Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 75-76 (20.9.1892)
- Date
- 1892-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1434 Deutschen gefeiert. „Der Jude ist unser Feind, nicht der Deutsche!" So wettert Achille Plista in die Welt hinaus, und befeindet aus wohlgewogenen Gründen in der deutschen Hauptstadt sein französisches Vaterland. Denn die Millionen seiner Landsleute haben die Militärmilliarden nicht bewilligt, um gegen die Handvoll Juden in Frankreich zu kämpfen. Das ist die Moral der Antisemitenführer; mit diesen rechnet Caro als einem ernsten Faktor in der Politik. Ihr Wuthgeheul nimmt der Verfasser als die Frucht ernsten Denkens. Ferner werden Gebrechen und Laster, die bei einzelnen Juden wahrgenommen wurden, deren Vorhandensein wir niemals geleugnet, und welche die jüdische Publicistik mit aller Energie bekämpft, dem gesammten Volke angehängt. Doch das Allergesährlichste sind die Daten, die Caro gefunden zu haben glaubt. Mit etwas mehr Verständniß für die Verwerthung der Statistik hoffen wir den Herrn Rechtsgelehrten bedienen zu können, indem wir uns Vorbehalten seine von Gehässigkeit übersprudelnde Arbeit demnächst näher zu beleuchten. N. Berlin, den 13. Sept. In Berliner politischen Kreisen ist man zur Kenntniß des folgenden Schreibens gelangt, welches der durch seine von hervorragenden christlichen Forschern wie Franz Delitsch und Nö'ldeke gekennzeichneten Talmudfälschungen genugsam bekannte Prager Theologie-Professor Dr. Rohling im Juli nach der Beendigung des Processes Buschhoff an einen sicheren Hummelsheim in Köln auf dessen Anfrage gerichtet hat. Die Sprache, die dieser Herr hier führt, der Ton, in welchem er über die gesammte Rechtspflege eines Staates wie Preußen zu sprechen wagt, gehört wohl zu dem Aeußersten, was die Berleumdungswuth der Partei, zu deren Autoritäten Rohlinggehört, bisher geleistet hat. Man begreift das Befremden, mit welchem man hier die Thatsache betrachtet, daß dieser Mann immer noch in Oesterreich eine angesehene Stellung bekleiden darf. Das Schreiben lautet: Prag, 24. Juli 1892. Herrn C. Hummelsheim, Zeitungs-Correspondent, Kreuzweg 10, Köln. Euer Hochwohlgeboren Anfrage um private Mittheilung meiner persönlichen Ueberzeugung über den Xantener Mord kann ich nur dahin beantworren, daß ich auf Grund der gerichtlichen Verhandlung unzweifelhaft gewiß bin, daß die Buschhoffs für einen rituellen Zweck (das heißt um einem religiösen Bedürfnisse des jüdischen Aberglaubens zu dienen) den Knaben geschlachtet haben, daß der Clever Proceß insbesondere eine Comödie war, mit Judengeld aufgeführt zur Verhöhnung der Gerechtigkeit, des ehrlichen christlichen Volkes und zur öffentlichen Documentirung der dem Judenthum bereits zum Gehorsam unbedingt unterworfenen Staatsgewalt. Die Geschworenen halte ich für mindestens superlative Esel. Von Nöldeke lese ich, er habe erheblich mehr für sein Gutachten erhalten, als die Gebührentaxe; wer zahlte dieses Mehr, wenn nicht die Juden? Ich hätte als Klostervorstand solch ein Geld nicht angenommen; sogar die Pharisäer wollten das JudaSgeld nicht. Hochachtungsvoll Canon. Professor Dr. August Rohling. Berlin. In der Beschnüffelung des „Israelit" seitens judenseindlicher Preßcumpane leistet die „Staatsbürgerzeitung" neuerdings ein Bravourstück, das niedriger gehängt zu werden verdient. Die Leistung lautet wörtlich: Schamlos. Im „Israelit", Centralorgan für das orthodoxe Judenthum, begründet vom Rabbiner Dr. Lehmann in Mainz, und zwar in Nr. 68, 2. Beilage vom 25. v. M., finden wir folgende schamlose Annonce: „Für eine sehr achtbare, durch Unglücksfälle in ihren Vermögensverhältnissen zurückgekommene Familie erlaubt sich der erg. Unterzeichnete an das edle Herz seiner Glaubensgenossen zu appelliren. Es handelt sich um die Verheirathung einer Tochter, wozu eine größere Summe noch erforderlich ist. In Anbetracht des edlen Zweckes bittet der Unterzeichnete um zahlreiche Beiträge und wird hierüber in diesem Blatte z. Z. mit Dank bescheinigen. F. M. Kahn, 61 Olgastr., Stuttgart. Auch die Expedition dieses Blattes ist gerne bereit, Gaben zu diesem Zweck in Empfang zu nehmen und weiter zu befördern." Also zu solchen, nahe an Kuppelei streifenden Geschäften Handlangerdienste zu leisten, findet das Centralorgan für das orthodoxe Judenthum ganz in der Ordnung. Ich gestehe, daß ich die Notiz zweimal durchgelesen habe, weil ich meinen eigenen Augen nicht traute, und mich noch jetzt frage, ob das Blödsinn oder Verrohung oder beides zusammen und noch etwas mehr ist. Was müssen doch das für Menschen sein, die von der Fürsorge für eine verarmte Familie und die Versorgung ihrer Tochter nichts hören und lesen können, ohne an Kuppelei zu denken! Wie soll denn ein armes junges Mädchen einen ebenfalls vielleicht besitzlosen Mann heirathen, wenn es ihnen an jeglichen Mitteln fehlt, sich ein bescheidenes Nestchen zu gründen? Also zwei sich Liebenden die Möglichkeit zu geben, daß sie sich finden können, das ist nach der Staatsbürgerzettung schamlos, das ist Kuppelet. Und die wollen das Deutschthum heben und vor Verjudung schützen! Ich weiß nicht, ob die sehr vorsichtig abgefaßte Schmähung, die nicht von Kuppelet, sondern nur von an Kuppelei streifenden Geschäften flunkert, genügenden Anhalt für eine gerichtliche Verfolgung bietet. Sollte dies aber der Fall sein, so wäre es wohl wünschenswerth, wenn sowohl der „Israelit" als Herr Kahn Strafanklage gegen diese hämische Verdächtigung erheben. Sie sind dies nicht ihrem guten Rufe schuldig, an welchen dieses Gebelfer nicht heranreicht; aber wohl dem bösen Ruf des