Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1892)
- Date
- 1892-09-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1415 Nachmittage wurden sodann die Zöglinge der Anstalt festlich bewirthet, bei welcher Gelegenheit von einigen derselben in ihrer Muttersprache (deutsch, französisch, englisch, russisch, schwedisch und ungarisch) und von einem sogar in fließendem, classischen Hebräisch Ansprachen gehalten wurden, worin die Schüler ihrer Freude darüber begeisterten Ausdruck gaben, daß sie das Glück haben, in der hiesigen Anstalt außer einer gründlichen und wissenschaftlichen Ausbildung, eine so gediegene, religiöse und liebevolle Behandlung zu finden. Diese alle Betheiligten im höchsten Grade erhebende Feier zeigte deutlich, mit welcher Liebe und Begeisterung Lehrer und Schüler des Hauses für die hohe Aufgabe, die die Schule sich gestellt, erfüllt sind und welch inniger Verkehr zwischen den Leitern der Anstalt und den Zöglingen herrscht. Die Eltern aber können sich beglückwünschen, daß sie die geistige und religiöse Förderung ihrer Kinder in so bewährte Hände gelegt haben. J. Hamburg, 9. Sept. Der Israel. Stellen- Vermittlungs-Verein, hier, befindet sich in fortschreitend guter Entwicklung, und ist es dem Vorstande gelungen, sowohl eine Anzahl Aufträge zur Besetzung von Vacanzen zu erhalten, als auch Resultate zu erzielen, welche, in Anbetracht des kurzen Bestehens des Vereins, als sehr befriedigend zu bezeichnen sind. Die Anzahl der bisher besetzten Stellungen wäre noch viel größer, wenn es nicht an Bewerbern mangelte, speciell solcher, welche, neben einer guten Handschrift auch Kenntnisse von fremden Sprachen besitzen und der doppelten Buchführung vollständig mächtig sind. Besonders fehlt es auch an Bewerbern, welche bereits längere Zeit mit Erfolg reisten, da Reisende fortwährend gesucht werden. Das in jeder Weise praktisch eingerichtete Geschäftsverfahren ermöglicht es den Herren Chef's, unter den empfohlenen Bewerbern ihre Auswahl verhältnißmäßig leicht zu treffen, da die Chef's aus den stets den Vorschlägen beigefügten Formularen fast alles Wisftnswerthe ersehen. Auf Verlangen holt der Vorstand des Vereins über jeden Bewerber genaue Auskunft ein. Obwohl, in Folge der leider in Hamburg herrschenden Krankheit, der Geschäftsbetrieb erschwert wird, so ist derselbe jedoch keineswegs unterbrochen, und werden die eingehenden Meldungen von Vacanzen und Bewerbern prompt erledigt, — Es sei noch an dieser Stelle darauf aufmerksam gemacht, daß der Verein junge Leute bei Prinzipalen nur dann in Vorschlag bringt, wenn die, vom Vereinsvorstande jederzeit zu beziehenden Bewerbungspapiere, genau nach beigefügter Instruction ordnungsmäßig ausgefüllt, zusammen mit mindestens drei Bewerbungsschreiben, an den Verein eingesandt sind. Mainz, 15. September. Herr Dr. Grün ersucht uns, mitzutheilen, daß die von ihm in Wiesbaden veranstalteten Eollecten zu Gunsten armer Israeliten aus Rußland stattfanden. Zwei diesbezügliche Dankschreiben haben der Redaktion Vorgelegen. Fronhausen, 13. Sept. Ein Herr Robert Prager empfiehlt zur Zeit im Anzeigetheile jüdischer Blätter „Gratu latio ns karten mit dem wohlgclung e n e n Portrait B u s ch h o f f's." Ich glaube, daß kein Glaubensgenosse die Geschmacklosigkeit besitzen wird, derartige Karten zu verwenden. Dem unschuldig verfolgten Buschhoff wandten sich mit Recht die Sympathien aller zu; denselben aber zum Nationalheros und seinen Namen zum Losungswort für die Feier der bevorstehenden Tage der Versöhnung zu machen, liegt kein Anlaß vor. Ebensowenig würde eine derartig täppische Anzapfung der Gegner von politischer und vornehmer Gesinnung zeugen. S. Andorn. J. Trier. Am Freitag Nachmittage V25 llhr entschlief hier im Alter von 83 Jahren Frau Sofie Michaels, geborene Lehmann, die letzte der Schwestern von Rabbiner Dr. Lehmann Die Verstorbene war eine Frau von seltener Herzensgüte und Milde, großer Wohlthättgkeit und überaus fein und anziehend in ihrem Wesen. Sie war gleichsam die Erzieherin, die liebste Freundin und Beratherin ihres um 22 Jahre jüngeren Bruders. Schwere Kämpfe blieben ihr nicht erspart, sieben Jahre lang mußte sie warten, bis ihr Gatte — gemäß den damaligen barbarischen Gesetzen — die Heirathslizenz erhielt; dafür wurde aber auch ihr späteres Leben ein um so schöneres; hochgeachtet und angesehen, geliebt und verehrt von weiten Kreisen ihres Wohnortes (Lüneburg) genoß sie ihre Tage. Die letzten Jahre verlebte sie in Trier bei ihren sie treu pflegenden Kindern. An dem Grabe verliehen Herr Rabb. Dr. Baßfr e u n d sowie der Neffe der Verstorbenen, Hr. Dr. Jon. Lehmann von Mainz, der tiefen Trauer um die Dahingeschiedenc beredten Ausdruck. Erwähnt sei noch, daß der Gatte der Verstorbenen, der ihr bereits vor länger denn 20 Jahren im Tode vorausgegangen, einen größeren Betrag bei dem Vorstand der Gemeinde Lüneburg deponirte, der den Grundstock für das Kapital zum Synagogenbau bildete. Wie unseren Lesern bekannt, wurde der Grundstein zu dieser Synagoge erst in voriger Woche unter großen Feierlichkeiten gelegt. Oe st er r.- Ungar. Monarchie. Wien, 9. Sept. Der Strike der Tales-(Gebettuch)-Weber in Kolomea dauert in Folge des Beschlusses einer vorigen Sonntag stattgchabten Versammlung der Strikenden fort. Doch ist, wie das „N. W. Tagbl." schreibt, kaum mehr an einem für die Strikenden günstigen Ansgang zu zweifeln, da unter ihnen große Noth herrscht und trotz eines in mehreren Sprachen an die sozial-