt in eitler Sinnumnachtung Ihr auf die Heuchlerstirn Euch selbst geschrieben; Rur ein Gefühl bleibt mir für Euch: Verachtung! Günther Walling, „Bon Lenz zu Herbst." Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Len Buchhandel zu beziehen bei E. $. Steinacker, Leipzig. Doßplatz 1«. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzufenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingcsandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Das Gebet Salomos. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Leipzig.— Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Prag. Görz. — Türkei: Konstantinovel. — Italien: Livorno. — Amerika: Buenos Aires. — Vermischtes. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser v. „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Posen. Bremerhaven. Borken i. W. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Galgocz. — Rußland: Warschau. — England: London. — Vermischtes. — Telegramm : Wien. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Schist'erstadt. Hirschberg. Schokken. — England: London. — Rußland: Petersburg. — Vermischtes. Pädagogische Beilage. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckeret-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.