Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 75-76 (20.9.1892)
- Date
- 1892-09-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1433 „Wenn sie sündigen," spricht Gott, „werde ich sie am richten." Jeder Mensch hat für sich, für seine Handlungen einzustehen, ros: onefpao dm tan m hw neira pppiri vrv pnw m'py orfc "naim „Wenn sie aber bitten," fährt Gott weiter, „daß ich ihnen das Verdienst Jizchaks anrechnen soll, dann sollen sie mit dessen Schofar blasen", d. h., ohne Rückblick, ohne sich zu beugen, ohne Reue und ohne Besserung muß ich nach strengem Rechte als Richter der Erde sie richten. An ihnen liegt es, ob ich Milde und Nachsicht üben kann. »y*n* oyn niw P^ty» t» *v»Ma 'n ,nynn „Heil dem Volke, das da versteht den Schofarton in seiner erweckenden, erschütternden Bedeutung, sie werden dann im Lichte Deines Angesichtes, o Ewiger, wandeln." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gießen, 18. September. Ihr geschätztes Blatt brachte vor einigen Tagen die Mittheilung von Berlin, daß man daselbst Jom-Kippur sozusagen halbirt hätte. Ich hegte mit Ihrem Berichterstatter die gleichen Bedenken, andererseits dachte ich aber, daß die Berliner einen Schein von Recht für sich haben, denn erstens ist Hamburg sehr nahe bei Berlin, und zweitens kommt der nach Berlin aus allen Weltgegenden statthabende Fremdenzuzug in Betracht. Aber um so größer ist hier das Staunen und die Aufregung über einen Gewaltakt des „Vorstandes" der hiesigen israelitischen Gemeinde, welcher einen „Ukas" in der Synagoge anschlagen ließ. Aus sanitären Rücksichten hat es der „Vorstand" für „gut" befunden, den Gottesdienst am "iid'd dv auf von 9—12 Uhr Vormittags und von 4 bis 61/* Uhr Nachmittags zu beschränken. Commentar hierzu ist überflüssig, wenn man bedenkt, welchen Grad von Gesetzestreue die Männer besitzen, die hier an der Spitze stehen. Herrn Rabbiner Dr. Levy muß man ausnahmsweise diesmal Lob zollen. Nach Beendigung des gestrigen Gottesdienstes setzte derselbe seinen ganzen Einfluß ein, um die Sache rückgängig zu machen, jedoch leider vergebens. Ebenso haben die Männer, die sich nicht schämen zu sagen, daß sie Juden sind, sich dem Protest des Herrn Dr. Levy angeschlossen, auch solches war erfolglos. In einer gestern Nachmittag anberaumten Privatversammlung dieser Herren im Hotel Rothenberger, zum Zweck der Berathung, wie der Jom-Kippur in althergebrachter Weise abgehalten werden sollte, kam man leider in Folge der großen Erregung zu keinem festen Entschlnß. Die Mehrzahl stimmte für einen separaten Gottesdienst, andere wollten Beschwerde an die hohe Behörde um Absetzung des jetzigen Vorstandes richten. Einem andern Theil unserer Gemeinde kömmt fraglicher „Ukas" sehr erwünscht, diese Mitglieder können dann ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Da wir hier am Platze G. s. D. sehr gute sanitäre Verhältnisse haben, ist diese Maßregel ganz und gar unnöthig. Wären Bedenken da, so hätte eine kurze Pause in den Mittagsstunden genügt alle „Mikroben" in der Synagoge zu beseitigen. Die hiesige Reformsynagoge ist zudem meistens nur Vormittags besucht, Nachmittags glänzt der größere Theil der „Andächtigen" durch Abwesenheit. Berlin, im September. Eine vorläufige Abfertigung müssen wir einem Herrn Rechtsanwalt Caro ertheilen, dessen Artikel „Die Judenfrage, eine ethische Frage" durch die antisemitischen Blätter die Runde machen. Die judenfetndlichen Redaktionen behaupten zwar, Herr Caro sei noch Jude; wir müssen dies mit aller Entschiedenheit in Abrede stellen, da aus den Artikeln hervorgeht, daß C. als guter Christ an die Göttlichkeit seiner Religion glaube und derselbe außerdem jede Andeutung einer Zusammengehörigkeit mit dem Judenthum vorsorglich vermeidet. Doch sei dem, wie ihm wolle. Die Arbeit des schriststellernden Rechtsanwalts verräth eine kindliche Einfalt, die uns sehr gefährlich werden kann, wenn wir seine Aeußerungen stillschweigend hinnehmeu und ihnen nicht das Unhaltbare und Verwerfliche Nachweisen.-Der Verfasser will eine vermittelnde Stellung zwischen Juden und Antisemiten einnehmen und glaubt an eine Möglichkeit, daß die Feindschaft zwischen diesen Gegnern herabgemindert werden könne.So kann nur ein Mann schreiben, dem es an jedem Einblick in die tobenden Kämpfe gebricht. Die Antisemitenführer gebrauchen viel Geld, — sehr viel Geld und suchen Quellen, aus denen ihnen Welches fließen kann. Das einfältige Landvolk jubelt ihnen als seinen Welterlösern zu und giebt für die Verheißungsreden seinen Spargroschen her. Diese Spitzen der antisemitischen Gilde zu widerlegen oder durch Besserung der Zustände zu bekehren, ist demnach ein Unding. Gebt ihnen Geld, recht viel Geld, dann rennt einer nach dem andern dieser glühenden Semitenhasser aus dem Bannkreise der bisherigen Gesinnungsgenossen und wird Judenanbeter. — Dieselben Antisemiten, welche sich unlängst als die Nationalgesinnten ausgespielt, paktirten bald darauf für einen freundlichen — Händedruck mit den Dänen, und jüngst hat hier ein Führer der französischen Antisemiten entgegen der Tendenz des modernen Franzosenthums ein Verbrüderungsfest mit den gleichgesinnten