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Der Israelit · 1892-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1892) · page 35

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1892)
Date
1892-09-20
Page
– (sequence 35)
Language
German
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1465 bitte, ja nur bei keinem Anderen zu leihen, es könnten daraus Unannehmlichkeiten erwachsen, und sie hat davon schon in Hülle und Fülle." „Ihr habt mir aus einer großen Noth geholfen, Panie Schmul", sagte seufzend die Beschließerin, „Gott möge es Euch vergelten. Ich athme jetzt ordentlich leichter." „Es ist nicht der Rede Werth", flüsterte Schmul. beim Hinausgehen, „wenn nur die Starosttn sich beruhigt und es ihr an nichts fehlt." — Ein Jeder, der über die Verhältnisse dieser Adelsfamilie sich Aufklärung zu verschaffen suchte, sprachAbei Schmul vor. Doch niemals entfuhr dessen Lippen ein Wort, was die Starostin oder ihren Angehörigen zum Nachtheil gedeutet werden konnte. Sämmtliche Glieder dieses hohen Hauses lagen ihm am Herzen, sogar den verschwenderischen jungen Grafen vermochte er seinen Rath und uneigennützigen Beistand nicht zu versagen. Als endlich, zum Glück der verarmten Familie, Cäcilie, die Enkelin der Starostin, aus der Fremde heimkehrte, war Schmul einer der ersten, welcher im Schlosse vorsprach, um die Eingetroffene zu begrüßen. Auf die Frage der Starostin, wie ihm Cäcilie gefalle, antwortete der alte, bewährte Hausfreund: „Sie ist schön, furchtbar schön; ich weiß nicht, ist es ein großes Glück oder Unglück." „Für mein armes Kind", versetzte die Starowo Ruinen von Bethel. stin, „ist diese Schönheit fast eine verhängnißvolle Gabe." Schmul sprach tröstend: „Gott ist gnädig. Man muß immer den Herrn preisen, möge es zum Guten oder zum Bösen sein; denn auch die Seele muß schön sein, wie dies Gesicht." Schmul kam nach langer Zeit zum ersten Male wieder in das Schloß, um Cäcilie eine Lampe zu bringen, welche sie sich immer gewünscht hatte. Als die Beschließerin seiner ansichtig wurde, lief sie ihm entgegen, um ihm, sollte er es verlangen, das Darlehen zurückzuzahlen; doch der ehrliche, uneigennützige Alte dachte gar nicht an die Schuld. Der Fleiß und die Bildung Cäciliens wurden der Rettungsanker der ganzen Familie. Aus dem aufrichtigen Rathe Schmuls verstand sie Nutzen zu ziehen, und nicht selten war es der Fall, daß sie in schwierigen Lagen Schmuls Ansicht begehrte. Die zunächstliegende Aufgabe der arbeitsliebenden Cäcilie war die Urbarmachung zahlreicher brach- und ödeliegenden, zum Grafengute gehörender Aecker. Doch hierzu waren bedeutende Mittel

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