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Der Israelit · 1892-09-26 · Heft 77 (26.9.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 77 (26.9.1892)
Date
1892-09-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1468 Wird. — Und an dieses Gebet reihte sich das zweite ms» bv pom lwnon »n\ — Nicht Rohheit oder Gewalt soll schmälern das Vermögen unserer Brüder. Oeffne Du o Gott! ihr Herz, daß sie selbst freudig ihr Vermögen hingeben, für die mso der Bruderliebe und die Treue zur min. Nicht in unsichere Gegenden, wo die Gelegenheit zur Beobachtung der min ausgeschlossen ist, nicht nach Ländern, in denen das Schächten oder andere Mizwoth verboten sind, auch nicht in solche Gegenden, wo nur für das materielle Wohl der Verbannten gesorgt, der Thora aber der Rücken gekehrt wird, lasse Israel hinziehen. Möge Israel sein Vermögen opfern, in der Sorge, um einen Zufluchtsort für die Thora minn oipob. Wer dachte wohl daran, daß nach Jahrtausenden des Exils, solch' ein Gebet noch zeitgemäß wäre? — In unseren Ritus ist dieses Gebet nicht ausgenommen. Treu befolgten wir Jeremia's Mahnung. 7XOV DDUN TV^n im 1'P7! DS «rm 't bx mya „Suchet das Wohl des Landes zu fördern, wohin ich Euch gebannt, betet für dasselbe zum Ewigen." Wer durfte denken, wer konnte ahnen, daß die einst so schön erleuchteten Gebetstätten, nicht mehr gefüllt wie sonst — einmal öde stehen können, und leider, leider unsere Zeit liefert das traurige Beispiel hiefür. Tausende und abermals Tausende unserer Brüder, mußten die Städte verlassen, wo sie glücklich gelebt und gestrebt, sie sind jetzt in der liebelosen Fremde, oft in unwirthlichen Gegenden, oder irren heimathlos von einem Ort zum anderen. Die Bet- und Lehrhäuser, wo sie gelebt und gelehrt und gelernt, sind verlassen. Ihr Besitzthum ist größtentheils durch Gewalt zerstört. Millionen sind zwar gesammelt und geopfert, versuche man das wandernde Israel zu führen mm! Das Gebetfragement des Hohenpriesters, dessen wir erwähnten, ist nicht in unseren Ritus ausgenommen. Sollten die Gedanken, welche in diesem Gebete liegen, auch aus Israels Herzen verschwunden sein? Israel braucht nur ein Wort der Erinnerung. So gerne hört und spricht Israel von seiner Vergangenheit. Israels Vergangenheit ist Israels Gegenwart, Israels Zukunft aber ist erst dann gesichert d*ud naiVcn 'i? *3, wenn wir durch unseren Wandel vor dem Herrn es dahin gebracht, daß das alleinige Gottes-Reich auf der Erde hergestellt ist. Möge diese Zukunft uns recht nahe sein! Dies walte Gott! Zeitnngsrrachrichten und Corresporrdenzerr. Deutschland. Berlin, 13. Sept. Es wäre in der That zu verwundern gewesen, schreibt die „Jüd. Pr.", wenn die antisemitische Schmähwuth es unterlassen hätte, die Schuld an der schweren Geißel unserer Tage, an der Cholera, den Juden aufzuhalsen. „Die russischen Auswanderer haben die Cholera eingeschleppt", so wird auf der ganzen Linie geeifert und der Regierung ein schwerer Vorwurf daraus gemacht, daß sie nicht längst gegen diese „unliebsamen Gäste" die Grenzen gesperrt hat. Begreiflicherweise wurde die Veröffentlichung des Reichsgesundheitsamtes, das jene Behauptung vermuthungsweise bestätigte, mit einem wahrhaften Jrokesengeheul bejubelt, und seit der Zeit gilt es auch in minder befangenen Kreisen als ein Dogma: „Die russischen Juden haben die Cholera gebracht." Das Reichsgesundheitsamt sprach nur von „russischen Auswanderern", jene übelwollenden und vorschnellen Beurtheiler machen daraus „russische Juden"! Wandern denn aber nur russische Juden aus? Keineswegs, ja seit Monaten ist, wie jeder Besucher der Auswanderer-Baracken in Ruheleben bei Berlin weiß, die Zahl der Deutschland durchreisenden nichtjüdischen Emigranten ungleich größer, als die der jüdischen. Bezweifelt man dies, so können die amtlichen Listen zu Rathe gezogen werden. Ferner wurden die jüdischen Auswanderer seit dem Jnslebentreten der Grenzkomites, d. h. seit Juli vorigen Jahres, also schon lange vor dem Anftauchen der Cholera, aus allgemein-sanitären Gründen sofort beim Ueberschreiten der Grenze einer ärztlichen Untersuchung unterworfen, welche hier in Berlin und dann in Hamburg wiederholt wurde — bei den nichtjüdischen Auswanderern war dies nicht der Fall. Und weiter! Der gesammte „Ansiedelungsrayon", d. h. diejenigen Gouvernements, in denen Juden wohnen dürfen, ist mit Ausschluß des Lubliner Kreises, wo die Cholera aber erst vor zwei Wochen auftrat, vollständig seuchensrei: sämmtliche jüdischen Auswanderer kommen aber aus dem Ansiedlungsrayon, wo sie auch diejenigen Monate hindurch sich aufgehalten haben, die aus dem Inneren Rußlands verjagt wurden. Und woher kommen die nichtjüdischen Emigranten? Wie wiederum die amtlichen Listen bestätigen werden, der weit aus überwiegende Mehrzahl nach aus den Wolga-Gouvernements, aus Saratow, Samara 2c., d. h. gerade aus denjenigen Theilen Rußlands, welche seit Monaten den Hauptheerd der Epidemie bilden. (Es sind, nebenbei gesagt, was die Herren Antisemiten interessiren dürfte, zumeist deutsche Kolonisten!) Wenn somit die russischen Auswanderer wirklich die Cholera eingeschleppt haben, so können es die jüdischen keineswegs gewesen sein. Aber die ganze Behauptung ist, trotz der Autorität des Reichsgesundheitsamtes unrichtig, und das ist nicht etwa unsere Ansicht allein, sondern wird von den hervorragensten medizinischen Capacitäten, die ans Beobachtungen an Ort und Stelle ihr Urtheil aufbauen, in vollem Umfange bestätigt. So äußert sich der Physikus von Hamburg, Dr. Erman im „Hamburger Correspondent" wie folgt: „Hinsichtlich des angenommenen Ausgehens der Cholerainfektion von der Baracke der Auswanderer am Amerikakai sind zunächst folgende Daten anzuführen. In der Baracke, welche am 20. Juli in Benutzung genommen wurde, waren bis zum 16. August untergebracht: 9262 Personen. Von diesen sind erkrankt 5 Erwachsene und 11 Kinder. Es litten davon: an Masern 5 Personen, an Ausschlag 4, an Krätze 4, an Windpocken 3, an Fieber 1. Vom 16. August bis

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