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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vermischtes. Bensheim, 16. September. Gestern Nachmittag fand dahier die Einweihung der im maurischen Style neuerbauten, prächtigen, auf einer Anhöhe im Schönbergerthale gelegenen Synagoge statt. Die Hauptstraßen der Stadt hatten reichen Farbenschmuck angelegt. Die Aufstellung des Festzuges auf der Schönbergerstraße erfolgte um 2'/» Uhr. Derselbe setzte sich zusammen aus einem Musikkorps, dem Synagogenchor, den Festjungfrauen und der Schlüsselträgerin, dem Rabbiner und Thoraträgern mit dem Baldachin, dem Vorstand der israelitischen Gemeinde, Behörden und dem ganzen Stadtvorstand, Baumeister nnd Bauleute, sowie einer großen Anzahl sonstiger von allen Seiten herbeigeeilter Festtheilnehmer. Unter den Klängen der Musikkapelle „Die Hinimel erzählen des Ewigen Ehre" bewegte sich der Feftzug nach der neuen Synagoge, woselbst bei der Ankunft vor dem Portal, nach einer Ansprache des 1. Vorstandes die Ueberreichung des Schlüssels und der Einzug in die festlich geschmückte Synagoge stattfand. Dieselbe war bald von israelitischen wie auch einer großen Anzahl christlicher Zuhörer bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach einem, unter Leitung des Kammermusikers Kugler von Darmstadt, gut eingeschulten Chorgesang der israelitischen Gemeinde Bensheim fand das Anzünden des ewigen Lichtes und nach einem weiteren Chorgesang der Umzug mit den Thora-Rollen bei ensprechendem Chorgesang statt. In andachtvollster Weise wurde der Segen für den Landesvater gesprochen, worauf das Einsetzen der Thora-Rollen in das Allerheiligste stattfand. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Marx von Darmstadt, zunächst allen denen, die an diesem Bau mitgewirkt haben, Dank abstattend, die Festpredigt, welcher die Worte der Schrift: „Es ist mein Haus! Es ist ein Bethaus!" „Es ist ein Haus für Alle!" zu Grunde gelegt waren. Ganz besonders erwähnte Redner: „Es freue ihn sehr, neben israelitischen auch andere Gmeindeglieder als Festtheilnehmer begrüßen zu dürfen, welches ein deutliches Zeugnis von wahrer Brüderlichkeit bekunde. Diese treffliche Rede währte fast 1V- Stunde, worauf die Einweihung der Synagoge durch den vorerwähnten Rabbiner vollzogen wurde. Nach einem Gebet und Chorgesang fand der Schluß der offiziellen Feier statt. Ein Festessen in dem Hotel „zum deutschen Haus", sowie ein Festbanket daselbst am Abend, beschloß diese trefflich gelungene Feier für diesen Tag. Nürnberg, 13. September. Die Polizei verbot die Placatirung und Vertheilung von Ankündigungen antisemitischer Schriften in den Straßen. Nürnberg, 6. September. Herr Dr. L. Frankel ist zum Direktorial-Assistenten am Germanischen National- Mnseum ernannt worden. Bern, 8. September. Herr Privatdocent Dr. Edm. Lesser in Leipzig ist zum Professor und Direktor der Klinik für Hautkrankheiten an der hiesigen Universität ernannt worden. Berlin. (Hoffmann v.Fallersleben und die Antisemiten.) In letzter Zeit ist wieder vielfach die Frage aufgetaucht, ob Hoffmann von Fallersleben, dessen Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" die Antisemiten für sich mit Beschlag belegt haben, zu diesen zu rechnen sei. 9hm, dem ist nicht so; wie z. B. verschiedene dem „Berl. Tgbl." zugegangene Zuschriften beweisen: Ein früherer Schüler der Samsonschule in Wolfenbüttel erzählt folgendes charakteristische Erlebniß: „Wir wurden bei dem in Wolfenbüttel alljährlich stattfindenden Schützenfeste von unserem Hausvater auf den Festplatz hinausgeführt. Bei dieser Gelegenheit trafen wir Hoffmann von Fallersleben daselbst an. Der Hausvater, über diese Begegnung freudig bewegt, ließ uns israelitische Knaben das Hoffmannsche Lied „Deutschland, Deutschland über Alles" anstimmen. Der Dichter nahm mich, den kleinsten der Knaben, auf den Schooß und ließ mich das Lied noch einmal solo singen. Darauf sagte er, er freue sich über den Eifer, den er bei den Juden fände, deutsches Lied und deutsche Sitte hoch zu halten." — Ein angesehener Schulmann und Gelehrter, welcher Anfang der siebziger Jahre viel mit Hoffmann von Fallersleben verkehrte, also gerade die Anschauungen kannte, zu denen der Dichter von „Deutschland, Deutschland über Alles" auf Grund der Erfahrungen eines langen Lebens gekommen war, schreibt uns: „Hoffmann von Fallersleben war, wenn wir politische Themata berührten, offen genug, seine freisinnigen Ansichten auch in religiösen Dingen nie zu verleugnen. Wer ihn für die Antisemiten in Anspruch nimmt, zeigt, daß er Hoffmanns Leben, Denkweise und Charakter nicht kennt. Von einer Feindschaft Hoffmanns gegen die Juden, auch nur von einem Vorurtheil gegen sie, habe ich nie eine Spur an ihm gefunden!" Fenilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (20. Fortsetzung.) „Die hohe Bildung der Frauen, die sich in ihrem ganzen Behüben deutlich kundgab, der Adel ihres Wesens, ihre Bescheidenheit, die stille Resignation, mit der sie ihr unerhört hartes Schicksal trugen, das unerschütterliche Gottvertrauen des Mädchens, die hohe Verehrung, welche sie ihrer Mutter, und die heiße Liebe, die grenzenlose Zärtlichkeit, welche diese für jene bewies, die bezaubernde Anmuth des Mädchens, ihre seltene Schönheit, die selbst auf eine Frau eine fast zauberhafte Gewalt ausübte, zogen meine Mutter mächtig an; aber anderseits mußte der gänzliche Mangel an Vertrauen sie verletzen. Der Ruf meiner Mutter und ihre herzgewinnende Persönlichkeit boten doch die höchsten Garantien, daß sich ihr jedermann unbedenklich anvertrauen dürfte! — Allein meine Mutter ist weichen Gemüthes und hohen Sinnes und hält sich an den erhabenen Spruch unserer Weisen. Hawe donn es

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