Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 75-76 (20.9.1892)
- Date
- 1892-09-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448218-2448290--34901-2482862- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1441 Auf Sr. Durchlaucht den Statthalter von Elsaß- Lothringen toastirte Herr Dr. Picard aus Lauterburg. Von den übrigen Toasten heben wir nur die begeisterten Worte Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Bondi aus Mainz hervor, der seiner Freude Ausdruck verlieh an einer solchen wahren bvr nno» ros» theilnehmen zu können. Mit den einleitenden Worten des Wochenabschnittes ovn Dato dos» ddn DS’pV« 'n ermunterte er die Religionsgesellschast zum wackeren Vorwärtsschreiten auf der eingeschlagenen Bahn. Herr Samuel Straus aus Karlsruhe betonte in seinem Toaste, wie die großen Erfolge, die errungen wurden, auch dem treuen Wirken der Frauen zu danken sei. Das Vorstandsmitglied Herr Louis Mayer bekräftigte die Worte dadurch, daß er der ganz außergewöhnlich großen Unterstützung dankbar erwähnte, welche der Vereinigung in den schwierigsten Zeiten durch edle Frauen zu Theil wurde. Daß aber auch heute noch die Frauen der Reltgionsgesellschaft das Wirken der Männer begeisternd ermuthigen, zeigte ein von Frau Rabbiner Buttenwteser verfaßtes Festgedicht *), das von ihr zum Vortrage gebracht wurde. In stürmischem Beifall wurde der allverehrten Frau Rabbiner der Dank der ganzen Festversammlung. Erst nach 12 Uhr würde das piion nana verrichtet und noch lange blieben viele der Gesellschaft in geselliger Vereinigung zusammen. Mögen dem Beispiele Straßburgs viele Gemeinden folgen; dann ist das Mühen und Sorgen um das Zustandekommen dieser Religionsgesellschaft reichlich belohnt. Zeitrrngsuachrichteu und Correspondenzen. Deutschland. Hamburg, 16. September. Ein Brief aus Hamburg! Erschrecken Sie, bitte, nicht, aber hoffentlich gehören Sie nicht zu jenen Aengstlichen. die in allen Briefen aus Hamburg conservirte Bacillen oder Mikroben vermuthen und selbige, wie es tatsächlich vorgekommen ist, per Feuerzange den Flammen übergeben. Ihr Korrespondent ist recht wohl und empfindet das Bedürfniß Ihnen einiges von hier zu berichten, wozu er in Ansehung der leider total geschäftslosen Zeit genügend Muße findet. Ueber den plötzlichen Ausbruch der Cholera, ihre schnelle Ausbreitung und den momentanen Stand derselben berichten die politischen Tagesblätter regelmäßig mit mehr oder minder heftigen Angriffen auf Hamburg und seine staatliche Selbstständigkeit, die aber in jüngster Zeit nachgelassen haben, weil man sich von sachverständiger Seite eines Besseren belehren ließ und zur Erkenntniß gelangt ist, daß wohl keine Stadt *) Wir bringen das Gedicht in einer der nächsten Nummern zum Abdruck. in ganz Deutschland im Stande gewesen wäre, eine solch energische Bekämpfung der Seuche ins Leben zu rufen, wie es hier unter Mitwirkung des gesummten Bürgerthums ohne Ansehen des Standes und der Religion geschehen ist und fortgesetzt geschieht. Die Beiträge, welche zur Unterstützung Hilfsbedürftiger bei dem Hilfscomits und dem Bezirkscomitö allein von hier bis jetzt eingingen, belaufen sich bereits auf über eine Million in Baarem, außer sehr beträchtlichen Naturalgaben. Die Kollegien der deutsch-israelitischen Gemeinde bewilligten für Extra-Unterstützung und bedürftige Gemeindeangehörige M. 15,000 und werden noch mehr leisten, wenn die Noth es erfordert. Dieses vereinigte Wirken hat es auch zu Wege gebracht, daß die anfängliche Panik gewichen und der allgemeinen Beängstigung Ruhe und Vertrauen gefolgt sind; bekanntlich der beste Schutz gegen die Seuche. Die beiden m rrnan hatten leider auch vollauf zu thun, doch wurden zumeist schwächliche und sonst kranke Personen, sowie kleine Kinder und alte Personen davon betroffen. Wie man sich erzählt, soll ein hiesiger Pastor jüngst Veranlaffung genommen haben, seine Gemeinde zur strengen Befolgung der sanitären Vorschriften zu ermahnen und auf das gute Beispiel der Israeliten hingewiesen haben. Der größte Beitrag zum Unterstützungsfond ist dem Comits von Herrn Beit, einem Hamburger Israeliten in London mitM.20,000 überwiesen, während Beiträge von 1000—5000 vielfach gezeichnet worden sind. Auf Anregung des ressortirenden Herrn Senators im Verein mit dem Physikat hat Herr Oberrabbiner M. Hirsch, Ehrwürden, den Beginn des Gottesdienstes in den Synagogen an by a"n m auf 61 jt Uhr Morgens und den Schluß auf 10J/2 Uhr angeordnet, wobei wohl der entbehrliche Gesang beschränkt, von der v'vvvi ro^nn ttd aber Nichts ausgelassen wird. Mit dieser Anordnung ist man allgemein zufrieden und es bleibt nur noch zu wünschen, daß die Gemeinde in ihrer unzweifelhaft größeren Andacht sich ein gutes, gesegnetes Jahr vom Allmächtigen erbeten, und daß insbesondere -jnbnJta nsao yjc '□ 'n recht bald erhört werden möge. — Damit die Gemeindesynagogen nicht überfüllt werden, sind abseiten der Synagogen-Verwaltung in den Sälen der Talmud-Thora, sowie der isr. Töchterschule Betlokale für D’xnjn »d* eingerichtet worden, abgesehen von den zahlreichen größeren und kleineren nnan und Privatsynagogen. Die vom Senat während der Epidemie angeordnete Sperre der Hamburgischen Grenze gegen die Ausfuhr jeder Leiche, trifft nicht allein den orthodoxen Friedhof in Langenfelde, sondern auch den, der weder der orthodoxen noch neologen israel. Gemeinde gehörenden Friedhof zu Ottensen; dem