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Der Israelit · 1892-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1892) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1892)
Date
1892-09-20
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIII. Jahrgang. Erste Beilage M M 75 & 76 -es „Israelit". Leitender Artikel. Sie Ginweihllng der neiierblUlten Kynag-ste der Rettgionsgefellfchaft in Stratzburg i. E. 0. An der Wende des für uns jo inhaltreichen Jahres, sind wir in der glücklichen Lage von einem Ereignisse zu berichten, das jeden wahren nur mit stolzer Freude erfüllen kann. — Donnerstag fand in Straßburg i. E. die Einweihung der neuerbauten Synagoge der dortigen Religionsgesellschaft statt. — Diese Thatsache bedeutet einen Sieg des wahren orthodoxen Judenthums, welcher wieder gezeigt hat, welche Kraft der unverfälschten alten Glaubenstreue innewohnt. Alle Bedingungen für die Entwickelung einer selbstständigen, von dem israelitischen Konsistorium unabhängigen Religionsgesellschaft, fehlten in Straßburg. Wer uns, die wir mit den jüdischen Verhältnissen in Elsaß-Lothringen genau vertraut sind, vor zehn Jahren gesagt hätte, daß heute in Straßburg eine Separatgemeinde extsttren würde, die vollständig von der Bevormundung des Konsistoriums emanzipirt sei, eine eigne Religionsschule, eine eigne .iLmo, eignes rnpo, eignes ni-opn rvn besitzen würde, den würden wir als einen thörichten Träumer betrachtet haben. Die kühnsten Träume sind aber von der Wirklichkeit noch übertroffen. Die Reltgionsgesellschaft besitzt eineReltgionsschule, die von 60 Knaben und Mädchen besucht wird und die unter der trefflichen Leitung des Herrn Rabbiner Buttenwieser ganz Großartiges leistet. Die beste Anerkennung liegt darin, daß viele jüdische Familien, die nicht der Religionsgesellschaft angehören, die aber zu den ersten der anderen Gemeinde gezählt werden, ihre Kinder dieser Schule anvertrauen. Vor wenigen Monaten ließ die Regierung sogar die Schule durch Herrn Kreisschulinspector Praß ganz eingehend inspieiren und dieser sprach sich in den anerkennendsten Worten über die Leistung der Schule aus, der sich keine andere jüdische Schule des Landes anreihen könnte. Die nv'ns' und mpo entsprechen auch allen und jeden Anforderungen des N, und immer mehr zeigt es sich, wie nothwendtg es war diese hochwichtigen Institutionen einer strengen Beaufsichtigung zu unterstellen. Aber nur unter den schwierigsten Kämpfen, wie sie vielleicht nur die Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. zu verzeichnen hat, konnten diese Erfolge erzielt werden. Während fünf Jahren hatte die von wenigen Männern unter dem Namen crn yy gegründete Vereinigung um ihre Existenz zu ringen und von einer Weiterentwickelung konnte nach Außen kaum etwas bemerkt werden. Erst die jüngsten fünf Jahre brachten der Vereinigung ihre Selbstständigkeit und von da ab ein fortwährendes Erstarken nach Innen und Wachsen nach Außen. Jetzt galt es, den Errungenschaften auch für die Zukunft Festigkeit und Halt zu verschaffen. Um dieses zu erlangen, sah sich die Gemeinde gezwungen, für die Erstellung eigner Räume für nD^Dn n'3, Religionsschule und mpo Sorge zu tragen. In der schon seit Jahren bewährten, ganz seltenen Opferfreudigkeit aller ihrer Mitglieder, faßte die verhältnißmäßig noch kleine Reltgionsgesellschaft vor Jahresfrist den Plan, diese schwierige Aufgabe zu unternehmen, und mit besonderer warn Nny”D ist es ihr gelungen, diese glänzend zu lösen. Diese Erfolge hat die Gemeinde ganz besonders ihrem w. Herrn Rabbiner B. zu verdanken, der erst seit 5 Jahren hier wirkend es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, das Vorgefundene Werk weiter zu fördern und zur Vollendung zu bringen. Gemeinsam mit dem Vorstande arbeitend, dessen Präses Herr David Levy keine Mühe gescheut hat für die gute Sache zu thun, was nur möglich war, ist es ihm nun gelungen zu erreichen, was er erstrebt. Der 23. Ellul war der Tag, an dem diese wackeren Männer das Werk ihrer Mühe gekrönt sahen. Die Einweihung der Synagoge gestaltete sich zu einer imposanten Feier, die jedem unvergeßlich bleiben wird, der das Glück hatte ihr beizuwohnen, und die, wie folgt, ihren Verlaus nahm: Um 3 Uhr versammelten sich im alten Betlokale die Mitglieder der hiesigen Gemeinde wie die von auswärts herbeigeeilten Vertreter anderer Religionsgesellschasten in freudigem Ernste, um gemeinsam das Minchagebet zu verrichten. Nach demselben bestieg Herr Rabbiner Buttenwieser die Kanzel, um in erhebenden und rührenden Worten den Abschied aus der alten Synagoge zu schildern. Er verglich die Gemeinde mit einer Braut, welche die bescheidenen Räume verläßt, in denen sie ihre Jugendjahre verbracht hat, um in das neue reichgeschmückte Heim des von ihrem Herzen Erwählten etnzuziehen. Welch widerstreitenden Gefühle von Freude und Schmerz bewegen ihr Herz. Es sind eben die Geühle, mit denen unsere Väter an der Grenzscheide >er Wüstenwanderung ihre Blicke in das jetzt zu ietretende Land der Verheißung richteten. Bei aller Sehnsucht nach dem gelobten Lande mußten unsere Väter durch das Verlassen der Wüste schmerzlich bewegt werden, da sie hier zu einem Volke heran-;ereift waren, und die wunderbare Leitung der gütlichen Huld sichtbar vor Augen hatten. Wie uns der Wochenabschnitt erzählt, ließ nm, der treue

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