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Der Israelit · 1892-09-20 · Heft 75-76 (20.9.1892) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 75-76 (20.9.1892)
Date
1892-09-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1436 Sache der Judenverfolgung einen Rückzug eröffnet. Sie beginnen bei den russischen Juden Plötzlich gute Eigenschaften zu entdecken und sprechen sich gegen die Auswanderung aus. So schreibt der „Wilenskij Wjeftnik", dessen Herausgeber, Fürst Galitzyn, ein sonst ausgesprochener Judengegner ist, die Auswanderung der Juden aus Rußland könne für die Regierung nicht wünschenswerth sein, weil die Juden unbestreitbar dem Staate und der Bevölkerung nützlich seien, da sie viele gute Eigenschaften besäßen. Auch der „Graschdanin" thut in der Judenfrage Wasser in seinen Wein. Er verlangt nun nicht mehr die Verschickung der Juden nach Sibirien, sondern will eine Lösung der jüdischen Frage durch andere als Gewaltmittel herbeiführen. Petersburg, 13. September. Der Minister des Innern hat den Befehl erneut, nach welchem diejenigen Juden, welche sich in Städten und Flecken aufhalten, ohne ein ständiges Domizil zu haben, ausgewieseu werden. Gleichzeitig sollen die Bestimmungen, nach welchen den Juden Besitz, Pacht und Verwaltung von Immobilien außerhalb von Städten und Flecken verboten werden, strenge gehandhabt werden. Petersburg, 14. Sept. Gegen die vorgeschlagene Verschärfung des Gesetzes bezüglich der Juden sprachen sich der Domänenmimster Ostrowski und der Finanzminister Witte aus. Die Schaffung eines neuen derartigen Gesetzes ist auf unabsehbare Zeit hinausgeschoben worden. R. Kiew, im Ellul. Der hier in der Nähe reich begüterte Fürst Jgnatiew wählt zur Verwaltung seiner Güter mit Vorliebe Juden und zwar orthodoxe Juden. Derselbe soll ein überaus nobler Gutsherr sein und seinen Pächtern die leichtesten Bedingungen stellen, so daß Letztere meist innerhalb kurzer Zeit zu Wohlhabenheit gelangen. Der Andrang zu den von dem Fürsten zu vergebenden Ämtern ist daher seitens unserer Glaubensgenossen ein sehr großer D’ny;wo ^na. Amerika. New-Aork Der Beschluß der unter der Führung des Dr. Wise stehenden jüdischen Reform-Rabbiner, in Zukunft bei der Aufnahme von Proselyten die Zeremonien der Beschneidung nicht mehr zu beobachten, hat eine Entgegnung der Orthodoxen hervorgerufen. Der Oberrabbiner Jakob Joseph erläßt einen Aufruf, worin es heißt: „Wir sind zu unserem Leidwesen davon in Kenntniß gesetzt, daß gewisse Leute, die unserm Glauben anzuhangen behaupten, so wenig positiven Glauben haben, daß sie, obwohl sie sich jüdische Rabbiner nennen, unsere Religion herabsetzen und den Weinberg des Herrn zerstören. Sie zerstören und bauen nicht auf. Sie beschneiden die Aeste und tobten den Stamm. Sie bezweifeln und verneinen unsere Traditionen ... Es ist für uns überflüssig, jene zu kritisireu, ihre Werke sprechen gegen sie. Es ist aber unsere Absicht und heilige Pflicht, die Fahne unserer wahren Religion und des alten Judaismus zu entfalten und wie der Prophet veralten Zeit das „Schofar" zu blasen, um unsere Glaubensgenossen um unsere Banner zu scharen." — Zum Schluß werden in dem Ausruf alle orthodoxen Rabbiner der Vereinigten Staaten zu einer vom 9. bis 10. Oktober dieses Jahres in New-Iork abzuhaltenden Versammlung eingeladen. Dr. Morris Wechsler von New-Iork, der Herausgeber der „Jewish Times", fordert alle Rcformrabbiner zu einer Disputation über die Streitfrage heraus und spricht die Ueberzeugung aus, daß es ihm gelingen wird, seinen Gegnern die Irrlehren des Reformjudenthums nachzuweisen. Feuilleton. „Fllrstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." Jeder unbefugte Nachdruck wird aufs Strengste verfolgt werden. Uebersetzungsrechte Vorbehalten. (18. Fortsetzung.) Markbreiter's Worte hatten Wertheimer merkwürdig ergriffen und nach kurzem Bedenken sprach er: „Je näher ich Sie kennen lerne, desto mehr lerne ich Sie schätzen. Sollte es mir möglich werden Ihrem wahren Glücke förderlich zu sein, so können Sie auf meinen Beistand rechnen. Ob mir das möglich sein wird, weiß ich allerdings nicht. Ich habe keine Ahnung davon, worin die Schwierigkeit Ihrer Lage besteht. Ich habe es schon gesagt, ich will nicht in Ihr Geheimniß etndringett." „Ich danke Ihnen für Ihre namenlose Güte, Herr Oberhoffaktor. Sie richten meine tiefgesunkenen Hoffnungen wieder auf. Wenn es einen Menschen aus Erden gibt, der Einfluß auf meinen Vater besitzt, sind Sie es, unser allverehrter Herr Oberrabbiner. Ich will kein Geheimniß vor Ihnen haben, im Gegenthetl, es würde mir zur höchsten Befriedigung gereichen, wenn ich Ihnen mittheilen dürfte, in welcher Weise ich das Mädchen, das zu erlangen mein innigster Wunsch ist, kennen und lieben lernte .ich lechze darnach zu erfahren, ob Sie, allverehrter Rabbi, mein Verhalten billigen:" Wertheimer rückte Markbreiter einen Stuhl neben sich und sprach: „Erzählen Sie, ich bin bereit Ihre Mittheilungen zu hören;" und der junge Mann begann. „An einem kalten Tage des heurigen Winters begegnete ich auf der Heimfahrt von einer kurzen Geschäftsreise, etwa sechs Stunden von meiner Vaterstadt, auf offener Straße dem greisen Proßnitzer Rabbiner, Rabbi Alexander Halevi. Er kam von einem Hochzeitsmahle, dem er, nachdem er die Trauung vorgenommen, angewohnt hatte. Der Kutscher, der ihn nach Proßnitz führen sollte, hatte im Hochzeitszeitshause mit dem Gesinde zu viel gezecht, war betrunken und hatte den Wagen in einen

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