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Der Israelit · 1892-09-29 · Heft 78 (29.9.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 78 (29.9.1892)
Date
1892-09-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1487 Bruder der Königin-Regentin von Spanien, zwei Tage im Hause eines Juden gewohnt hat. Interessanter dürfte noch sein zu vernehmen, daß dieser erlauchte Prinz, der ungeachtet seiner hohen militärischen Stellung noch Großmeister-Stellvertreter des Deutschen Ritterordens ist, auch ein Freund und Kenner unserer Synagogengesänge ist. Der Prinz ist nämlich auch ein ausgezeichneter Sänger, und als er nun vor einigen Jahren in Pardubitz in Garnison lag, ließ er den dortigen jüdischen Cantor Bader zu sich kommen, der ihn dann mit unseren schönen Synagogengesängen, als: D'mtPD w 2C. vertraut machen mußte. Der Erzherzog war ganz entzückt von der Weihe und der Erhabenheit, die diesen Gesängen innewohnen. Görz. Unser verehrter Rabbiner Giacomo Bolaffio, ist vor wenigen Tagen von Rom, wohin er sich für einige Monate behufs Vollendung seiner talmudischen Studien begeben hatte, wieder hier eingetroffen und brachte er sich aus der ewigen Stadt den Titel eines Oberrabbtners (Rabbino Maggiore) mit. Am Sabbate vor seiner Abreise von Rom wurde er mit dem Titel eines 21 u-no zur Thora gerufen, und wurden dann auch nach dem Non jroD einige Psalmen vorgetragen und ein vidtb abgesungen. Der Oberrabbiner von Rom nahm dann die t rvQ’öD vor, während Rabbiner Leone Racah eine passende Ansprache hielt. Nun trat Rabbiner Bolaffio vor die heilige Bundeslade hin und sprach vor derselben ein kurzes Gebet. Nächster Tage wird Rabbiner Bolaffio hier in seiner neuen Würde als Oberrabbiner feierlich installtrt werden. Türkei. Koriftantirropel, Ende Sept. Die hier erscheinende „Osmanische Post", eine deutsche Zeitung, Organ der hier wohnenden römisch-katholischen Deutschen, verurtheilt in ihrer neuesten Nummer den in Deutschland grassirenden Antisemitismus in den schärfsten Ausdrücken. Sie schreibt u. A.: „Wenn es einer der Vorzüge des Deutschen ist, wahr und ehrlich zu sein, dann haben die Antisemiten wohl kaum etwas mit dem Deutschthum gemein, denn schon ihr Name ist eine Lüge und undeutsch. Sie behaupten gegen die semitische Rasse anzukämpfen, stehen aber nicht den Semiten, sondern den Juden feindlich gegenüber. „Wären die Antisemiten wenigstens ehrlich und aufrichtig, dann müßten sie sich einfach Judenfeinde nennen, denn das sind sie, und nicht Semitengegner. „Allerdings klingt aber der Ausdruck „Judenfeinde" so unendlich roh, daß selbst diese Herren ihn zu benützen sich scheuen. „Wenn wir gegen den Antisemitismus austreten, so geschieht es im Sinne der Verurtheilung, die derselbe von der höchsten autoritativen Stelle, vom Heiligen Vater selbst erfahren hat, der diese ganze Bewegung als unchristlich verwarf. „Wer aber, wie es die Antisemiten thun, den Juden wegen dessen Abstammung verdammt, wer behauptet, daß der Jude von Natur aus der Inbegriff des Schlechten sei, beleidigt die Mutter des Stffters unserer Religion, die Jüdin war, der beschimpft die Aposteln, die als Juden geboren und der Rasse nach aber immer Juden blieben. „Und darum haben wir Recht, wenn wir behaupten, daß Niemand Antisemit sein und auf den Ehrennamen eines Ehristen Anspruch machen kann." Italien. Livorno. Der jüdische Künstler Jona Rüben hier hat auf der Schale eines Straußeneies mit einem eisernen Griffel die Wappen von hundert italienischen Städten, dann das Wappen des Hauses Savoyen und den Stern von Italien eingravirt und dieses Ei unserem erlauchten Köuigspaare zum Geschenke gemacht. — Von dem rühmlichst bekannten jüdischen Gelehrten, Professor Frederico Console in Florenz, ist jetzt ein Werk über die Musik der alten Israeliten erschienen, zu dem Professor Eastellt eine Studie über die jüdischen Musiknoten (d'dvb) geschrieben hat. Das Weik hat in Italien, das doch die Heimath der Musik ist, eine recht günstige Aufnahme gefunden. Amerika. Buenos Aires, 29. August. Von Herrn Zahnarzt Eugen io Sonnenfeld erhielten wir ein längeres Schreiben, in dem wiederum die Leiden der russischen Colonisten in haarsträubender Weise geschildert werden. Ihre Lage habe sich seit der Ankunft des Obersten Goldsmid nicht nur nicht verbessert, sondern eher verschlimmert. Dieser Herr leihe nur den Administratoren sein Ohr, die Colonisten selbst höre er nicht an, weise sie im Gegentheil brüsk zurück, und so erfahre er nichts von den eigentlichen Wünschen und Bedürfnissen der Colonisten. Am 25. August hätten sich wieder 80 Familien auf dem Dampfer „Kronprinz" zur Rückreise nach Rußland eingeschifft. Indem wir Vorstehendes unter aller Reserve zum Abdruck bringen, möchten wir den Herrn Colonel Goldsmid, welchem der Ruf vorangeht, daß er ein warmes Herz für seine bedrückten Glaubensgenossen habe, bitten, zur Aufklärung der Sachlage einen offiziellen, unparteiischen Bericht zu veröffentlichen.

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