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Der Israelit · 1892-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1892) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1892)
Date
1892-09-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Führer vor dem Ueberschreiten des Jordans den Horebbund erneuern. So möge auch die Religionsgesellschaft den in den bisherigen dürftigen Räumen so treu gewahrten Horebbund auf's Neue übernehmen und in den neuen herrlichen Räumen mit vermehrter Kraft die Ziele desselben verwirklichen, bis der Ruf an uns ergehe: .]DK rva V’s ‘Dip Hierauf wurden die nmn n&o aus dem byn genommen und dann wie am Schluffe des yv die 'pn nioff recitirt. Ein feierlicher Ernst und tiefe Rührung machten sich bei allen Anwesenden während des Sprechens derselben bemerkbar. Die achtbarsten Glieder der Gemeinde brachten die Thorarollen nach dem neuen Synagogengebäude, wo inzwischen die ganze Religionsgesellschaft wie auch viele Mitglieder der Hauptgemeinde sich eingefunden hatten, um Zeugen zu sein von dem Akte der Einweihung, dem man weit über die Grenzen Straßburgs mit Interesse entgegensah. Von den Behörden waren der Polizeipräsident und Polizeiräthe, sowie viele Honorationen der Stadt anwesend. Der Statthalter und der Staatssekretär Minister v. Puttkamer und der Bezirkspräsident hatten schriftlich ihr Bedauern ausgedrückt am Erscheinen zur Einweihungsfeier verhindert zu sein. Sämmtliche Zeitungen Straßburgs haben ausführliche Berichte über die Feier gebracht; wir folgen im Weiteren einer Schilderung der „N. Nachrichten." „Das war eine freudig bewegte Stunde, das konnte man mit Recht sagen von der gestern Abend 5 Uhr vollzogenen Einweihung des israelitischen Gotteshauses der israelitischen Religionsgesellschaft hier. Luftig flatterten die Fahnen in den deutschen Farben und verkündigten der außen harrenden Menge, daß die Weihestunde nahe sei. Rechts und links der steinernen Treppe, die zum Eingang führt, waren Orangenbäume aufgestellt und angenehm überraschte uns der Anblick dieses im einfachen Styl erbauten, aber dennoch prachtvoll ausgestatteten Gotteshauses. Alles neu und schmuck. Die schönen Gaslampen, der herrlich in Gold gestickte Vorhang an der Bundeslade, ein Geschenk der Frauen, meisterhaft gestickt von Frau Nordman-Schwab, das schmucke Betpult, das mit einer hübschen goldgestickten Decke versehene Pult, worauf aus der Thora vorgelesen wird, Alles wurde mit Recht angestaunt und man mußte sich unwillkürlich fragen, wie war es einer so kleinen Gemeinde möglich, in kurzer Zeit so Großes zu leisten. Schlag 5 Uhr wurden die beiden Flügelthüren geöffnet. Voran schritt Herr Rabbiner Buttenwieser, mit dem Gebetmantel angethan, er trug im Arme die reichgeschmückte Thorarolle, hinter ihm trugen 12 Herren die übrigen 12 Thorarollen, welche bis an die Bundeslade und dann in dem Gotteshaus zwei Mal herumgetragen wurden. Während dessen sang Hr. Durlacher mit seiner herrlichen Tenorstimme das hebräische Lied r6run 'n i? und na nj>»*nn 'n njn. Die Chorknaben, unter trefflicher Leitung des Herrn Felix Klein, sangen mit vieler Präzision und man hörte, daß sie gut eingeübt waren. „Nachdem die 13 Thorarollen in die Bundeslade gestellt waren, bestieg Herr Oberrabbiner Buttenwieser die Kanzel und hielt die Weihepredtgt. Der Text aus den Psalmen lautete: „Der Stein, den die Baumeister verachteten, ward mir zum Eckstein und dieser Tag ist von Gott eingesetzt, wir wollen uns dessen freuen." Einen Rückblick, sagte er, wolle er auf die Vergangenheit werfen und er schilderte in trefflichen Worten, wie aus kleinen Anfängen so Großes erstanden und er bat Gott, alle Gebete in diesem Hause, die dem Wohle des Vaterlandes und dem Gemeinwohl gelten, zu erhören, der Traurige und der Gebeugte mögen Trost und Beruhigung hier finden. Zuletzt nahm er die Thorarolle aus der Bundeslade und sprach ein Gebet zum Wohle Sr. Maj. des deutschen Kaisers und des kaiserlichen Hauses, ebenso für das Wohl der Landesbehörden und der Beamten unserer Stadt. Zuletzt dankte er noch Allen, Männern und Frauen von nah und fern, dem Baumeister und denen, die mitgeholfen, den Bau zu fördern. Gottes Segen möge auf ihnen ruhen. Möge die Zeit nicht ferne sein, wo alle Menschen sich in Liebe vereinigen und Alle im himmlischen Vater den Lenker der Geschicke erkennen. Alles lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit diesen tiefempfundenen Worten; dann entzündete Hr. David Levi das ewige Licht und der Rabbiner erklärte die tiefe Bedeutung desselben in ergreifender Weise. Bei diesem feierlichen Akte traten allen Anwesenden Thränen in die Augen. Dann wurde das Abendgebet verrichtet und Psalm 150 vom Chor und Hr. Durlacher vorgetragen." Am Abend 81/* Uhr versammelten sich die Mitglieder der Gemeinde und Freunde derselben im maison rouge, um die Feier des Tages durch ein Festessen zu begehen. Mehr als 120 Theilnehmer waren bei diesem herrlichen Feste vereinigt und Alle befanden sich in freudigst gehobener Stimmung. Ein besonders dazu erwähltes Festcomite hatte in mustergiltiger Weise seine Aufgabe gelöst und alles in schönster lieblichster Weise arrangirt. Toaste folgten auf Toaste. Den um die Entwickelung und Erstarkung der Religionsgesellschaft so sehr verdienten Rabbiner und Präses wurde der Dank der Religionsgesellschaft in begeisterten Worten von den Herren Leburg und Rotschild ausgesprochen, nachdem der Präses Herr David Levy den Toast auf Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. ausgebracht hatte.

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