Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 78 (29.9.1892)
- Date
- 1892-09-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1486 Hamburg — gesammelt und nicht an eine Hetze gedacht. Grade den Standpunkt der Menschlichkeit, an welche man erst so spät dachte, welche unter dem Druck der Angst schmählich vergessen wurde, haben zuerst die „Nation" und das „Judenblatt" der „Berliner Börsen-Courier" eingenommen. Die betonten, daß zum Schimpfen später Zeit sei und Rettung und Hilfe die erste Nothwendigkeit sei. Ein so großes Unglück wie die Cholera soll nicht dazu angethan sein, Haß und Schadenfreude zu säen, nein, angesichts der Trauer zahlloser Menschen müßte man die Solidarität des Menschengeschlechtes betonen und fühlen, jene Solidarität, welche auf dem Boden reinster Menschlichkeit basirt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 24. September. Aus Szczakova werden die über Hamburg aus Amerika zurückkehrenden russischen Inden in plombirten Waggons nach Deutschland zurückgeschickt. Wien. Bon Herrn Professor Dr. Rohling erhielt die N. Fr. Pr. folgende Zuschrift: „Heute erst werde ich darauf aufmerksam gemacht, daß in der Nummer der „Neuen Fr. Pr." vom 15. September 1892 unter dem Schlagworte „Ein Brief Rohling's" ein Brief citirt wird, welchen ich unter dem 24. Juli l. I. an einen Herrn Hummels- Heim in Köln gerichtet haben soll. Auf Grund des §. 19 des Preßgesetzes ersuche ich, in der nächsterscheinenden Nummer Ihres Blattes folgende Berichtigung aufzunehmen: Ich habe an Herrn Hummelsheim nie einen Brief geschrieben, folglich stellt sich dieser Brief als eine Mystification heraus. Prag, den 17. September 1892. Professor Dr. Rohling." Nun finden wir aber in der Prager „Politik" eine Zuschrift desselben Herrn Professors Rohling, worin er zugesteht, daß er einen Brief des erwähnten Inhalts geschrieben habe und sich nur des Namens des Adressaten nicht mehr entsinne. Diese merkwürdige Zuschrift des Professors Rohling an das Prager Blatt lautet: „In der Abendnummer der „Politik" vom 16. d. fteht ein Brief, den ich angeblich an einen gewissen Hummelsheim geschrieben habe. Der Name Hummelsheim ist mir ganz unbekannt. Wohl entsinne ich mich bei weiterem Nachdenken, daß ich einen Brief des erwähnten Inhalt es auf Anfrage geschrieben habe. Aber ich war damals und mehrere Wochen später in so großem Gedränge, daß ich den Wortlaut des Briefes und den Namen des Adressaten nicht mehr angeden kann. Unbegreiflich ist mir speziell, daß ich als Klostervorstand in dem Briefe auftrete, da ich das ja nicht bin. Obendrein muß ich bemerken, daß der Fragesteller blos aus wissenschaftlichem Interesse ganz für seinen Privatgebrauch meine persönliche Ansicht erbat, nur, wie er schrieb, zu seiner persönlichen wissenschaftlichen Information, und deßhalb unbedingte Discretion zusicherte. Diese Zusicherung und Erklärung bewogen mich, ihm kurz und kernig bei der Eile, in der ich war, Antwort zu geben. Es ist daher ein großer Vertrauensbruch, ein für die Oeffentlichkeit gar nicht bestimmtes Schreiben dem Publikum zu übergeben, wie es seitens der „Neuen Freien Presse" geschehen ist. Ausdrücke, mit welchen man privatim briefliche oder mündliche Kritik übt, erlaubt man sich nicht in der Oeffentlichkeit. Nachdem ich bereits der „Neuen Freien Presse" mitgetheilt habe, daß ich, soweit es sich um einen Brief an Hummelsheim handelt, nur an eine Mystification glauben kann, bitte ich Sie er ebenst um die Güte, zur näheren Aufklärung des Falles das gegenwärtige Schreiben in der „Politik" bestens abzudrucken, damit man erkenne, daß ohne meine Schuld das geehrte Publikum durch Ausdrücke überrascht wurde, welche der europäischen Sitte nicht entsprechen. Genehmigen Sie, geehrte Redaction, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. Canonicus Professor Dr. Rohling." Aus dieser Zuschrift geht klar hervor, daß Professor Rohling in der That den erwähnten Brief geschrieben hat, in welchem der Clever Prozeß als eine „mit Judengeld aufgeführte Comödie" und die Geschwornen als „superlative Esel" bezeichnet werden. Das sind eben die Ausdrücke, von denen Professor Rohling selbst gesteht, daß sie „der europäischen Sitte nicht entsprechen". Es ist also ein starker Sophismus, wenn Professor Rohling in der Zuschrift erklärte, er habe an Herrn Hummelsheim nie einen Brief geschrieben, weil er den Namen des Adressaten angeblich vergessen hat, während er doch den Brief selbst, dessen Veröffentlichung ihm allerdings sehr unbequem sein mag, aguosciren muß. Wie kann er dann diesen Brief als eine „Mystification" bezeichnend Ebenso unberechtigt ist die Behauptung des Herrn Professors Rohling, daß die „Neue Freie Presse" durch Veröffentlichung des Schreibens einen Vertrauensbruch begangen habe. Das Blatt hat ausdrücklich bemerkt, daß man zuerst in Berliner politischen Kreisen zur Kenntniß dieses Schreibens gelangt ist, und wenn Professor Rohling sich über dessen Veröffentlichung beklagt, so möge er deßhalb mit dem Manne rechten, an den er ihn gerichtet hat. Die „Neue Freie Presse" hat doch keinen Grund, ein Schreiben als Privatgeheimniß zu betrachten, das in Berlin bereits in weiteren Kreisen bekannt ist. Prag, 18. September. In Nr. 73 des „Israelit" fand ich eine Correspondenz aus Wien, in der erzählt wird, daß Erzherzog Eugen, der