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Der Israelit · 1892-09-26 · Heft 77 (26.9.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 77 (26.9.1892)
Date
1892-09-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1472 „Preiset den Ewigen; denn er ist gütig und ewig währet seine Gnade." Sodann trat der Präsident der israelitischen Gemeinde, Herr Dreyfus-Neumann, in einer kurzen Ansprache auf die Entwickelung der Gemeinde ein und schilderte ihr Wachsthum während der letzten 4 Jahrzehnte. Dreimal sei es ihm, sagte er, vergönnt gewesen, in Basel eine neue Synagoge zu eröffnen. Im Jahre 1846 habe die israelitische Bevölkerung nur aus 11 Familien bestanden; erst der Abschluß des Niederlassungsvertrages mit Frankreich und die neue Bundesverfassung, die den Israeliten die Gleichberechtigung brachte, habe den Aufschwung der Gemeinde ermöglicht. Seinem Danke an Gott schloß Herr Drcyfus auch einige herzlich empfundene Dankesworte an die Regierung, an die Gemeinde und an alle Anwesenden an. Hierauf folgte der Gesang des Beethoven'schen Liedes „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" und sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Cohn die Festrede, welcher er die Worte zu Grunde legte: „Nahe ist Dir das Wort in Deinem Munde, in Deinem Herzen es auszuüben." Der Vortrag war eine tief durchdachte und beredte Vertheidigung des jüdischen Glaubens, der dem Volke durch die lange bange Leidenszeit des Mittelalters hindurch eine starke Stütze gewesen war. Mit sicherem Takt entledigte sich der Redner seiner schwierigen Ausgabe, ohne die religiöse Ueberzeugung der vielen christlichen Zuhörer auch nur im Geringsten zu verletzen. Er zeigte auf der einen Seite in schonender Art durch einige Hinweise auf die dunkelsten Blätter der Kulturgeschichte des Mittelalters, daß an manchem Vorwurf, der heute gegen die Juden erhoben wird, frühere Staats- und Rechtsinstitutionen die Schuld tragen; auf der andern Seite that er dar, daß das Christenthum seine wichtigsten Lehren, wie z. B. „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" und andere mit dem Judenthum theilt und daß dieses niemals den Anspruch erhoben hat, es allein mache selig. Der Rabbiner schloß mit einem Segenswunsch für unser engeres und weiteres Vaterland, für Regierung und Volk und für alle Anwesenden. Es ist wohl kein Theihnehmer von der Feier geschieden ohne die Ueberzeugung, daß die jüdische Religion ihre Ziele ebenso hoch sucht wie die christliche und daß es für gar manche Eiferer vor Allem nöthig wäre, erst die Lehre des Andern kennen zu lernen. Schließlich darf auch noch mit Anerkennung des Herrn Baupel gedacht werden, der den musikalischen Theil der Feier leitete, sowie der Leistungen des Männerchores. Am Bankett, das am Abend im Stadtkasino stattfand, nahmen über 200 Personen Theil. Es sprachen Hr. Architekt Reber, der ein Gedicht vortrug, Hr. Ober-Cantor Heymann aus Straßburg, der einen prachtvollen Solovortrag zum Besten gab. Herr Gemeindepräsident Dreyfuß-Neumann toasttrte auf die gemeinnützigen Institutionen der israelitischen Gemeinde, Hr. Rabbiner Dr. rCohn auf die IGemeinde selbst, Hr. B. Nordmann auf den Präsidenten, Hr» Dreyfuß-Brettauer auf die Damen und Hr. Drcyfus aus Hegenheim brachte die Grüße der Nachbargemetnden. England. London, 21. Sept. Dem „Daily Chronicle" wird aus Odessa gemeldet, daß die russische Regierung den Juden verboten hat, ihren Kindern christliche Vornamen zu geben, nur hebräische, also wohl alttestamentliche würden erlaubt. Amerika. Nerv-Uork, 24. September. In einer hiesigen Synagoge, tn welcher gegen 1000 Personen, meist Frauen, das jüdische Neujahr begingen, entstand durch Feuerlärm ein panischer Schrecken. Bei dem Gedränge an der Treppe wurden vier^Frauen getödtet und 12 schwer verletzt. > vermischtes. < Berlin, 15. Sept. Der Chefredakteur der „Krenzzeitung", Freiherr v. Hammerstein, ist heute wegen Beleidigung des' Licentiateu Gräbner, des Vorsitzenden des Vereins zur Bekämpfung des Antisemitismus, zu 100 Mk. Geldstrafe verurtheilt worden. Feuilleton. „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (19. Fortsetzung.) „Das Mädchen war trotz ihres Elendes, trotz der sie entstellenden und entformenden Kleidung von einer wunderbaren Schönheit. Herr Oberhoffaktor, ich weiß, vor wem ich stehe — vor dem Oberhirten der gesammten österreichischen und deutschen Judenheit, vor einem Manne, der die Weisheit, Gelehrsamkeit und alle Tugenden, welche dieses hohe Amt beansprucht, wie wohl kein zweiter auf der Welt, besitzt; — aber ich wähle mit Absicht und Ueberlegung den 1 AusoruckLw underbare Schönheit; weil ich bei ihrem ersten Anblick diesen Eindruck empfing — und Herr Oberrabbtner, ich versichere es Ihnen mit meinem Worte als Mann und Jude, ich dachte an ntchtsffweniger, als daran, daß das anmuthreiche Geschöpf, das vor mir stand, ein Mädchen, ich dachte nur daran, daß es ein herrliches, in

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