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Der Israelit · 1892-09-15 · Heft 74 (15.9.1892) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 74 (15.9.1892)
Date
1892-09-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1413 Schwierigkeit zu begreifen, ihnen in unserer Zeit gerecht zu werden. Unsere Männer des Fortschritts, sollen der Rückkehr das Wort reden! Wie sollte das Gebet ihnen Einsicht und Kraft gewähren, einen solchen Entschluß zu fassen und auszuführen, nachdem sie die Stätten des Gebets durch unjüdischen Cultus entweiht, und sie die Gebete selbst verunstaltet und den Anforderungen der Götzen des Tages gemäß zugestutzt haben! Wie sollen sie im Leben, im ringenden, kämpfenden, täglichen Leben die Festigkeit und Gewissenhaftigkeit bewähren, welchen der Vorsatz zur Pflichttreue fordert, wenn sie dieser Anforderung nicht einmal in ihren Gotteshäusern zu genügen vermögen, wenn diese Kainszeichen des Abfalls und der Coguetterie mit außerjüdichen Kulten an der Stirne tragen! Es sind drei inhaltsschwere Worte, die uns unser Machsor mit Frakturschrift zur Beherzigung hinstellt. — Aber es sind auch schwere, ernste Zeichen der Zeit, die von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr immer dringender und unabweisbarer darauf Hinweisen, daß in der treuen Beherzigung dieser vielsagenden Worte unsere einzige Hilfe liegt. Der Jude, der von ihrem Ernst durchdrungen ist, unterscheidet sich äußerlich nicht von demjenigen, welcher ihnen Ohr und Herz verschließt. Leben und Tod, Reichthum und Armuth, Glück und Unglück treten an den pflichttreuen Juden so oft heran, als an den pflichtvergessenen. Aber den Juden, welcher weiß, daß jedes Verhängniß ihm von Gottes Vaterliebe beschieden ist, macht kein Mangel arm, keine Krankheit verbittert, wie ihn sein Sterben nicht zum Tode, sondern zu neuem Leben führt. Die niu, das Verhängniß, nimmt die treue Beherzigung und Verwirklichung dieser Worte nicht hinweg, aber sie thut mehr als dies. Die mn bleibt, aber sie nimmt ihr den Stachel, an dem andere verbluten, sie lehren heiter ertragen, was andere verzweifelt zu Boden wirft: .nmn yn nM P’jyo Zeitrrrrgs«achrichteu uu- Correspoudeuzeu. Deutschland. F. Frankfurt a. M., 12. Sept. Noch selten ist hier einem Verstorbenen von einer so großen Menge theilnehmender Freunde die letzte Ehre erwiesen worden, als dies gestern bei der Beerdigung des Herrn Ferdinand Gam bürg der Fall war. Männer aller Stände, aller Konfessionen und religiösen Richtungen folgten dem Sarge. Den Schluß des nach Tausenden zählenden Zuges bildete eine unabsehbare Wagenreihe. Auf dem Friedhof sprach zuerst Herr Rabbiner Dr. Hör ovitz. In bewegten und bewegenden Worten gab er dem Schmerze über das rasche, allzufrühe Hinscheiden Gamburgs Ausdruck, eines Mannes, der nicht nur seiner Familie, sondern der ganzen leidenden und bedrängten Menschheit gestorben. In den fast zahllosen Werken, die er geschaffen, werde er fortleben als leuchtendes Vorbild der rastlosesten und uneigennützigsten Arbeit. Herr Dr. Heineman n sprach im Namen der Frankfurter Loge der Bne Brith, die Gambnrg mit ins Leben gerufen. Die Vollendung einer seiner letzten und liebsten Schöpfungen, eines Siechenhauses, zu erleben, sei ihm nicht vergönnt gewesen. Dann wurden dem Hingeschiedenen noch warme Nachrufe gewidmet von Herrn Benjamin aus Köln im Aufträge der Rheinlandloge der B. B. in Köln und der Logen zu Mainz, Wiesbaden und Straßburg, von Herrn Leopold Jgersheimer Namens des israelitischen Almosenkastens, von Herrn Dr. med. Rosenbaum für die israelitische Suppenanstalt, die Anstalt für arme Kranke in Soden und für kranke Kinder in Nauheim, von Herrn Emil Stieb el für den Verein zur Beförderung des Handwerks unter den Israeliten und von Herrn Dr. A. Sulzbach für das deutsch-israelitische Kinderheim in Dietz und den Kindergarten für Israeliten dahier. N. Berlin, 8. September. (Antisemitenprozesse und kein Ende.) Ahlwardt und Erwin Bauer erschienen vor der 1. bezw. 2. Strafkammer, um wieder einmal vor der großen Oeffentlichkeit darzuthun, welch verwerflicher Mittel sich die antisemitische Kampfesweise bedient. Erwin Bauer, „die geistige Stütze des deutschen Vaterlandes", verbüßte erst kürzlich eine zweimonatliche Festungshaft wegen Majestätsbeletdigung. Was Wunder, daß derselbe Herr „Germane" die obersten Beamten des deutschen Reiches und des preußischen Staates mit Jnvektiven bewirft und diese Ueberhebungen in die milde Form kleidet, es sei das Recht der berufsmäßigen Politiker die Räthe der Krone vor falschen Maßnahmen zu warnen. Während der „vornehme" Erwin Bauer sich nur den Reichskanzler und den Finanzminister Dr. Miguel als Zielscheibe seiner ungeziemenden und höchst gehässigen Kritik ausgesucht, wettert der Herr Rector in 8U8x6N80 gegen den ganzen preußischen Beamtenstand und beehrt besonders die juristischen Beamten mit seiner allbekannten und wohlgeläufigen Fluth von Schimpfreden. — Der Staatsanwalt Dr. Bendix gibt beiden Vaterlandserrettern recht deutlich zu verstehen, auf welche Stufe diese Art Politiker gehören, die in der rücksichtslosesten und schonungslosesten Weise an Stelle sachlicher Einwände persönliche Ausfälle setzen. Während Erwin Bauer einen Monat lang im Gefängniß zu Plötzensee bei magerer Kost über den Wechsel der Dinge nachzu-

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