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Der Israelit · 1892-09-12 · Heft 73 (12.9.1892) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
33 (1892)
Issue
Heft 73 (12.9.1892)
Date
1892-09-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1399 brecher hatten den Umstand benutzt, daß ein nachlässiger Diener die Thür offen gelaffen, um ihre schändlichen Pläne auszusühren. So bald das Kind sich im Hause befand, schloffen sie hinter ihm die Thür und verschwanden. Eine Stunde später war das ganze griechische Viertel in Aufruhr; man suchte das Kind und klagte die Israeliten an, einen Diebstahl begangen zu haben, zum Zweck des berüchtigten rituellen Mordes. Diejenigen, die die Comödie in Scene gesetzt, zögerten nicht zu behaupten, das Kind müfle sich bei Herrn Attiö befinden. Alsbald wurde das Haus gestürmt, die Thür erbrochen, die Miether gemißhandelt; endlich endeckte man das Kind im Garten sitzend, ruhig sein Brod verzehrend. Zum Glück find die Attiös französische Unter-- thanen und bei der Bevölkerung sehr geachtet, sonst ist es fraglich, was aus ihnen geworden wäre. Die Entdeckung des Kindes und seine Erklärungen hindern es nicht, daß die Eltern die Angelegenheit dem Gericht übergaben und die Familie A1ti6 beschuldigten, den Knaben in übler Absicht geraubt zu haben. Der Angelegenheit konnte keine Folge gegeben werden, da ein Firma» des Sultans jedes gerichtliche Verfahren wegen Anklage des rituellen Mordes verboten hat; immerhin beweisen derlei Umtriebe die Tiefe des Hasses, welchen die Christen von DamaScus gegen die Israeliten nähren, und unsere Gemeinde fühlt sich nicht für die Zukunft gesichert. Rußland. Petersburg, 28. August. Eine nicht unbedeutende Eigenthümlichkeit der Juden ist in der gegenwärtigen Zeit in sehr frappanter Weise zu Tage getreten, es ist dies die größere Immunität der Juden gegen die Cholera. Während in den Städten, wo die Epidemie w'üthet, Hunderte täglich an der Cholera erkranken, ist es an vielen Orten vorgekommen, daß von der stellenweise ziemlich dicht wohnenden jüdischen Bevölkerung kein einziger erkrankt war. In Nischni-Newgorod, wo mehr als zehntausend Juden sich befinden, hat die Cholera einige Wochen grassirt, ohne daß ein einziger Jude ihr erlegen ist, außer dem bekannten jüdischen Arzt Jdelsohn, welcher sich selbst bei der Hilfsleistung Anderer aufopferte und starb. In zahlreichen anderen Städten hat die Epidemie bis zum Augenblick noch keinen einizigcn Fall der Erkrankung von Juden aufzuweisen. In Rostow am Don, wo gegen 15,000 Juden wohnen, ist die Zahl der jüdischen Patienten zu der der christlichen eine minimale, ebenso in vielen anderen Städten. Ganz besonders auffallend ist der Umstand, daß die Städte, in welchen die Juden in großer Zahl ansässig sind, von der Epidemie verschont geblieben sind, so z. B. Odessa, Berditschew und die Städte deS südwestlichen Rußlands, welche alle große Handelscentren bilden. In den wenigen jüdischen Städten, wo die Cholera aufgetreten ist, wie Poltawa, Jekaterinoslaw 2C., ist sie notorisch sehr schwach und bereits im Erlöschen begriffen. Es findet dies seine Erklärung in der ganzen Lebensweise der russischen Juden, welche von derjenigen der Christen wesentlich abweicht. Ausschweifungen, Schnaps und Alkohol kennt der russische Jude nicht, und wegen seiner höheren Intelligenz wendet er auch die Vorsichtsmaßregeln zur Verhütung der Seuche an. Die russische antisemitische Presse hat vergebens beim Ausbruch der Cholera einen Feldzug gegen die Juden unternommen, indem sie gerade die jüdischen Städte für einen künftigen Herd der Epidemie erklärte und in ihnen eine große Gefahr für das ganze Vaterland erblickte. Zu gleicher Zeit zeigen die Juden eine Rührigkeit in dem Kampf mit der Cholera, wie sie bei der christlichen Bevölkerung kaum zu verzeichnen ist. Die jüdischen Gemeinden im Süden des Landes haben überall Theehallen für die unbemittelte Bevölkerung eröffnet und Summen gesammelt, um beim Ausbruch der Cholera die Mittel zu ihrer Bekämpfung an der Handzu haben. Ihrem Beispiel erst folgt auch die sonst so apathische russische Bevölkerung. Eine besondere Anerkennung verdienen die Juden, welche sich freiwillig in den Sanitätsdienst stellen, zahlreiche jüdische Aerzte, namentlich aber Studenten, begeben sich von ihren Geburtsorten nach dem Wolgagebiet sowie nach dem Kaukasus und lassen sich in die Krankenhäuser und Spitäler als Gehilfen aufnehmen. Unwillkürlich drängt sich dabei die Frage auf, ob auch die Söhne des Fürsten Meschtscherski, des Grafen Jgnatjew, des Pobedonoszew und der übrigen Judenfresser Rußlands, eine solche Aufopferungsfähigkeit ihrem Volke gegenüber beweisen, wie der geächtete, verfolgte und gejagte russische Jude. Griechenland. Korfu, im August. Oberrabbiner Alessandro da Fano hat uns nun verlassen, um seinen neuen Amtssitz in Mailand einzunehmen. Am Sabbate vor seiner Abreise hielt er im hiesigen großen Tempel seine Abschiedsrede, in der er der Gemeinde, ihren Vorstehern und allen Brüderschaften derselben innigst und herzlichst dankte, für die ihm während seines nahezu sechsjährigen Aufenthaltes hier bewiesene Anhänglichkeit, Treue und Hochachtung und ermahnte er noch zum letzten Male seine Heerde dem väterlichen Glauben treu zu bleiben, da wir nur in der Erfüllung seiner Vorschriften das Leben unseres Volkes und sein Gedeihen forterhalten können imo* im>n on 'd. Diese Worte des scheidenden Oberhirten rührten die Anwesenden fast bis zu Thränen, und darf man daher hoffen, daß sie nicht so leicht und allzubald vergessen sein werden, sondern daß sie einen tiefen Eindruck auf die Gemüther der Zuhörer gemacht haben onan 'im a'Dmu nto p D’xsvn. Diese Abschiedsrede des verehrten Oberhirten wird auf Kosten unserer Gemeinde in Druck gelegt werden. Am Tage dieser Abreise des Oberrabbtners fanden sich fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde in dessen Behausung ein, um sich von ihm und den Seinigen zu verabschieden. Die Gemeinde hat schon beschlossen, bebufs Neubesetzung des nun erledigten Postens eines Oberrabbiners hier einen Concurs auszuschreiben. P a l ä st i n a. Jerusalem, 25. August. Die von einer französischen Gesellschaft erbaute Eisenbahn Jaffa- Jerusalem soll am 26. September eröffnet werden.

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