Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 33 (1892)
- Issue
- Heft 74 (15.9.1892)
- Date
- 1892-09-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1414 denken haben wird, kann Ahlwardt, der Aufschub erlangt hat, seine Hetzwanderungen fortsetzen, Fluch und Haß säen, bis ihn der Arm der menschlichen oder göttlichen Gerechtigkeit ereilen wird. — Wir aber wollen wieder das Faktum festnageln, daß Staatsanwälte und Gerichtshöfe die Führer der Judenhetzpartei als Ehrabschneider brandmarken, ihre Kampfesmethode gebührend geißeln und in ihren Schriften und Reden die verwerfliche Absicht zu beleidigen, entdecken. Das sind deine Leiter, bethörtes Landvolk! N. Berlin, 14.Sept. roro ms — ms nvz rvcnnn. Warst Du schwach am Tage der Beengniß, so ist eng Deine Kraft. (Spr. Sal. 24, 10.) Die gesammte gebildete Welt nimmt wärmsten Antheil an dem furchtbaren Mißgeschick, das eine volkreiche Stadt unseres Vaterlandes betroffen hat. Wo deutsche Zunge klingt, herrscht tiefinnige Trauer, denn der Würgengel ist eingezogen in die Mitte einer intelligenten, arbeitssamen Bevölkerung und mit einer bangen Wehmuth lesen wir alltäglich die Unglücksbotschaften von der noch immer wüthenden Seuche. So groß der Schmerz, ob dieses entsetzlichen Unheils, das über unser Vaterland hereingebrochen, so dürfen wir dennoch nicht unterlassen, Gott dem Herrn zu danken, daß der unheimliche Gast auf enge Grenzen beschränkt blieb und nach dem übereinstimmenden Urtheile der berühmten Fachmänner keine Befürchtung vorliegt, daß die verheerende Plage weitere Kreise ergreifen wird. Allerdings werden auch ferner Vorbeugungsmaßregeln fortgesetzt, doch diese bewegen sich innerhalb der erkannten hygienischen Grundsätze. Wer die Aengstlichkeit zu weit treibt, der ist ein bedauernswerther Schwächling. Aber diese grundlose Aengstlichkeit ist nicht nur nutzlos, sondern wirkt auch verderblich, denn der grassirenden Krankheit soll neben einer gesunden Konstitution des Körpers die Stärke der Seele entgegentreten. Diese Seelenkraft vermissen wir leider bet vielen unserer Glaubensgenossen, die von dem edelsten Willen, das Beste zu schaffen, durchdrungen sind, aber in ihrem Eifer über das Ziel hinaus gehen. Gewiß haben Rabbiner und Gemeindevorstände die heilige Pflicht in ernster Zeit auch sür die Gesundheit ihrer schutzbesohlenen Gemeindemitglieder Sorge zu tragen, keineswegs dürfen sie aber die unwandelbaren Gesetze Gottes außer Acht lassen. Es ist ein anderes die größere oder geringere Wichtigkeit eines Minhag behaupten und ein ganz ganz anderes diejenigen Institutionen erschüttern, welche einmal unabänderliche Gesetzeskraft besitzen, und welche ferner sür viele großstädtische Israeliten als der letzte Rest ihrer Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinde bewahrt werden. Wird auch dieses allerletzte Bollwerk erschüttert, dann haben wir die Schwachen, auf deren Umkehr wir noch immer hinarbeiten aus dem Judenthume hinausgetrieben. Sie verlieren den letzten Halt und glauben zu erkennen, daß Alles — selbst das in ihren Augen Allerheiligste — einem Windhauche weichen kann. Die Tagesblätter der Residenz verbreiten das Gerücht, daß das hiesige Gemeinderabbinat damit umgeht, das Faften am Bersöhnungstage zu beschränken. Wir schenken dem Gerücht keinen Glauben, aber wir sind erstaunt, daß die competenten Stellen sich nicht mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren. Ja man müßte nachspüren, welcher frivole Reporter dem ehrwürdigen Rabbinat diese Absicht unterschoben hat. — Augenblicklich entbehrt eine solche das Judenthum geradezu zerstörende Maßregel jeder Unterlage. Rur solche Zeitungshelden, denen es als Lebensaufgabe gilt, jede positive Religion zu bekämpfen, ergreifen die Gelegenheit, um auch eine Grundsäule des Judenthums zu erschüttern, oder sagen wir zu zerschmettern. Denn anders können wir das Heranwagen an die Unantastbarkeit des Jaum-Kippur nicht nennen. Auch die Einführung längerer Pausen im Gottesdienste, eine Maßregel, unter welcher die Weihe des Tages außerordentlich leiden würde, sollte nur in ganz dringenden Fällen gestattet werden. -r- Pfungstadt. Eine erhebende, von echt jüdischem Geiste getragene Feier fand jüngst im hiesigen israelitischen Institut statt. Am xxn ’D 'khd wurde in der Anstaltssynagoge ein neues -®d eingeweiht, welches der Leiter des Instituts, Herr Direktor Dr. Bar naß, bei Gelegenheit der itsd 12-Feier seines Sohnes spendete. Nachdem die Lehrer und Schüler der Anstalt und der größte Theil der hiesigen Gemeindemitglieder sich in der festlich geschmückten Synagoge versammelt hatten, wurde die reich ausgestattete Thorarolle abgeholt und vom msD 12 einige Abschnitte der rrm hieraus verlesen. Nach der Vorlesung hielt der Direktor zunächst an die Versammelten eine begeisterte Ansprache, worin er, anknüpfend an eine Midraschstelle, die Bedeutung der Thora für die Gestaltung unseres privaten und öffentlichen Lebens darlegte. Sodann zum mso m übergehend, erklärte er u. A. in sinnreicher Weise die Bedeutung der von der Massorah genannten, mit roi beginnenden Bibelverse. Heilighaltung des Schabbos in unserem Berufsleben, Fernhalten von jrn im Verkehr mit unseren Mitmenschen und endlich Vermelden von de',-7 bbn dem schmähsüchtigen, stets angriffsbereiten Andersgläubigen (p!?vp) gegenüber, dies seien die Grundlehren, die ein Jehudi beim Eintritt in die jüd. Gemeinschaft zu beherzigen habe. Am