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Der Israelit · 1892-09-15 · Heft 74 (15.9.1892) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 74 (15.9.1892)
Date
1892-09-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1417 Rafael Levi war Markbreiters kurzem Berichte mit lebhafter Spannung gefolgt, seine bleichen Wangen rötheten sich, es hatte ihn offenbar Ueberwindung gekostet, Wertheimers zustimmende Antwort nicht zu unterbrechen, jetzt aber er trat rasch an Perez heran, drückte ihm die Hand und sprach. „Das haben Sie klug und gut gemacht. Ich vermag es gar nicht auszusprechen, wie mich der Sieg, den Sie über die Brünner Judenfeinde errungen, in tiefster Seele freut." Levi hielt plötzlich inne, er ließ die Hand des jungen Mannes los, trat erschrocken einen Schritt zurück und sprach schüchtern im veränderten Tonfalle: „Verzeihen Sie meine Dreistigkeit. Ich fühlte mich gedrängt, Ihnen meine Sympathien auszudrücken, hätte cs aber bedenken sollen, daß das Lob eines so unbedeutenden Menschen, wie ich es bin, Herrn Perez Markbreiter, dem einzigen Sohn des reichsten Mannes der mährischen Judenschaft, dem Mitchef einer der ersten Firmen Oesterreichs, gleichgiltig sein wird." „Sie thun sich schweres Unrecht!" erwiederte Markbreiter mit beiden Händen Levis Rechte ergreifend und ihm herzlich ins Gesicht blickend. „Nicht nur des Herrn Oberhoffaktors, auch Ihr Lob hat mir Vergnügen bereitet, obwohl ich beides nicht verdient habe. Auch dürfen Sie mir es glauben, Sie sind mir so ungewöhnlich sympathisch, daß ich mir's selbst nicht zu erklären vermag." Markbreiter schien einen Moment darüber nachzudenken. „Allerdings hat Ihr allverehrter Herr Chef, Sie als einen seiner tüchtigsten, verläßlichsten Mitarbeiter bezeichnet; aber so schwerwiegend auch sein Urtheil für mich ist, so reicht dieses und Ihre freundlichen Worte allein, doch immer nicht hin, mir das lebhafte Gefühl, das mich zu Ihnen drängt, zn erklären. Je länger ich Ihnen ins Gesicht blicke, desto bekannter erscheint es mir. Wahrhaftig! auch Ihre Stimme klingt mir vertraut und auch Ihre Art zu sprechen! Ich habe den Eindruck, als hätte ich Sie schon einmal gesehen und Sie wären mir in verschwimmender Erinnerung geblieben.Wär's möglich, wir hätten uns schon einmal, etwa vor Jahren als Jünglinge schon gesehen?" „Nein!" entgegnete Levi, „ich kann's mit meinem Ehrenworte versichern, ich habe Sie noch nie in meinem Leben gesehen" und nun wandte er sich rasch an den Oberhoffaktor. „Wenn meine Anwesenheit hier nicht mehr erforderlich, würde ich ergebenst bitten, mich gewogenst zu entlassen. Ich bin mit einer wichtigen Arbeit beschäftigt, deren Erledigung nicht den geringsten Aufschub verstattet" und Wertheimers Kopfnicken als Zustimmung betrachtend, eilte er Markbreiter grüßend aus dem Kabinete. Dieser sah ihm kopfschüttelnd, verwundert nach, dann sprach er zögernd: „Herr Oberhoffaktor, darf ich mir noch einige Minuten Gehör für eine Angelegenheit erbitten, die meine Privatverhältnisse, aber auch Ihnen nahestehende Personen betrifft." „Sprechen Sie, ich höre." „Knapp vor meiner Abreise nach Preßburg erhielt ich von meinem lieben Vater den Auftrag, nachdem ich die Abrechnung mit Ihnen Herr Oberhoffaktor, gepflogen. Herrn Aron Arnstein hier zu besuchen. Gleichzeitig überraschte mich mein Vater mit der Mittheilung: er und Herr Aron Arnstein hätten über ihre Kinder, als wären diese willenlose Objekte, verfügt, und nach einer zwischen ihnen getroffenen Vereinbarung, wäre mir dessen Tochter zur Gattin bestimmt. Ich werde meinem Vater gehorsamen und Herrn Arnstein besuchen, ein Anlaß hierfür liegt ja auch hierin, daß wir mit dieser hochachtbaren Familie etwas verwandt sind; allein ich halte es für meine Pflicht, die Ehre, von Ihnen Herr Oberhoffaktor, persönlich empfangen worden zu sein, auch dazu zu benützen, es Ihnen, bevor ich noch die junge Dame gesehen, auszusprechen: daß ich auf das Glück um ihre Hand werben zu dürfen, verzichten muß, hieran die ergebenste Bitte knüpfend, dies nebst den Gründen, die mich hierzu veranlassen, Ihrer Frau Nichte Ella und deren Gatten, Herrn Aron Arnstein mitzutheilen." Wertheimer blickte angenehm überrascht aus. Wenn Perez Markbreiter auf Lea Arnsteins Hand verzichtete, dann hatte seine Nichte Ella, wenigstens für die nächste Zeit ein Zerwürfniß in ihrem engsten Familienkreise nicht zu befürchten; der Oberhoffaktor erwiederte: „Wenn Sie wünschen, werde ich mich dieser Mission unterziehen, doch erscheint es überflüssig mir hierfür einen Grund anzugeben. Wenn Sie eines der schönsten, geistreichsten, gebildetesten, vornehmsten und edelsten Mädchen verschmähen, — so müssen Sie eben ein anderes Mädchen lieben; — aber Herr Perez Markbreiter, Sie gefallen mir und ich interessire mich für Sie und darum sehe ich mich veranlaßt Ihnen meine Verwunderung, fast möchte ich sagen meine Mißbilligung darüber auszusprechen, daß Sie mir ein Geheimniß offenbaren, das Sie bislang Ihren Eltern verheimlicht haben. Ihr Vater verdient größeres Vertrauen von Ihnen. Ich verkehre ja zuweilen mit ihm und da habe ich Gelegenheit zu erkennen, wie endlos er sie liebt. So kärglich auch ihm und mir die Zeit für unsere geschäftlichen Abwicklungen zugemessen ist, weiß er doch immer das Gespräch aus Sie zu bringen und wenn er von Ihnen spricht, dann leuchten seine Augen auf. So sorgfältig er es auch vermeidet

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