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Der Israelit · 1892-09-15 · Heft 74 (15.9.1892) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 74 (15.9.1892)
Date
1892-09-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1412 rnisterial-Erlaß keine Anwendung mehr finden, indem unter der Etiquette des Thierschutzes den Juden die Möglichkeit versagt werden soll, ihre Schlachtthiere dem jüdischen Religionsgcsetz gemäß zu tödten. — In der Schweiz haben mehr als 70,000 Stimmberechtigte das gleiche Begehren gestellt und verlangen durch Volks-Entscheid ein allgemeines Schächtverbot. In ganz Deutschland stellt die seit einigen Monaten gesetzlich gebotene Sonntagsruhe, die treue Jnnehaltung der Sabbatruhe auf eine schwere Probe, und legt den jüdischen Staatsbürgern die Verpflichtung auf, zwei Tage in der Woche die geschäftliche Thätigkeit einzustellen. So trifft der Blick auf das scheidende Jahr überall Erschwerung, Beschränkung und Gefährdung des religiösen und sozialen Lebens für die Bekenner des Judenthums. Wenn nun selbst diesen trüben Schattenseiten ein Lichtpunkt anhaftet, so ist er in dem erfreulichen Umstand zu suchen, daß alle diese betrübenden Geschehnisse denn doch von klärendem und läuterndem Einfluß für die Bekenner des Judenthums sich erwiesen haben. Die Zeit liegt noch nicht sehr lange hinter uns, in welcher aus den jüdischen Reihen selber, die treue Anhänglichkeit an das überlieferte, historische, einzige, wahre Judenthum, als Hemmschuh für den Fortschritt und den Anschluß an unsere Umgebung verdächtigt wurde. Man erklärte die Thora und ihre Satzungen für abgethan und veraltet und glaubte allen Ernstes, wenn erst die religionsgesetzlichen Schranken von uns selber abgetragen seien, so würden die sozialen und politischen von selber fallen. Im Namen dieses sogenannten Fortschritts, im Namen der aufgeklärten Zeit, des erleuchteten Zeitgeistes forderte man keck die Abrogirung unseres heiligen Gottesgcsetzes, erklärte man sich bereit, das Judenthum und seine Satzungen Preis zu geben, um der Judenheit materielle, äußere Vortheile zu sichern! Und nun brechen die Thalfachen so entschieden den Stab über dieses ganze Vorgehen, daß auch die lautesten Wortführer der „Reform des Judenthums", wie man diesen Treubruch beschönigend nannte, die Deroute nicht länger bemänteln können! Die Zeit, der man schmeichelte, der zu Liebe man das Theuerste wie alten Plunder geringschätzig wegwarf, hat sich auch gar zu trügerisch erwiesen. Auf wie schwachen Füßen müssen die so laut bejubelten Errungenschaften unserer Zeit stehen, wenn die Leiche eines ermordeten Kindes genügt, um alle Bildung, Gesittung und Aufklärung wie ein Kartenhaus über den Haufen zu werfen, und die wüsteste mittelalterliche Barbarei an deren Stelle treten zu lassen! Dazu kommt noch, daß die Judenfeinde aller Schattirungen nicht müde werden immer wieder und wieder zu erklären: Nicht den strenggläubigen, orthodoxen, sondern den religionslosen und Reformjuden gelte ihr Kampf. — Man ma<; iil> - o e Wahrhaftigkeit dieser Erklärung denken, wie man auch will: Der Vorwurf wird erhoben und hartnäckig festgehalten. Er wird zudem nicht ausschließlich von Judenfeinden, sondern auch von gebildeten Christen erhoben, deren symphatisches Interesse für Juden und Judenthum über allen Zweifel erhaben ist. Unter diesen Umständen ist cs ein erfreuliches Symptom, wenn die Brutalität der Thatsachen den lautesten Kämpen des Reformjudeuthums das Geständniß des Verfehlten ihrer bisherigen Bestrebungen abringt. — Jüdische Männer, die durch ihr eigenes Beispiel, die durch Wort und That, die mit dem ganzen Einfluß ihrer amtlichen Stellung, das überlieferte Judenthum und seine Satzungen der Verachtung, jedenfalls der Verkennung Preis geben wollten, zittern vor den Geistern, die sie heraufbcschworen. Der Vorstand der Wiener Gemeinde hat die Vorstände der Gemeinden von Berlin, London, Paris und Budapest zu einer Conferenz eingeladen, um darüber zu berathen, wie dem überhand nehmenden Jndifferentismus innerhalb des Judentbums abzuhelfen sei!! So tief wir auch von der Wahrheit durchdrungen sind: -wjd -Vvp p», daß die Verkleineret: des positiven, überlieferten Judenthums, sich sehr schlecht als seine Retter gualifiziren, so wenig wir uns auch einen praktischen Erfolg von diesem ganzen Vorgehen versprechen, so verzeichnen wir doch mit lebhafter Befriedigung die Thatsache an und für sich als unbestrittenes Symptom einer Wendung zum Besseren, auf das wir noch eingehend zurückzukommeu Gelegenheit haben werden. Fragt man uns, was wir den schweren Schäden und Gebresten unserer Zeit entgegen zu setzen haben, so antworten wir mit unserem Machsor: mnn m m i’-royo npisn r6en nawn Rückkehr, Geber und Pflichttreue beseitigen das Böse des Verhängnisses. Die rückhaltlose Rückkehr zu Gott und seinem Gesetz nznfisn und die Bitte vor seinem Antlitz, die verfehlte Vergangenheit zu sühnen, und für das neue Leben im neuen Jahre, die Einsicht und die Kraft zu gewähren, voll und ganz unserer Pflicht zu genügen rösri, mit dem festen Vorsatz eines pflichttreuen Lebens, von nun ab, für alle Zeit, die uns auf Erden beschteden ist np-ra, diese drei inhaltschweren Worte mit ihrer tiefen, das ganze Menschenleben umfassenden Bedeutung sind es', die den Talisman gegen alles Weh und Leid bilden. Man braucht diese Worte nur nach ihrem bloßen Wortsinn sich zu vergegenwärtigen, um ble

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