Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1892)
- Date
- 1892-09-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1418 irgend etwas über sich zu erzählen, so ist er dagegen sobald die Rede von Ihnen ist, stets Ihres Lobes übervoll!" „Doch nur in meiner Abwesenheit", meinte Markbreiter lachend. „Ich selbst bekomme nie ein Wort des Lobes zu hören. Der, mit Recht, als klug berühmte Mann ist ein sehr kindischer Vater, der mich noch immer wie ein kleines Kind behandelt. Wenn er mit mir spricht, da findet er immer etwas zu tadeln, auch bei der wichtigsten Angelegenheit meines Lebens, bei der Wahl einer Gattin behandelt er mich, als wäre ich ein Kind. Mein Vater wird, wenn er erfährt, daß ich mich nicht seinem Wunsche fügen kann, gar heftig auffahren, mir zürnen und ich sehe mit schwerer Sorge der Zukunft entgegen." Wertheimer runzelte leicht die Stirne, und Markbreiter den unausgesprochenen Vorwurf fühlend, fuhr fort: „Aber Herr Oberhoffaktor, ich wage es, Sie an den Spruch des weisen Hillel zu erinnern: AI todin es chaweroch ad schetagia limkomo1)- Ich befinde mich in einer so eigenthümlichen Lage, wie vielleicht vor mir kein zweiter Mensch. — Auch habe ich es nicht, wie Sie, Herr Oberkriegsfaktor, zu glauben scheinen meinen Eltern, ich habe es nur meinem Vater verheimlicht. Herr Oberkriegsfaktor, meine Mutter ist eben so klug als edel, sie würde es nicht billigen, wenn ich die Sohnespflicht im allergeringsten verletzte und doch hat sie selbst mir gerathen, vorläufig meinem Vater zu verschweigen, daß ich schon unwiderruflich gewählt!" „Nur ungewöhnliche Umstände können Ihre Frau Mutter hierzu veranlaßt haben, ich will nicht in ein Geheimniß eindringen, daß Sie Ihrem Vater verheimlichen. — Ich werde noch im Laufe des heutigen Tages meiner Nichte Ella Arnstein erklären, daß sie Ihren Besuch nur als Anstandsvisite eines entfernten Verwandten, ohne jede Conseguenz betrachten soll. — Mein lieber, junger Freund; ich werde mich freuen, wenn Sie eine glückliche Wahl getroffen und diese auch die Genehmigung Ihres Vaters erhält. Eines möchte ich Ihnen doch zu bedenken geben: eine Verbindung für das ganze Leben, zu der ein guter, edler Vater nicht seinen Segen ertheilt — kann keine glückliche werden!" Mit diesen, von einem leichten Kopfnicken begleiteten Worten schien der vielbeschäftigte Werthcimer die Unterredung schließen zu wollen. Markbreiter verbeugte sich ehrerbietig und schritt der Thüre zu, an der Schwelle blieb er plötzlich stehen und sprach: „Herr Oberhoffaktor, an Ihrer guten Meinung ist mir so viel gelegen, daß es mich schmerzen würde von Ihnen ungünstig beurtheilt zu werden. . . . . Daß meine Wahl auf keine Unwürdige gefallen, davon bin ich überzeugt; ob mein Vater meine Wahl billigen wird, das weiß weder ich noch meine Mutter, die meinen Vater nach fünfundzwanzigjähriger Ehe genau kennen gelernt hat. Ich werde meine Ktndespflicht nicht durch eine T h a t verletzen, ich werde meinem Vater nie eine Schwiegertochter zuführen, der er seinen Segen verweigert, — aber bei meiner Seele Seligkeit, ich bleibe dem Mädchen meiner Wahl treu, ich werde keines andern Weibes Gatte!" (Fortsetzung folgt.) 1) Urheile nie über Deinen Nächsten, so lange Du Dich nicht mit ihm in gleicher Lage befunden. Spr. d. V., Abschnitt 2, Mischna 5. Der „Js ra elit" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel )u bestehen bei E. F. S t e i n a ck e r, Leipstg, Doßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesandten Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Kopie zurückzubchalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Zum neuen Jahre. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Berlin. Pfungstadt. Hamburg. Mainz. Fronhausen. Trier. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Frankreich : Paris. — Italien: Rom. — Holland: Amsterdam. — Egypten: Alexandrien. — Feuilleton: „Fürstengunst." Erzählung von S. Kohn, Verfasser von „Gabriel." (Fortsetzung.) Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Warum die Juden keine Christen werden. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Großgerau. Berlin. Inhalt der zweiten Beilage: Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Elberfeld. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redacfion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der J oh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.